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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-23 · Heft 17 (23.4.1872) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 17 (23.4.1872)
Date
1872-04-23
Page
Seite 333 (sequence 11)
Language
German
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Antrag des Herrn Frericks wurde indessen trotz dieses Einwandes angenommen. Für den unlängst hier zu Stande gekommenen Unterstützungsverein für die Wittwen und Waisen jüdischer Lehrer in unserer Provinz hat, nachdem durch Sammlung bei den einzelnen hiesigen Gemeindemitgliedern die ansehnliche Summe von 4000 Thlrn. aufgebracht worden war, unser Repräsentantencollegium vorläufig auf fünf Jahre eine jährliche Beisteuer von 100 Thlrn. bewilligt, und ist der gedachte Verein auch unter die Zahl der hiesigen Chewroth ausgenommen worden, so daß für ihn beim Aufrufen zur Thora unter der nicht gerade sehr passenden Benennung ismö» n-isn „geschnobert" werden kann. Vor einiger Zeit ist hier der zweite Fall vorgekommen, daß ein hiesiges Gemeindemitglied, Banquier Werthauer, sich geweigert hat, an seinem Sohne die Beschneidung vollziehen zu lassen. In Folge der Aufregung, welche sich hierdurch im Schooße unserer Gemeinde kund gab, sammelte Dr. Kahserling Unterschriften für einen Antrag, nach welchem in Zukunft niemand mehr, welcher aus Princip die Beschneidung bei seinen Kindern unterläßt, Mitglied des hiesigen israelitischen Wohlthätigkeitsvereins werden könne und, falls er schon ein solches wäre, auszuscheiden genöthigt sein solle, so daß gegen ihn die Pflichten des Vorstandes und der Mitglieder des gedachten Vereins aufhören. Dieser Antrag erhielt indeß, obwohl ihn wehr als hundert Mitglieder unterzeichnet hatten, auf der Generalversammlung des Wohlthätigkeitsvereins nur die Majorität wer Anwesenden, konnte jedoch nicht zum Beschlüsse erhoben werden, weil sich viele Mitglieder, vor der Abstimmung entfernten, wodurch die zur Abänderung der Statuten nothwendige Stimmenzahl nicht mehr vorhanden war. Herr Obercommercienrath Simon aus Wien hat bei feiner jüngsten Anwesenheit hierselbst dem von ihm hier gegründeten israelitischen Waisenhause sein früheres Geschäftshaus zum Geschenk gemacht, wohin dasselbe demnächst verlegt werden wird. Das bisherige Waisenhaus soll verkauft werden und der Erlös dafür dem Waisenhausfonds zu Gute kommen. — Einen anderen Act der Wohlthätigkeit hat Herr Banquier Koßmann Berend hierselbst unlängst dadurch geübt, daß er 300 Thlr. zur Anschaffung von hebräischen Werken für die von den hier lebenden Stistsgelehrten zu benutzende Bibliothek gespendet hat. Zu Ostern haben wiederum zehn Seminaristen nach in Gegenwart des Schulraths Spieker bestande- -ner Prüfung das hiesige jüdische Seminar verlassen. Vier derselben, denen in Rücksicht auf ihre trefflichen schriftlichen Arbeiten das mündliche Examen erlassen wurde, erhielten das Prädicat sehr gut, vier andere gut und zwei genügend. In Lieben au ist vor kurzem Magnus Cohn, der 16-jährige Sohn armer Aeltern, beim Fischen.an der dort befindlichen Wassermühle vom Mühlrade ergriffen worden, wodurch ihm der rechte Arm vom Rumpfe gequetscht wurde. Durch Entschlossenheit der gerade anwesenden Menschen gelang es, Cohns verstümmelten Körper rasch zurückzuziehen und dadurch das Leben desselben zu retten, der bis dahin die Stütze und der alleinige Ernährer seiner seit Jahren erlahmten Mutter und seines schwachen Vaters war. Eine für den Verunglückten veranstaltete Sammlung, an welcher sich auch viele Christen betheiligt haben, hat bereits mehrere hundert Thaler ergeben. - In Leer haben die städtischen Collegien beschlossen, in den Kirchen und der Synagoge Gedenktafeln mit den Namen derjenigen Krieger aus der Stadt und den eingepfarrten Dörfern anzubringen, welche in dem Kriege 1870—71 geblieben sind. München, 27. März. (Privatmitth.) Der Landtag geht zu Ende, und von den bei ihm durch Petitionen verlantbarten Wünschen der Israeliten wird keiner in Betracht gezogen, noch weniger erfüllt worden sein. Es ist dies ganz natürlich; die klerikale Seite bewilligt den Juden grundsätzlich nichts, und die liberale will jetzt auch von den billigsten confessionellen Zugeständnissen nichts wissen, die sie am liebsten allesammt aus der Welt schaffen möchte. Die Juden geben aber solcher Anschauung das wohlfeilste und am nächsten liegende Experimentirfeld her. — Mit einigen Worten lassen Sie mich wohl der vor einigen Tagen beendeten Vorlesungen des vielgenannten Dr. Döllinger über die Wiedervereinigung der christlichen Kirchen und Secten als eines Curiosums unserer Zeit gedenken. Dieselben hatten eine erwartungsvolle Spannung hervorgerufen, die sich indeß äußerst enttäuscht findet: Der gelehrte Propst hat eine Masse kirchengeschichtlicher Notizen zusammengetragen, den Wunsch nach einer solchen Union lebhaft ausgesprochen , die Möglichkeit derselben behauptet, aber als.er endlich 17*

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