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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-23 · Heft 17 (23.4.1872) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 17 (23.4.1872)
Date
1872-04-23
Page
Seite 332 (sequence 10)
Language
German
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fallen, wenn der letzte Engel ruft." Hierauf folgte die Predigt des - Gemeinderabbiners Dr. Bamberger, Mer welche wir uns — als dem Redner nahestehend — jeder Kritik enhalten, deren Eindruck auf die Traüerversammlung aber als ein „überwältigender" zu bezeichnen ist. Der Predigt folgte hebräische Liturgie, das vom Cantor in Begleitung eines Männer? quartetts vorgetragene ab» ba; hierauf das Gebet des Rabbiners für den Verstorbenen^ und die Verse 8 bis 11 des 16. Psalms in hebräischer Sprache. Nach beendetem Trauergottesdienste begaben sich die Teilnehmer desselben in geordnetem Zuge nach dem Wohnhause des Verstorbenen, voran eine Anzahl als Ordner fungirender junger Herren, sodann der Rabbiner mit den beiden Cantoren im Amtsornat (aber ohne Talith), der Obervorsteher der Gemeinde, begleitet von dem Magistratsdirigenten und dem Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung, und ihnen folgend die in pleno erschienenen Mitglieder der beiden städtischen und der Gemeindecollegien. Es. fand nunmehr das feierliche Leichenbegängniß statt, bei welchem alle Stände, Bekenntnisse und Parteien vertreten waren. Auf dem Friedhofe mit hebräischem Gesänge empfangen, wurde vom Rabbiner in der Begräbnißhalle tnan ->i2n gesprochen; am Grabe wechselten hebräische Gesänge mit den beiden vom hiesigen Sängerverein vorgetrageuen Liedern von Mendelssohn: „Es ist bestimmt in Gottes Rath" Und „Ueber allen Wipfeln ist Ruh." Der Einsegnung der Leiche durch den Rabbiner ging eine kurze Ansprache des Landtagsabgeordneten Dr. Bender, eines Fractionsgenossen des Verblichenen, voran, der in kräftiger Rede dem Schmerze des Gesammtvaterlandes über den Verlust Ausdruck lieh und ihm Dank, tief empfundenen Dank, für sein segensreiches Wirken aussprach. So endeten die Trauerfeierlichkeiten für den Verstorbenen, die bei allen Theilnehmern die nachhaltigsten Rückerinnerungen zurückzulassen geeignet waren; wir aber schließen mit dem Wunsche, daß der Geist, der in dem Verstorbenen gelebt, sich verjünge, damit sich auch hier der Ausspruch der Alten bewahrheite: ■jabisi 8b b8"nll*>; denn noch ist die Zeit ja nicht gekommen, wo Israel des Vorkämpfers nicht wehr bedürfte. . . . . n. Aus der Provinz Posen, im April. (Privatm.) Dem 19. Jahresberichte über die , Realschule in Posen entnehmen wir folgendes: Es unterrichten gegenwärtig an derselben außer dem Director; Herrn l)r. Brennecke, 6 Oberlehrer (3 evangelische, 3 katholische), 3 Religionslehrer (ein evangelischer, ein katholischer und ein mosaischer), 10 ordentliche Lehrer (davon 3 evangelische, 5 katholische und 2 mosaische), 2 technische Lehrer (ein evangelischer und ein katholischer), 2 Schulamtscandidaten (beide katholisch), ein Turnlehrer (evangelisch). Nach der Confession sind demnach 10 Lehrer evangelisch, 12 . katholisch und 3 mosaisch. Zu Michaeli 1871 schied aus dem Lehrerkollegium der jüdische Religionslehrer Herr Dr. Rosenstock und ist an seine Stelle Herr Dr. Wedell getreten. Die „P. Z." berichtet: Die Commissionen des Herrenhauses werden immer curioser, wie 'nachstehender Fall zeigt, der im Abgeordnetenhause ,viel besprochen wird und allseitiges Kopfschütteln erregt hat. Die hier jn Berlin ansässigen Rabbiner Borchardt und Dr. Pinner richteten zwei verschiedene Petitionen an das Herrenhaus, von denen ersterer (freilich ein kühnes Verlangen) das Herrenhaus bat, ,bei der Staatsregierung dahin wirken zu wollen, daß Lei Anstellungen im Staatsdienst die Confession keinen Unterschied, keine Benachtheiligung mehr bilden möge; während der zweite Petent mit klaren Worten die Aufhebung des Judengesetzes vom 23. Juli 1847 verlangte. Und was thut die Petitionscommission des hohen Herrenhauses? Sie bezeichnet die erste Petition als unverständlich und beide als solche Petitionen, welche auf Grund des § 20 der Geschäftsordnung, als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet und zur Einsicht im Bürcau des Herrenhauses niedergelegt sind. Hannover, 8. April. (Privatmittheil.) Auf dem jüngst hier äbgehaltenen Landtage der calenberg-grubenhagenschen Landschaft nahm Bürgermeister Frericks von Duderstadt, unterstützt von dem hiesigen Stadtdirector Rasch, an der Verwendung für das landschaftliche Waiseninstitut in sofern Anstoß, als er wünschte, daß die Wohlthätigkeit sich auf Waisen aller Confessionen erstrecken möge. Dagegen sprach nur Herr von Roessing, welcher bemerkte, daß jüdische Waisen sich schon deshalb ausschlössen, weil die Waisenunterstützung der Landschaft die Erziehung -zur bäuerlichen Arbeit in's Äuge fasse, Juden aber sich bekanntlich (!) solcher nicht zu widmen, lieben. Der

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