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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-23 · Heft 17 (23.4.1872) · p. Seite 330

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 17 (23.4.1872)
Date
1872-04-23
Page
Seite 330 (sequence 8)
Language
German
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Kleinen bedrängten Gemeinden solle eben der- Bund helfen. Herr Krön ach er (Barnberg) beantragt, nur eine allgemeine Aufforderung an den Ausschuß. zur Wirkung für die Gemeindeeinheit zu erlaffen. Dr. Philippson will die Bedürfnißfrage-für seine Anträge ruhig der Zeit überlaffen. Er macht nur darauf aufmerksam, einmal daß 300 preußische Gemeinden ihn beauftragt haben, Ln der von ihm jetzt vorgeschlagenen Weise vorzugehen, zweitens daß im Statut § 1 Alinea b die von ihm vorgeschlagenen Resolutionen schon dem Sinne nach enthalten sind. vr. Lehmann wiederholt, daß er Punct eins und drei annehmen möchte; gerade die Erfahrungen in Baden fordern ein Ausrechterhalten der Gemeindeeinheit, wo sie noch existirt. Im Judenthume giebt es keine Dissidenten, also muß die Einheit in der Gemeinde aufrecht erhalten bleiben. Der Vorsitzende befürwortet auch Punct zwei der philippsonschen Vorschläge, der so häufigen rein persönlichen Spaltungen in den Gemeinden gegenüber seine Wirksamkeit entfalten würde. Professor vr. Lazarus warnt davor, sich von theoretisch eingekleideten Täuschungen extremer Parteien verlocken zu lassen. Wir müssen die gesetzgebenden Factoren über die wahren Interessen der Gemeinden aufklären. Kleine Gemeinden können die Spaltung nicht vertragen, sie gehen bei solcher unter. Es hat leider unter den Juden nie an zersetzenden Elementen gefehlt, und besonders jetzt giebt es viele dergleichen, nicht bloß auf Seiten der Radicalen, sondern auch auf Seiten der sich als Juden xnr excellence Geberdenden. Wie der staatliche, so ist auch der Gemeindezwang nothwendig, der elende Beitrag kann keine Kränkung der Gewissensfreiheit ausmachen. Sollen wir denn die Einheit im Leben verbannen, um nur noch die Einheit des Gottesackers zu bewahren? Hat nicht der staatliche Zwang zugleich auch die innere Einheit der Gemeinden großgezogen? Wir müssen uns denselben daher bewahren. Nach dieser mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Rede wurde Punct eins des philippsonschen Antrages einstimmig, Punct zwei mit allen gegen eine, Punct drei mit allen gegen vier Stimmen angenommen. Hierauf nahm die Versammlung ohne Debatte und einstimmig den Antrag des Herrn Spanj er-Herford an : „Der Ausschuß des Gemeindebundes übernimmt die Verpflichtung, Grundzüge einer Musterverfaffung für Gemeinden auszuarbeiten." - , (Schluß folgt.) AeitungsitachriMeu. Deutschland. Berlin, 12. April. (Privatmitth.) Am 5. Mai wird die Eröffnungsfeier der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums vor sich gehen. Zur Abhaltung der Festrede ist Herr vr.' Ludwig Philippson in Bonn eingeladen worden, und hat dieser sie, übernommen. — Zum erftenmale ist jetzt ein Lehrer jüdischer Religion, vr. Breslau, an einer hiesigen städtischen Schnle angestellt worden. Hamburg, im März. (Privatmitth.) Wenn Sie aus hiesiger Gemeinde jetzt selten Nachricht erhalten, so rührt dies aus dem glücklichen Umstande her, daß die Verhältnisse Hierselbst so geordnet sind, daß Conflicte und daraus entstehende sogenannte brennende Fragen nicht entstehen. Bekanntlich hat Hierselbst jeder konfessionelle Zwang aufgehört, das Individuum hat in religiöser Beziehung eine unbeschränkte Freiheit, und die Gemeinde besteht nur auf Grund ihres Statuts/ das dem Vorstände zwar die Regelung der äußeren Angelegenheiten überweist, die Cultuseinrichtungen und deren Administration aber den einzelnen Synagogen und denen, die sich diesen angeschloffen haben, überläßt. Auf diese Weise haben Tempel und Synagogen der verschiedenen Nuancirungen nichts mit und nichts gegen einander zu thun, und wo eine Streitfrage sich erhebt, wird sie nicht als Sache der Gemeinde, sondern der Individuen, die sich mit ihrem religiösen Gewissen und den Staatsgesetzen abzufinden haben, behandelt. Es ist bis jetzt in keiner Weise , weder für die Religion selbst, noch für den Bestand der Gemeinde und der Gotteshäuser, der Schulen und der Wohlthätigkeitsanstalten irgend ein Schaden erfunden worden. Freilich darf - man nicht außer Acht lassen/ daß man es hier mit einer so überaus zahlreichen und wohlhabenden Gemeinde zu thun hat, deren meiste Institute durch große Fonds's gesickert und selbstständig sind. Für mittlere und kleinere Gemeinden, die nur durch die Vereinigung aller Kräfte bestehen können, kann dieser Erfolg am hiesigen Orte keinen Maßstab abgeben. Jedenfalls ist es bemerkenswerth, wie gering die Zahl ver Juden ist, welche sich als konfessionslos geriren, bemerkenswert^, weil bekanntlich in Hamburg die materiellen Interessen sehr vorwalten und.; der

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