Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1872)
- Date
- 1872-04-16
- Page
- Seite 320 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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nur ein schmaler Fußweg von ihnen trennte, hinunter, denn' die Stadt, lag $o% von ven häufigen UM» schwemmyngem des' Flüffes'» geschützt'- Diesch^wechftlte nämlich in der Wafferhöhe gar sehr, und während er im Frühling und Herbste seine lehmgelben Wellen in gewaltiger Fülle hinunterrollte und diejenseitige Ebene weithin überfluthete, fiel er im Sommer bis zur Seichtheit, Sandbänke und Jnselch Hmew-M TaM und-M vielen Stellen konnte man ihn durchwaten. Die Gärten hinter den Häusern gaben zumeist Zeugniß von dem Besitzstände ihrer Eigenthümer. Denn unterdm. wohlhabenderen Besitzern herrschten Geschmack' an der Gartencultur und eine gewisse Eifersucht, es darin einander zuvvt-uthun. Die GäÄem dev Aerm« warm GtweMr mir Küchengewächsen bestellt- oder ganz: vernachlässigt; jene, waren, durch Mauer» getrennt : undabgeschloffen, durch welche Hinterpförtchens nach' dem, Flusse führten, während dir der Aermeren durch Hecken abgeschlossen wareü/ die aböv fthr oft in-vvrwahrlostemrKlstanda sich bestmden. Was» hatte» sie auch'zu verwahren-und vor diebische» Einbrüchen zu schützen? Au der letzteren Art gehörten denn auch die Meisten Gärten diesseits der Flußgaffe und namentlich der des Herrn Wolf. Die fleißigen jüdischen Gewerbtreibenden hattenmehr zuthun als im Garten zu arbeiten, und überhaupt keine große Lust mm.- Elisa erschrak, denn ihr scharfes'Auge gewahrte einen Gegenstand auf dem Muffe herunterfchwimmend, den sie-sofort als ein lebendes Wesen, als' ein Kind von etwa drei Jahrenerkannte. ED war offenbar, das Kind war in' den Fluß gefallen, ohne daß -diesalsbald bemerkt würde;- es war bereits vor der Mündung der Flußgaffe vorübergekvmmen und auch da hatte man es-nicht gesehen. Das Kind kam bald in die Höhe, bald sankes wieder unter; jetzt streckte es die Aermcheu aus, die bald wieder verschwanden^ Es war höchste Zeit, wenn es noch gerettet werden sollten Elisa faßte sich, mit einem Aufschrei sprang sie auf, lief den Garten hinunter, ergriff im Borübereilen eine daliegende lange'Stange, raunte, durch das Pförtchen nach dem, Muffe, und: daglücklicher Weise das Kind' zwischen dem Ufer und einer Inselvom Master heruntergetragen wurde; schritt das muthige Weib in. das Waffer hinein undlegte die^ Stange breit über-das Wasser, umdas Kind aufzuhalten.- Es, gelang ihr, das Kind kam gerade wieder herauf undgegen die Stange zu;, schnell schritt Elisa auf die-Stelle zu, wo die Stange das. Kind noch etwas aufhielt,, obschon das Waffer ihr bereits bis über die- Knie ging, faßte das. Kind, hob es Mit großer Anstrengung, auf ihre Arme und schritt zum Ufer zurück-. LeAdshmges m ihren Armen, den, Kopf auf ihre Schultergesunkentriefendvon Waffßrwih sie Mst. Sie errtzichtedas Mo und, stieg zu Mm Garzst» hinauf, ab^r, schon kM schreie^ ugd hifferufend ein ävmlich- Oer reinlich. gÄMetes Weib den: Wlßsteg am Ufer herbeigelaufen. Elisa, fühlend,, dass es mit der LebenMtiMg des Mdss, wenn sienoch, möglich, sein, sollte, sehr eilte, kehrte sich nicht daran, sondern trug so schnell wie sie. vermochte, das Kind mach ihrenUHause, der Mutteo überlaffend', ch^ ncichzusolgeW Hier befahl sie ihrem Mädchen, schleunigst einen Arzt herbeizuholen, zuvor aber, in der Küche Steine und Tücher zum Erwärmenzurecht zu legen. In ihrem Schlafzimmer angelangt, bemühte sie sich, das Kind zu entkleiden, wobei ihr. bald Ha Mnüöri desselben hals, obschon sie, an Händen und FüffeN zitternd, nicht viel zu leisten vermochte. Die beiden Frauen wärmten daS Bett, brachten das Kind , hinein und fingen es aus Leibeskräften zu reiben an. Sie hatten Vas Glück, daß das Leben in das kleine Wesen zurückzukehren begann, das Herz fing wieder an zu pulsiren, der starre Mund öffnete sich und entlud eine Menge' eingeschlucktes Waffer. . Jatzt trat der Arzt ein; er war mit oem geschehenen zufrieden, begann den noch erstarrten Körper des Kindes, zu bürsten und befahl, heißen Thee zu bringen , um dem Kinde davon einzuflüßsm Es- Ähmete wieder, es- Wie, es erkannte seine Mutter. Jetzt erst, entfernte sich Elisa,) umr ihre/ triefenden Kleider zu wechseln und sich abzutrockney. Gott war mit ihr gewesen. Sie hatte das Kind gerettet und trug selbst keinen Schaden davoru. Eine edle Begeisterung der Seele schützt oft auch den Leib vor Nachtheiten, denen er sonst leicht unterliegt. Wahrend im: Vorderhause der alte Bär im Lehnstuhl saß und über die grausamen Pläne nachdachte, welche Wolf gegen ihn geschmiedet hatte, floß in. einem der Hinterzimmer die Tochter Wolfs, Bellas, von Dankbarkeit gegen die Tochter Bars über. Und diese verdiente es wahrlich. Das Kind war nicht so gut weggekomme», sondern in ein hitziges Fieber verfallen-, nnd der Arzt erklärte den Transport desselben nach dem älterlichen Hanfe nicht zugeben zu dürfen. Elisa zeigte stch völlig bereit, bas'Kind während seines gefährlichen Zustandes her sich zu behalten, und stellte ein. Zimmer zu Gebote, in welchem das Kind gebettes wurde und die Mutter der. Pflege desselben obliegen konnte.. Die Zeit, welche diese von ihrem Hause nicht fern bleiben konnte, braOe Elcha selbst am BMchen des Kindes zu. rchd ließ es nichts von der mütterlichen Sorgfalt entbehrsn. Eine enge Freundschaft begann, die- Herzen der beiden jungen, Frauen an einander zu knüpfen. Elisa hatte zu langein der Einsamkeit gelebt^ umsich nicht gern einer gkeichfühlendeu Seele zu erschließen^ Und dann flößt dis- Ausübung eü«r Wohlcha5 oft noch mehr Zuneigung für den Gegenstand derselben ein, als der Empfang von Wohlthaten. Bella blickte voll Bewunderung zu dem Weibe hinauf» welches eine so eigennutztzffd Hingebung übte und doch an Bildung und? -Sittewest über ihr, stand. Beide Frauen wußten wohl, daß ein alter Zwist ihre Väter trennt^ aber von peyr^-was^ jetzt, zwischen dieses Leiden vorging, hatten ste. kqirw Ahyung. Wr; hatte; wohl von der Unruhe: in ftiyem! Haust und. was daselbst vorgefallen war , Notiz genommen,, aber unter der Herrschaft dessen, was seine SM miß-so schwßM. Banden in Besitz, hielte achtete er