Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1872)
- Date
- 1872-04-16
- Page
- Seite 309 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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309 Bemerkenswerth ist, daß die Wünsche von Bürgern und Domiälianten sich in dieser Frage entgegenkommend begegnen, indem sich diese bereit erklären gegen Einräumung aller Gemeinderechte aus ihrem vollen Vermögen in die Domicilgemeinde Steuern zu zahlen, wenn sie nur dagegen von der SLeuerpflicht zur Bürgergemeinde befteit werden . würden. Die Stadtgemeinden haben sich fast alle der Petition angeschlossen. Stuttgart, 29. Februar. (Privatw.) Der heutige Staatsanzeiger für Würtemberg bringt einen Bericht über den neu anzulegenden Centralfriedhof in Stuttgart; derselbe wird etwa 40 Morgen umfassen; drei Morgen davon werden auf den abgegränzten israelitischen „Friedhof" entfallen.— In Heilbronn hat sich die S t a d t c a s s e bereit erklärt, als Beitrag zu den Kosten des jüngst angelegten Gottesackers, der eine Zierde der Stadt bildet, zu früher verwiüigten 300 Gulden weitere 1700 Gulden beizuschießen. — Die Ulmer Gemeinde, deren Shnagogenbau ihrem Abschluß entgegensieht, wird in derselben eine Orgel aufstellen. Breslau, 5. April. Wie der Oberbürgermeister Hobrecht in der Stadtverordnetenversammlung mittheilte, hat der jetzige Unterrichtsminister vr. Falk ein Rescript an das Provinzialschulcollegium gerichtet, durch welches die Eröffnung der confessionslosen höheren Lehranstalten, um welche der Streit mit dem Herrn von Mühler so lange gewährt hat, in nahe Aussicht gestellt worden ist. — Der Rabb. Dr. Joel arbeitet jetzt für die neue Synagoge an einem Gebetbuche, das an die Stelle des geigerschen zum Gebrauch kommen soll. Posen, im April. (Privatm.) Der 34. Bericht über die hiesige israelitische Waisenanstalt (Jahr 1871)' zeigt den schönen Fortgang dieser Anstalt, welche gegenwärtig 16 Zöglinge hat; 2 sind außer dem Hause. Welche Fürsorge in dieser Anstalt herrscht, mögen folgende zwei Sätze aus dem Berichte bezeugen: „Neben Herrichtung eines neuen'Stockwerks, Herstellung eines geräumigen Betlocals, eines Krankenzimmers, einer Badestube, wie der erforderlichen Wohnungen für das angestellte Anstaltspersonal, haben auch die älteren Räumlichkeiten eine durchgreifende Reparatur und vielfache Verbesserungen in ihren Einrichtungen erfahren, und es ist das Haus mit Wasserleitung versehen worden. ' „Diese letztere giebt ' namentlich den Zöglingen leichter die Mittel an die Hand, sich sauber und rein zu halten. Ebenso wird die Einrichtung der Badestube für kalte und warme Bäder wie für Douchebäder zur Gesundheitspflege der Knaben wesentlich beitragen, während das neu hergesteüte Krankenzimmer dem längst empfundenen Bedürfnisse Rechnung trägt, eintretenden Falles erkrankten Zöglingen ohne Unterbringung in eine besondere Krankenanstalt, isolirt von den anderen Zöglingen im Waisenhause die nöthige Heilpflege angedeihen zu lassen." Die Einnahmen betrugen 1893 Thlr., die Ausgaben 7051, in welchen beiden Rubriken jedoch 4268 Thlr. befaßt sind, welche für den Erweiterungsbau des Waisenhausesverausgabt und aus dem Erhaltungsfonds genommen wurden, so daß zu letzterem dafür der Ueberschußvon 1142 Thlrn. übergeführt worden ist. Der Bericht wird sicherlich die Zahl derer vermehren, welche die Gaben ihres Wohlthätigkeitssinnes dem Waisenhause zuführen. Samoezyn, im März. (Privatm.) Am 24. d. M. feierte der Lehrer Spiewkowsky sein 25-jähriges Amtsjubiläum. Nachdem ihm eine Deputation von ehemaligen Schülern eine werthvolle Ehrengabe überreicht hatte, erschienen die Mitglieder des Schul- und des Corporationsvorstandes, um dem Jubilar, der volle 25 Jahre mit Liebe und Eifer an der hiesigen Schule gewirkt hat, ihre Glückwünsche darzubringen. Abends fand ein'glänzendes'Z Festmahl statt, an welchem sich außer fast sämmtlichen Gemeindemitgliedern auch der Schulinspector, der Bürgermeister und sämmtliche Lehrer der Stadt betheiligten, wobei es an sinnigen und heiteren Toasten nicht fehlte. Das große Fest verlief auf das würdigste und wird allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben. Möge es Herrn Spiewkowski vergönnt sein, noch viele Jahre ebenso segensreich zu wirken, wie er eS bisher gethan. Ehre und Anerkennung sei aber auch den Vertretern der Schule und Gemeinde, die es verstanden haben, mit der Auszeichnung ihres Lehrers sich selbst zu ehren. 16