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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-09 · Heft 15 (9.4.1872) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 15 (9.4.1872)
Date
1872-04-09
Page
Seite 290 (sequence 6)
Language
German
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wovon nach' dem Satze von 34/is ProcenL für Gemeindezwecke '2896 Thlr> aufgebrachtwurden > also durchschnittlich 13 Thlr. 26 Sgr. Die Einnahmen betrugen 5237 Thlr., worunter 1654 Thlr. unter der' Rubrik „SchlachtzettelverkaüftV Die Ausgaben 5065 Thlr., worunter 3641 Thlr. Gehälter der Cultusbeamten, 375 Thlr. Armenverwaltung. Die Gemeinde hat nämlich mit der hiesigen städtischen Verwaltung das Abkommen getroffen, daß erstere ihre Armen selbst unterhalten -muß, - dagegen aus den von; Mitgliedern der jüdischen Gemeinde entrichteten Communalabgaben 16 Procent für ihre Armencasse erhält. Im -Februar 1871 haben wir für das Jahr 1870 erhalten 209 Thlr. 4 Sgr. 10 Pf., dagegen, wie aus der- -weiteren Rechnungslegung hervorgeht, für das ) Armenwesen 375 Thlr. 11 Sgr. 6 Pf. ausgegeben. Die Gemeindeschule - besteht aus der Elementarschule und der Religionsschule mit zusammen 5 Lehrern. Die Elementarschule hatte am 1. Januar 1872 69 Schüler, 18 mehr als am 1. Januar 1871, die Religionsschule Knaben und Mädchenzusammen 138. Auf die Nebencaffen und die sehr blühenden Vereine näher einzugehen) fehlt hier der Raum. Der ganze Bericht athmet einen Geist geregelter Lebenskraft und Lebensthätigkeit t der eine immer reichere Entfaltung für die Zukunft verbürgt. Aus dem Größherzoglhum Sachsen, Mitte März. (Privatmitth.) Unsere Landrabbinerwahlangelegenheit, welche bereits seit 1^/2 Jahren in der Schwebe war und viel zu reden und zu schreiben machte, hat endlich ihren definitiven Abschluß gefunden. Nach mehreren fruchtlosen Verhandlungen der Repräsentanten der jüdischen- Gemeinden des Landes über die Aufstellung eines Candidaten stellte endlich das Staatsministerium, welches diese Frage in sehr humaner und unparteiischer Weise behandelte und keine der entstandenen Parteien begünstigte, ein Ultimatum bis zum 1.. April d. I. mit dem Bemerken , daß wenn eine Einigung bis dahin nicht erzielt würde, das Landrabbinat nach eigenem Ermessen von ihm besetzt werden würde. Der - am 11. d. M: unter Leitung des großherzoglichen' Bezirksdirectors zu Dermbach als Aufsichtsbehörde der Israeliten des Landes anberaumte) Wahltermin exgab als Resultatdaß sich sämmtliche Vorstände der Gemeinden nach langen Verhandlungen dahin einigten, den Herrn Dr. Kran er, Seminardirector zu Münster, als- Landrabbiner in Vorschlag zu bringen. Der genannte Candidat soll erst in den letzten Wochen als Bewerber aufgetreten sein- und es geht' demselben ein sehr guter Ruf voran. An einer Bestätigung der Wahl ist umsoweniger zu zweifeln, als' der Genannte von dem großherzoglichen 1 Staatswinisteriüm - selbst durch die Aufsichtsbehörde den Gemeinden empfohlen wurde.- Ich behalte mir vor, über das Treiben des orthodoxen Theiles der israelitischen Bevölkerung des Landes, das sich bei'dieser Gelegenheit mamfestirte, in meinem nächsten einige Streiflichter zu bringen. - - . . k. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, im März. (Privatm.) ' Wir brauchen es den Lesern d: Bl. nicht zu sagen, daß eine der interessantesten Fragen der Gegenwart die der - Bildung und Verwendung des weiblichen Geschlechtes zu selbstständigen Erwerbsthätigkeiten-ist: Wir geben zu, düß auf diesem Gebiete schon mancherlei Fehlgriffe geschehen sind und noch geschehen werden. Die einen gehen zu weit, die anderen stecken die Gränzen zu eng ab. Mit der kurzen Abfertigung, das weibliche Geschlecht sei lediglich für den häuslichen Herd bestimmt, ist, so viel Wahrheit auch darin liegen mag, die Sachenoch nicht abgethan. Die Verhältnisse in der gegenwärtigen Gesellschaft haben sich so entwickelt und so verschiedentlich gestaltet, daß es zur unabweislichen Pflicht wird, auch den Mädchen und Frauen mehrfache /Erwerbsquellen zugänglich zu machen, wenn sie in Männern die Stützen ihres Unterhalts nicht finden: Biele Individuen werden dadurch vor Elend und äußerster Arwuth , viele auch vor sittlichem Falle geschützt. Sie -Werden daher auch gern Notiz von einem jüdischen „Mädchenunterstützungsverein" in Wien nehmen, der eben seinen 5. Bericht veröffentlicht hat. Derselbe hat durchaus sich keine Frauenemancipationsziele gesteckt, tritt auch nicht mit theoretischem Geschrei und dogmatisirender Wichtigthuerei in die Welt hinaus, sondern sucht bescheiden und darum um so segensreicher bte praktischen Pfade auf, auf welchen er einer Zahl von Mädchen einen sicheren Lebensberuf verschaffen könne. Es ist deshalb der Bericht, den die Schriftführerin / Frau Regine Ulmann, in der Generalversammlung abstattete, wohl lesenswerth. Zuerst unterhält der Verein eine Arbeitsschule, in welcher im' abgelaufenen Jahre >64 Mädchen

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