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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-09 · Heft 15 (9.4.1872) · p. Seite 289

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 15 (9.4.1872)
Date
1872-04-09
Page
Seite 289 (sequence 5)
Language
German
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dadurch eine Spaltung ein, aus der jeboch der Verein Concordia siegreich hervorging. Dieser hat nunmehr seinen ersten Jahresbericht über das Jahr 1871 veröffentlicht. Er zählte bereits 135 Mitglieder, erhielt 424 Thlr. an Schenkungen, 60 Thlr. an monatlichen Beiträgen und 5 Thlr. an zurückgezahlten Darlehen. Die Einnahmen bestanden also in 489 Thlrn. An Ausgaben bemerken wir für Schreibmaterialien, Lehrbücher, Honorar an Lehrer 123 Thlr., an Miethe 44 Thlr., an Darlehen 160 Thlr. u. s. w., zusammen 471 Thlr., so daß 18 Thlr. Cassenbestand blieb. Am Unterrichte in der russischen, deutschen, französischen und englischen Sprache, Arithmetik, Geometrie, Geschichte, Physik und Chemie nahmen bis 20 Mitglieder Theil, und wurden 803 Unterrichtsstunden theils von freiwilligen, theils von besoldeten Lehrern ertheilt, 5 Mitglieder traten in eine Handelsakademie, 1 in eine Gewerbeschule ein. Die Vereinsbibliothek besteht aus 125 Bänden. Siebzehn Vorträge über die mannichfaltigsten wissenschaftlichen Gegenstände wurden da gehalten. Wer den Zweck und die Tendenz, sowie die Verwendung der beschränkten Mittel dieses Vereins in Betracht zieht, wird die Wohlthätigkeit desselben und den Eifer seiner Leiter und Mitglieder würdigen und anerkennen, und ihm möglichst seine Unterstützung angedeihen lassen. Handelt es sich hier um Jünglinge, die aus fernem Vaterlande hierher gekommen, um sich eine wissenschaftliche oder technische Bildung zu erwerben, um zu studiren oder ein Handwerk zu erlernen, und von denen die meisten mit mangelhaften oder gar keinen Mitteln versehen sind, so liegt die Pflicht offen zu Tage, dem Vereine ein möglichstes Gedeihen verschaffen zu helfen. Derselbe sucht die aus Rußland ankommenden jungen Leute auf den rechten Weg zu bringen und sie auf demselben zu erhalten, daß sie sich nicht verirren oder gar verloren "gehen, strebt ihnen den rechten Geist einzuflößen und sie in ihren Bemühungen zu fördern. Mögen die bemittelten Juden Rußlands dies wohl erwägen und dem Vereine größere Kräfte zuführen. Eine größere Wöhlthat können sie kaum üben, und wenn auch nicht alle Mitglieder des Vereins zu gedeihlichem Ziele gelangen, so ist es doch schon ein außergewöhnlicher Gewinn, wenn einer Anzahl derselben der rechte Weg eröffnet und erleichtert wird. Die Vorsteher des Vereins sind jetzt, wie der Bericht zeigt, l)r. Z. Koiransky, Vorsitzender, und I. Eger, Kaufmann, Casstrer (Klosterstraße 89/90). An letzteren hätten sich wohl am füglichsten diejenigen zu wenden, welche dem Vereine eine Unterstützung gewähren wollen. Tßorn, im März. (Privatmitth). Der hiesige Vorstand hat die löbliche Sitte mehrerer größeren Gemeinden angenommen, jährlich einen Bericht über seine Verwaltung durch den Druck zu veröffentlichen. Nichts ist gerechter gegen die Contribuirenden, als ihnen darzuthun, wozu ihre Steuern und Gaben verwendet werden; nichts regt aber auch die Theilnahme der Gemeindemitglieder mehr an, als wenn sie mir dem Stande der Dinge-in der Gemeinde bekannt gemacht werden. Möchte daher dieses Beispiel recht viele Nachahmung finden. Der hiesige Vorstand macht sich aber die Sache nicht leicht, indem er sich etwa auf die Mittheilung von Zahlen und Bilanz beschränkt, sondern er geht ausführlich auf alle Interessen der Gemeinde ein. In der Einleitung blickt er auf die Geschichte der Gemeinde. Hervorheben wollen wir hier folgenden Passus: „Das Gesetz vom 23. Juli 1847, die Verhältnisse der Juden betreffend, hat bereits feste Wurzeln gefaßt, und sich, wie wir mit voller Ueberzeugung aussprechen können, als zweckmäßig und wohlthätig bewährt; wenn durch dasselbe auch der königlichen Regierung ein ge- ' wisses Aufsichtsrecht eingeräumt ist, so ist doch die Selbstverwaltung und Freiheit der Gemeinde dabei vollständig gesichert, da die Vertretung der Gemeindeinteressen und die Leitung aller Gemeindeangelegenheiten in die Hände des Vorstandes und der Repräsentanten gelegt ist. Wenn diese beiden, wie es hier der Fall ist, Hand in Hand gehen, so kann zum Wohle des Ganzen viel geschaffen und gewirkt werden.. Wir müssen es hier offen aussprechen, daß wir eine Aufhebung dieses Gesetzes für ebenso den Interessen des Staates als der Gemeinde zuwiderlaufend halten würden." Es folgt „Geschichtliches", aus dem wir die Notiz entnehmen, daß aus Thorn 33 Juden in den Krieg zogen, was weit über die Seelenzahl und den mW . tärischen Procentsatz geht. Einige angemessene Verbesserungen wurden in den Gottesdienst eingeführt. Die Zahl der beitragenden Mitglieder beträgt 210; es sind 1871 19 mehr geboren als gestorben. Das Gesammteinkommen der Gemeindemitglieder ist abgeschätzt auf 88,675 Thlr. (also durchschnittlich 400 Thlr.),

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