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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-02 · Heft 14 (2.4.1872) · p. Seite 270

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 14 (2.4.1872)
Date
1872-04-02
Page
Seite 270 (sequence 8)
Language
German
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Richtung und für die - reformatorische Richtung deS Hudenthums einen besonderen obligatorischen Unterricht Herstellen/ und siemüssen in ähnlicher! Weise in Bezug auf jede ändere Cönfession verfahren^ Sie kämen zu einem Religionsunterricht auf Staatskosten für Alt- und Neükatholiken, für unirte Evangelische und für Lutheraner,' für Dissidenten und für die Fraktionen unter Iven Juden, — kurz, man käme dazu, daß an jedem Staats- oder städtischen Gymnasium 6—8 Religronslchrer auS öffentlichen Fonds besoldet werden müßten^ ' , Berichterstatter Abgeordneter vr. Paur: Meine Herren! Zu der umfänglichen vollständigen Darstellung meines Berichtes habe ich nur noch weniges hinzuzufügen, bezüglich der im Hause zu dem Anträge der Commission gestellten Anträge. r Was zunächst den Antrag ans Überweisung zur Erwägung betrifft, so glaube ich im Aufträge und im Namen der Commission erklären zu dürfen, daß er zu inhaltlos erscheint, nichts positives ausspricht; ich meinerseits müßte ihn ablehnen, und glaube das im Namen der Commission beantragen zu dürfen. -Was nun weiterhin die Interpretation, die Auffassung deS obligatorischen Unterrichtes betrifft, wie sie von der Commission geübt worden ist/ so habe ich nur kurzweg l zu' constaüren , daß allerdings die Auffassung der'Commission diejenige war, welche vorhin'von dem Vorsitzenden der Commission erläutert worden ist. Ich erlaube mir aber dazu auch noch meinerseits einige Bemerkungen hinzuzufügen: Meine Herren, vom pädagogischen Gesichtspunkt aus betrachtet, würde ich doch für zweckmäßig erachten, daß die Freilassung von dem Religionsunterricht nicht gar zu leicht gemacht würde/ daß nicht so ohne weiteres dem freien — und, wie wir ja alle wissen, oft sehr unbegründeten— Belieben der Aeltern es überlassen bleibe, ihre Kinder von dem Religionsunterricht zurückzuziehen. Namentlich bei höheren Lehranstalten ist es noch etwas anderes, als bei den Elementarschulen. Meine Herren, in höheren Lehranstalten — und ich finde, daß in der Regel/ wenn von -Religionsunterricht die Rede ist, dieser Punct unbeachtet bleibt — handelt es sich nicht allein um die Einführung in'-die Glaubenslehre, es handelt sich da zugleich um Einführung in die religionsgeschichtliche Entwickelung / um Einführung in die -Erklärung und in das Berständniß des Urtextes > der Religiönsquellen^ Ich glaube/ ÄeiNe Herren,Sie Uwerden nicht - wollen, daß der junge, in - der Ausbildung begriffene; Mann der erwähnten Disciplinen so ohne weiteres überhoben bleibt, und daß dieser Theil des Religionsunterrichtes so zu sagen preisgegeben werde. Meine Herren, ich konnte es nicht unterlassen, um doch nicht wie der Blinde von den Farben zu sprechen, mich etwas genauer nach dem Religionsunterricht an dem Gymnasium in Schneidemühl umzuthun. Ich habe mir die zwei dort eingeführten Leitfäden zusenden lassen; sie haben also meiner Einsicht Vorgelegen. Sie sind beide gedruckt — der eine in der zwanzigsten Auflage — und waren also auch der königlichen Staatsregierung zu jeder Zeit zugänglich, so daß sie genau wissen konnte, um was es sich bei dem Religionsunterricht in Schneidemühl handelt. Das eine dieser Religionsbücher enthält eine sehr einfache und klar ausgeführte Glaubenslehre; der zweite größere Theil dieses ersten Leitfadens umfaßt eine: sehr speciell eingehende Sittenlehre. Vom - allgemeinen Gesichtspuncte aus ist meine Meinung die, daß die Honorirung des Religionsunterrichts nach diesem Leitfaden der königlichen Staatsregierung keine Unehre bringen würde, so wenig Unehre, als wie sie glaubt, daß es' ihr bringt, wenn sie den Religionsunterricht der evangelischen'und der katholischen Confession honorirt. h Meine Herren, das andere Lehrbuch aber umfaßt dazu etwas anderes und fordert noch besonders auf zu einem Blick auf dasjenige, was dort innerhalb der Religionsstunden vorgetragen wird. Es ist dies ein Leitfaden, eine sehr klare Uebersicht des Entwickelungsganges der jüdischen Geschichte und Literatur, und es ist mir daraus folgender großer Gesichtspunkt entgegengetreten, von dem ich wohl wünschte^ daß er maßgebend wäre auch auf anderen Gebieten deS Unterrichtswesens, der große Gesichtspunct nämlich , daß keine Scheidung gemacht ist zwischen sogenannter heiliger und profaner Literatur. Der Entwickelungsgang erscheint als ein ganzes und führt uns ebensowohl die früheste als die spätere mittelalterliche Fortentwicklung und Bewegung des hebräischen Volksgeistes vor. Meine Herren! Ich bin so entfernt davon zu wünschen, daß insbesondere dieser Theil des Unterrichts an dem Gymnasium zu Schneidemühl ohne weiteres dem Belieben preisgegeben würde, daß ich vielmehr wünschen möchte, auch die christlichen Schüler daselbst hätten einige: Gelegenheit, - davon für sich etwas zu profitiren, damit/ von da einige Kenntniß dieser - Literatur ausgehend könnte undzugleich darauf gegründet,

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