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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-02 · Heft 14 (2.4.1872) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 14 (2.4.1872)
Date
1872-04-02
Page
Seite 264 (sequence 2)
Language
German
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eigenes Ziel unk Streben stellt er auf, jede Aenderung des föderativen Charakters der Reichsverfaffung zu KM. hindern chld von der Selbstbestimmung und Selbstthätigkeit der einzelnen Staaten in allen inneren Angelegenheiten nicht mehr opfern zu lassen als das Interesse des Ganzen es unabweislich fordert. Bon diesem Grundsätze au8 opponirten er und seine Genoffen mit aller Macht gegen den Antrag, betreffend die Ausdehnung der Reichsgewalt auf das bürgerliche Recht. Hierdurch würde der Reichsgewalt die Einmischung in die bürgerlichen Rechtsverhältnisse eröffnet und auferlegt , undden einzelnen Staaten die Selbstbestimmung auf einem so wichtigen Gebiete genommen. Demungeachtet beantragte Herr von Ketteler bei dem Reichskanzler wie im Reichstage, die preußischen. Grundrechte in die Verfaffung aufzunehmen, und damit nicht allem daß Preß-, VersammlungS- und Vereinsrecht, sondern auch die Freiheit des Religionsbekenntnisses, die Rechte der Kirchen und Religionsgescllschasten, dieGleichberechtigung aller Confessionen, alle Ver-- hältnifse der Kirche zu Staat, Gemeinde, Schule u. s. w. unter die^ Bestimmung der Reichsgesetze und dje Aufsicht der Reichsgewalt zu stellen, und diese in allen kirchlichen Fragen in die Machtsphäre der einzelnen Staaten eingreife» m macken. Wie? ist dieses Rechts- und Machtgebiet in den Augen des Herrn Bischofs nicht noch viel wichtiger als' das des? Civilrechts? Sind nicht gerade die kirchlichen und Schulangelegenheitey in den einzelnen deutschen Staaten schon durch die statistischen Verhältnisse der Bevölkerung und die geschichtliche Entwickelung überaus verschieden? Würde da nicht das dem Liberalismus vorgeworfene Schematisiren, die ihm insinuirte NivellirungS- und Centralifirungssucht erst recht zur Geltung kommend Der hat also seinem eigenen, mit so vielem Pompe vorgetragenev Principe in's Gesicht geschlagen, wenn nicht der Herr Bischof? Vielleicht dankt er es noch einst seinen von ihm so verhöhnten Gegnern, daß sie ihm nicht zu Willen gewesen. Aber freilich wußte er wohl, was er wollte, und der Zweck heiligt ja bei diesen Herren stets das Mittel. Wie sonderbar erscheint uns dwser.Herr Bischof als Vertheidiger (S. 11) „der p ersönlichen wie der korporativen Freiheit und^ Selbstständigkeit' auf allen Gebieten des bürgerlichem, des socialen und des religiöse»'Lebens" während er dieBerdamm- »iß - assspricht über jchm , der nicht seine persönliche Freiheit.; and Selbstst8»di^keit in den Staub wirft vor den Verkündigungen des vaticauischen -ComilS gleich ihm selbst!. Welch ein Widerspruch überhaupt,, als Anhänger der päpstlichen Unfehlbarkeit, also auch als treuer Bekenner, der päpstlichen Encyclica, des Syllgbus unh der AlloMvnen, die preußischen Grundrechte WerhieMgen Volksrechte und Volksfreiheiten, namentlich auch über die Gleichstellung aller Confessionen in die deutsche Verfassung bringen zu wollen, während der Syllabus sie als verabscheuungswürdige Grundsätze der Revolution »verdammt undden Fluch über sie SyssprW! Welcher Widerspruch, alle diese Grundsätze als aus der teuflischen französischen Revolution hervorgegangen anzusehen, >ie eS d^r. Herr Bischof th.ut, und sie dennoch für seine eigenen auszugeben und sie in der deutschen Verfaffung ausgesprochen haben zu wollen! - Nun, wir überlaffen es dem Herrn Bischof, diese so wie noch mehrere andere Widersprüche selbst auszugleichen und mit seinem Verstände wie mit seinem bischöflichen Gewissen zu versöhnend 'Jedem vernünftigen Leser aber zeigen sie, was man von dem Freiherrn von Ketteler in seinen anderweitigen Expectorationen zu erwarten hat. Um so weniger wird sich jemand über die ganze Methode des Herrn Bischofs wundern, noch dazu, da sie aus dem Verfahren der Ultramontanen bekannt ist. Denn daß er zu diesen gehört, wird der Herr Bischof selbst nicht läugnen. Wer wie er gegen das Unfthlbarkeitsdogma nachdrücklich prytestirt, eine scharfe Schrift dagegen geschrieben und sie wider den Willen der Curie in Rom vertheilt hat, dann aber dem Ausspruch des Papstes nicht allein sich für sich unterwirft, sondern jeden in die Hölle verdammt, der es nicht thut, wer also den Glauben an die Unfehlbarkeit des Papstes trotz seiner Ueber- - zeugung nicht allein bekennt, sondern die ganze Welt zu diesem Bekenntniß zwingen will, wer sich also ohne alle „persönliche Freiheit und Selbstständigkeit" dem Willen des Papstes unterwirft nutz die West ihmzu unterwerfen sucht, der ist ultramontan. Die Methode der Uftra-s montanen ist aber, Behauptungen, die den Gegner YM Nichten und sich selbst glorificire», aufzustelleu, sie als erwiesen zu' behaupten, und dann daraus folgerichtig zu schließen. Die Folgerichtigkeit der Schlüffe syst dann die unerwiesenen Prämissen decken, Davon läßt sich aber nur derjenige, täuschen, welcherbereits getäuscht ist, was leider noch Sei M zu vielen der Fast ist. Der Bischof sagt, es gicht zwei Principien, dA eine; daß Religipn, Sittlichkeit und Gerechtigkeit die allem wahren Grundlagen des Staates Wd der gesamnttey bjjrgM Mn MMflst sinp^ das Mssite r »ur die Mtzljichkeft

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