Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1872)
- Date
- 1872-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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36. Jahrgang. Allgemeine •Af. 14. Zeitung des Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipps»« in Bona. Leipzig, de» 2. April 1872. Diese Zeitung erscheint wSchentNS einmal Dienstag«, in 2 bi« 2'/, Boqen. Drei« de« NaSrganflS ä Tvlr. Salbi^briq 2 Tblr. Merteli?!bria 1 Ddlri Inserate werden mit 2 Rar. für die Petitzeile odet deren Raum berechnet. Mle Burbbandkmgen. Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Befiellungm an; der Haupt-Expedition für Seide Letztere hat sich da« KSnigl. Sachs. Haupt-ZeitungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Gegen die uliramontanen Scribenten. ll. — Die Verhandlung des preußischen Abgeordnetenhauses - üher die SchneidemÜbler Petition am 8. März. (Schluß.) — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Solingen, Aus Elsaß-Lothringen. — Oesterreichisch-nngarische Monarchie: Wien, Pest. — Frankreich: Paris.— Schweden: NorrkSping.' — Aegypten: Alexandrien. — Donaufü rst erit hstmer: Bonn. — Rußland: Aus Rußland. — Nachtrag: Wien. Feuilleton - Beilage r Auch eine Ghettogeschichte. . (Forts, aus Nr. 9 u. 10.) — Eine Predigt in einer Judenmisfionskapelle in London. — Vermischtes. Le'itende Artikel. Bonn, 25. Marz. Gegen die ultramontanen Scribenten. ' ' n. . Der streitbare Bischof von Mainz, Freiherr von Kettel er, hat sein Mandat als Mitglied des deutschen Reichstages niedergelegt. Er hatte seine Standarte kühn aufgepflanzt, allen seinen Fracüonsgenoffen voran; denn schon am 1. October 1870 hat er ein Schreiben an den Reichskanzler nach Versailles gerichtet, um ihn für seinen Plan, die Grundrechte der preußischen Verfassung in die Reichsverfaffung aufzunehmen , zu gewinnen. Jetzt hat er-seine Standarte selbst auö dem Boden gerissen und heim getragen. Es herrscht eben in einem Parlamente eine Temperatur, die einem Bischof oft unangenehm werden kann. Im bischöflichen Palasteauf der Kanzelin Hirtenbriefen und Broschüren spricht man allein, und wenn man nicht will, braucht man von den Gegnern und Erwiederungen gar keine Notiz zu nehmen. Diese Annehmlichkeit ist dem Mitgliede eines Parlaments nicht gewährt; hier muß man Stand halten, und sich von seinen Opponenten oft mehr heimzahlen lassen, als man ausgegeben hat. Der Herr Bischof hat daher feine Streitgenoffen verlassen, und ist ru seiner liebgewordenen Gewohnheit, Broschüren in die Welt zu senden, zurückge» kehrt. Ueber seine Wirksamkeit im Reichstage veröffentlicht er so eben „Die Centrumsfraction aus dem ersten deutschen Reichstage. Von Wilhelm Emmanuel Freiherrn von Ketteler, Bischof von Mainz. Mainz, Fr. Kirchheim. 1872." Wir hatten nun an sich keine Veranlassung , Herrn von Ketteler m seiner Rechtfertigung irgend wie zu stören, da wir nicht zu seinen Wählern' gehören, und auch daS Fiasco des Herrn im Reichstage unS sehr gleichgültig läßt. Aber wie man leicht voraussetzen kann, schleudert er seine Blitze auch gegen daS Judenthum, und zwar in der bei den Ultramontanen beliebten Weise, den Liberalismus mit dem Juventhume zu identificiren, und beide mit denselben Donnerschlagen zu regaliren. Deshalb wollen wir, ohne eine umsaffende Kritik der Kettelerschen Streitschrift zu geben, einige Streiflichter aus dieselbe werfen. ' Was jedem, der sich nicht von Worten blenden laßt, sofort auffällt, sind die vielen und tiefgehenden Widersprüche, in welche der Herr Bischof verfällt, und' die seine übrige Logik in'S rechte Licht setzen. Wir wollen einige der hauptsächlichsten hervorheben. Als den ersten' Grundsatz deS Programms der Centrumsfraction und als sein