Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1872)
- Date
- 1872-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3226852-3226866--30466-3253343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
weil sie sich anderweitig versuchen wollten, wie die betreffenden Schriftstücke ergeben. Block ist Cigarrenfabrikant geworden und hat nach seinem Abgänge in den freundschaftlichsten Beziehungen zu Vorstand und Gemeinde gestanden, was seine Briefe bewahrheiten. Moos sollen wir entlasten haben, weil er sich verheirathen wollte, und engagiren demnächst als Nachfolger Mandel, einen verheiratheten Lehrer. — Welcher Widerspruch!? — Den Artikel in dem Blatte Nr. 2 d. I. anlangend, so ist die Angabe, daß die beiden Vorstandsmitglieder bei Abschluß des Contractes vom 30. April 1870 (nicht October) gesagt haben sollen: „Wir sind Ehrenmänner und werden niemals kündigen" eine Andichtung, und entbehrt schon ihrem Inhalte nach jeder Glaubwürdigkeit. Daß dem Vorstande damals nichts ferner liegen konnte, als eine Ehrenerklärung dieser Art, muß um so mehr Glauben finden, als vorher schon vielfache Klagen über die Mandelsche Schule laut geworden waren, und ein ferneres Vertragsverhältniß beim Vorstande schon Bedenken erregte. Liegen doch aus jener Zeit Gesuche Mandels um weitere Anstellung und Contractsentwürfe vor, welche damals schon dieserhalb beanstandet worden sind. Erst nach reiflicher Erwägung wurde beschlossen, einen Vertrag auf drei Jahre mit sechsmonatlicher Kündigung einzugehen, .um Mandel Gelegenheit zu Hebendurch verbesserte Lehrthätigkeit. sein . Verbleiben zu ermöglichen, ihm andernfalls aber zu kündigen. — Von. keinem der Realschullehrer ist Grünebaum' gesagt worden, daß Mandels Schule' in schlechtem Zustande sei — wöhl. sind ihm- Mitth'eilungen über das Elementarwisten einer Anzahl" Knaben--welche! aus jener! zur-Realschule übergegaffgen sind, gemacht worden. Nur hierüber hat derselbe mit Mandel gesprochen, um ihn für seine Schule anzuspornen! — Ebenso entstellt ist die Angabe, -daß Mandel von dem Landrath Herrn Freiherrn w-Schurlemev hier.zu. einem Vergleich aufgefordert worden ist— dieser hat ihm. nur zum Versuche eines solchen wohlmeinend gerathen! Mandel hat in seinem Schreiben vom 27. Nopbr. v. I. den Vorstand ersucht, ihn noch auf einige Monate in seinem Amte zu belasten. Die Gemeinde wollte aber einen Vorbeter i nicht hören und einem Lehrer ihre Kinder nicht anvertrauen, welcher kurz nach erfolgter Kündigung während des Sonnabendmorgengottesdienstes den Psalm 140 in theilweise kräftig freier .Übersetzung mit solch auffälliger Betonung und ungewohnter Begeisterung vorgetragen hatte, daß -alle Anwesenden die Flüche und Verwünschungen auf sich beziehen mußten und eine allgemeine Entrüstung sich darüber kundgab. Aus Familienrücksichten- — um ihn, der ohne anderweitige Anstellung war, nicht brodlos zu sehen — hat die Gemeinde dennoch die Summe von 1,00, Thalern ohne jede Gegenleistung Mandel bewilligt, und acceptirte er dieselbe durch nachstehendes Schreiben. Lippstadt, 30. Novbr. 1871. . Wohll. Vorstande erkläre ich auf diemir mit der Zuschriftvon heute gemachte Vergleichsoffertedaß ich dieselbe bestens acceptire, michalso gegen Zahlung von 100 Thlrn. und meines rückständigen-Dienstgehaltes verpflichte,' rohne. jede. Schwierigkeit morgen, den Decbr. o. aus meiner Stellung1 bei hiesiger jüdischer Gemeinde ialS Lehrer und Cantor auszutreten, den Verttag vom 30. April v. I. für völlig annnllirt und aufgehoben zu erklären und die in. meinem Besitze-befindlichen. Gemeindeutensilien herauszugeben. , -; j Mit Hochachtung. Gezeichnet Leopold Mandel. - Nach! Herausgabe der Gemeindeutensilien wurde am 7.- Decembdr v. > Ir-idie - '.Anweisung: - - M >,Empfangnahme der 100 Thlr., Mandel übergebenworüber der -betreffende Nachweisin den Händen -desi Vorstandes;istv-u Die spätere Erhebung jener Summe am 2. Januar o. war wahrscheinlich absichtlich, wenigstens, muß--das.angesichts der Antedatirung des -in> Rede -stehenden- Artikels -angenommen werden^-Trotzdem.-nun did . Angelegenheit mit Mandel durch-sein vorstehendveröffentlichtes Schreiben vom 30. November rechtlich zum Mschlnß-gebracht-war-iMigerte derselbe-auf wiederholte Aufforderung des Vorstandes :rmd-emeS Communalbeamten am folgendem Tage den 4: :Dechrijy. die -Herausgabeder Schlüffel -zum- Synagogengebäude. ..Da^dieseS.,unbewohnt-?ist,)?sü-ii.'wM;'der'.-BochaM^«:.-TW