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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-03-26 · Heft 13 (26.3.1872) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 13 (26.3.1872)
Date
1872-03-26
Page
Seite 252 (sequence 10)
Language
German
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Lei, daß derselbe Cormnissarius eineEhe zwischen Ju- Lssn und Dissidenten amtlich beurkundet und eingetragen hat. Das Kammergericht wies , ohne auf die Rechtsfrage einzugehen, unterm 9. Januar d. I. den Beschwerdeführer zurück, weil kein Register zur Eintragung solcher Ehen existire. Darüber waren aber drei Monate vergangen. Herr H. entschloß sich nun, die letzte Instanz zu beschreiten, und ließ durch Justizrath Lesse dem Justiz minister die Angelegenheit unterbreiten. Der Justizminister beseitigte den formellen Grund, aus welchem das Kammergericht die Beschwerde des H, zurückgewiesen, indem er, gestützt auf § 19 der Verordnung vom 30. März 1847 (dem sogenannten Dissidentengefetz), welcher dem Justizminister die Anordnung aller zur Ausführung des Gesetzes erforderlichen Bestimmungen überwiesen hat, verordnet, daß Ehen zwischen Juden und Dissidenten gleichzeitig in die Register für Juden wie in die für Dissidenten eingetragen werden sollten. Ob andere gesetzliche Hindernisse für die Ehe zwischen Juden und Dissidenten beständen, müsse der weiteren Prüfung des Kammergerichts überlassen bleiben. Nach dieser Verfügung fand das Kammergericht, daß die gesetzliche Zulässigkeit solcher Ehen weder durch Bestimmungen des Landrechts noch durch spätere Verbote ausgeschlossen sei, und wies das Potsdamer Kreisgericht unterm 21. Februar an, nunmehr die möglichste Beschleunigung dieser Angelegenheit eintreten zu lassen. Breslau, 29.Febr. (Nekrolog.) Mit Windeseile verbreitete sich in den Morgenstunden des 25. d. M. die Trauerkunde in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung, daß in der verflossenen Nacht unser allverehrter Mitbürger Professor Dr. M. A. Levy plötzlich auS dem irdischen Leben geschieden sei. Diese Nachricht, die zunächst unsere ganze große jüdische Gemeinde in die schmerzlichste Aufregung versetzte, fand bald durch einen ehrenvollen Nachruf in den hiesigen Zeitungen ihre Verbreitung, um der gesammten gelehrten Welt die betrübende Botschaft eines schweren Verlustes zu bringen. . . Moritz Levy war am 11. März 1817 zu Altona geboren. Seine in dürftigen Verhältnissen lebenden Aeltern konnten für die geistige Ausbildung des sehr begabten Knaben keine andern Mittel anwenden, als diejenigen, welche die dortige Talmud- Thora-Schule zu diesem Zwecke darbot. Vollständig auf sich selbst und auf die unzuverläsM-Hilfe:-fremder Menschen angewiesen, suchte Levyin semerrwlß. Lebensjahre seine weitere Ausbildung auf dem Collegium Carolinum zu Braunschweig, und fand gleichzeitig in dem dortigen Rabbiner Eger einen ebenso gelehrten als wohlwollenden Förderer seiner talmudischen Studien. Nach vier Jahren von Seiten des Gymnasiums mit dem Zeugniß der Reife, und vom Rabbiner mit dem -,-m-Titel entlassen, widmete er sich auf der Universität zu Berlin dem Studium der Philosophie. Neben den philosophischen Vorlesungen von Böckh- Trendelenburg und Micheles, die Levy mit großem Eifer besuchte, waren es desonders die Vorlesungen Petermanns und Ritters, die ihn in den Jahren -4838— 1841 für Orientalin gewannen, denen er fortan die Hauptarbeit seines rastlosen Geistes zuwandte. Nachdem Levy seine Studien vollendet und promovirt hatte, übernahm er eine Hauslehrerstelle in unserer Stadt, welcher letzteren er ununterbrochen bis an seinen Tod angehörte. Die im Jahre 1843 von Dr. Geiger hier gegründete, jetzt als Religionsunterrichtsanstalt der Synagogengemeinde bestehende Religionsschule gewann in Dr. Levy ihren ersten Lehrer. Gleich seinem als Gelehrten und Kanzelredner berühmten Freunde Geiger der freisinnigen Richtung zugethan, gelang es ihm hier, in stets enger Verbindung mit jenem eine Generation heranzubilden, die durch gediegenen Unterricht im Hebräischen , in der Religion und in der Geschichte unseres Volkes , trotz aller feindlichen Einflüsse einer in religiöser Beziehung bewegten Zeit, treue Verehrung unsers väterlichen Glaubens in sich zu bewahren vermochte. Alle in der Anstalt eingeführten Unterrichtsbücher sind von Levy verfaßt, und haben weite Verbreitung gefunden. Wir können uns nicht versagen, diese Schulbücher hier anzuführen: Auszug aus dem hebräischen Gebe t b u ch e. Ein Hülfsbuch für den ersten Unterricht im Hebräischen, mit Wortregister. Hebräisches Lesebuch. Auswahl historischer, poetischer und prosaischer Stücke aus fast allen' biblischen Büchern, mit Anmerkungen und einem Wörterbuche. Elementarbuch der hebräischen Sprache. Grammatik und Uebungsbuch. Bibelkunde für israelitische Schulen. Die b ibli sch e G es ch ichte,' und ein S h stein atisch geordnetes Spruchbuch." '■'* 1 Gleichzeitig.mit seinem Schulamte versah Levy das

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