Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1872)
- Date
- 1872-03-26
- Page
- Seite 249 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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nochdaß in dieser Verhandlung kein jüdischer Abgeordneter ' das Wort' üahm; Di-. Kosch liegt leider krank darnieder, und es ist daraus zu entnehmen/' wie es um uns stehen wird, wenn dieser unser Sachwalter in das Häüs nicht wieder eintreten könnte."5i ■ :: : Der erste,' der das Wort ergriff, war Dr. R op ell. Er sagte: Nimmt das 'H'aüS - den AüMg- -'von'Düncker an, so verweist es die Petenten, 'gestattewSie mir dies Wort, „acl calendas' graöcäs“, denn die Äüssicht, ein gesaütmtes Unterrichtsgesetz zu erhalten, ist in den letzten Tagtn noch viel geringer geworden, als sie bisher schon war; im Gegentheil, alles, was wir'in dieser Beziehung in den. letzten Tagen erlebt haben, deutet doch darauf hin, daß man viel eher einzelne Zweige und Stücke und Partien der notwendigen Reorganisation des Unterrichtswesens in Angriff nehmen, als daß man ein das ganze Wesen umfassendes Gesetz'vorlegen wird: Eine solche Verweisung ist aber gegenüber den Petenten — ich scheue mich nicht es auszusprechen — eine Unbilligkeit, es ist zum Theil eine Ungerechtigkeit. - Wenn Sie den Bericht, wie ich annehmen muß, gelesen haben, den die Commission über die Frage , die uns hier vorliegt, erstattet' hat) -so werden Sie sich, glaube ich, überzeugt haben, wie die Errichtung der in Rede stehenden Schule einzig dadurch möglich geworden ist, daß m'aN ihr keinen bestimmten eonsessionellen Charakter gegeben hat; einzig dadurch möglich geworden ist, daß man won Anfang an bei Besetzung der Lehrerstellen kein bestimmtes Glaubensbekenntniß hat maßgebend sein lassen, daß man von - Anfang an . den Religionsunterricht auch für die Juden in den Lehrplan mit ausgenommen hat. Selbst die Behörden haben stillschweigend bei Revision .des Lehrplans; bei der Jnspicirung der Schule jahrelang diesen Zustand geduldet, und erst als nun der, Moment kam, wo die Stadt ihr Gymnasium an den Staat abtreten -sollte und -abtreten mußte wegen sinancieller Verhältniffe, ist der Staat dazwischen' getreten und hat gesagt: der Religionsunterricht für die jüdischen Schüler, der bisher auf öffentliche Kosten gegeben worden ist, darf nicht mehr auf öffentliche Kosten gegeben werden- und darf überhaupt keinen-integrireuden Theil des Lehrplans' mehr bilden. Dadurch 'sind eine Anzahl von Einwohnern^ in Schneivemühl /und' andere, die' ihre Kinder aus der. Ferne auf diese Schule geschickt haben, in ihren Interessen schwer verletzt,... und wenn man bedenkt,, daß an dem-Gymnasium-41 .jüdische Schüler 20 katholischen unw!467 ^evangelischen Schülern gegenüberstehen; für die beiden letzteren aber der Religionsunterricht - auf öffentliche Kosten gegeben wird,'so ist bei' diesem1 Zählenverhältniß die Zurücksetzung der jüdischen - Einwohner ganz' offenbar, und die 'Unbilligkeit und Ungerechtigkeit in ihrer Behandlung erscheint noch größer,' wenn man erwägt, daß ihre Steuern stärker als die ihrer katholischen Mitbürger für -den städtischen''Haushalt ins' Gewicht' fallen. Während im Großen und Ganzen die Commission dem Hause denselben Vorschlag'gemacht hat, den ich und meine Freunde uns erlaubt haben in dem Anträge niederzülegen, hat ste auch den ursprünglichen Passus der Petition in ihren Antrag ausgenommen , der den jüdischen Religionsunterricht als einen obligütorischeck wieder einzuführen verlangt. -Gegen diesen obligatorischen Unterricht richtet sich nun der Antragden ich und meine Freunde eingebracht haben, und zwarans 'dein sehr einfachen Grunde, meine Herren: wir - haben eben erlebt, daß der neue Herr Minister des Cultus in einem'Erlaß in Rücksicht-ans die Verhältniffe des' braunsberger Gymnasiums es ausgesprochen hat, daß von dem bisher obligatorischen Unterricht Dispens ertheilt werden kann und Dispens ertheilt -werden sollso . oft es die Aeltern wünschen. Wozu nun'also will man Hier einen obligatorischen Unterricht einführen, von dem jeden Augenblick jedes Aelternpaar einen Dispens verlangen und sich erwerben ckaün? Wir halten das" für vollständig'überflüsfig. und eine Wiederherstellung'des jüdischen Religionsunterrichts an dem schneidemühler Gymnasium auf Kosten der Regierung bedeutet nichts anderes , als-daß dieser Unterricht wieder/ wie er lange Jahre bestanden hat, in den Lehrplan ausgenommen wird, in die- Stundenzahl des Gymnasiums, daß darüber Censuren ertheilt werden, kurz daß er eben ganz in die Stelle jedes anderen Unterrichtszweiges tritt. d ■ s Regierungscomrnissar Geheimer ' Oberregierungsrath Du. Wiese: Meine Herren! . Gegen dasjenige, worauf der Antrag Duncker hinausgeht, nämlich Verweisung der Sache in die Verhandlungen über das in Aussicht gestellte Unterrichtsgesetz,' würde die Staatsregierung nichts zu erinnern*finden. Für< den Fall aber, daß der 'Antrag hierkeine Genehmigung.finden sollte, erlaube ich mir zur Sache folgendes zu bemerken: ''' Nach Läge der Gesetzgebung und' nach den bestehenden Verwaltungsgrundsätzen hat die Staatsregierung in der.Angelegenheit nicht anders.verfahren können,, als sie gethan hat. : Die Stadt- Schneidemühl bat. vor einigen Jahren;/daß ihr ans Kosten errichtetes Gymnasium vom