Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1872)
- Date
- 1872-03-26
- Page
- Seite 248 (sequence 6)
- Language
- German
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gemeinsamer-Werkebestimmt ist, und. dabei in meinem Lande existirt, nin -welchem die. freie - Associirung zu den alten..herkömmlichen Sitten gehört.-: : Das hauptsächlichste Bedenken liegt darin : ^ob die Gemeinden , an die Beschlüsse^ welche: ihre Vertreter nach der: Mehrheitfasten werden - sich gebunden -'halten werden? Damit wäre wieder die Autonomie der Gemeinden beschränkt, und das wandten - sie ja -gegen den i Congreß selbst ein. In dem-Falle aber, daß. sie .-sich die eigene Entschließung über die Beschlüsse einer - solchen Versammlung Vorbehalten, Mt das ganze Werk--wieder auseinander.. Ja, eine freie Association ist dann möglich, -wenn entweder materielle Interessen dazu drängen,-oder aber ein allgemeiner Aufschwung des Geistes, -ein allgemeiner Enthusiasmus für den -Zweck .her Vereinigung vorhanden: ist. Sie ist daherunter -Individuen viel. leichter, als unter Corporationen; und unter diesen desto schwieriger, je größer, die Opfer, sind , die gefordert, werden, müssen. Ohne diese wiederum, kann die Vereinigung wenig nützen und muß sich mit sehr oberflächlichen Zwecken begnügen. -Warten wir also zunächst ab, ob die arader Denkschrift Anklang staden und die gewünschte-freie Versammlung. zu Stande bringen , wird. Wir. glauben durch . unsere Auffassung das .allgemeine Interesse unsrerseits auf sie gelenkt zu haben.. Nie Verhandlung des preußischen Äbgeorduetenhauses^ über die Schneidemühler Petition am März, Der stenographische Bericht liegt uns jetzt vor, und aus diesem übexzeugen wir,.,uns erst , recht, daß die betreffende Verhandlung von zu großer Bedeutung ist, als daß wir nicht noch einmal und ausführlich darauf zurückkommen müßten. Hat sich doch das Haus auch beinahe eine ganze Sitzung, hindurch damit.beschäftigt, also die principielle Wichtigkeit anerkannt. Die Anträge über die Petition gingen darauf hinaus: 1) die Kosten des jüdischen Religionsunterrichtes bei dem schneidewühler Gymnasium auf Staatsmittel zu übernehmen,— 50 Thaler jährlich — wie sie von der Stadt getragen wurden, ehe-der Staat diese Lehranstalt übernahm; 2) diesen Religionsunterricht wieder zum integrirenden Theite des Lehrplans zu machen; 3) ihn Wieder ( obligatorisch. zu machen; 4) mit dem Verweise auf das zukünftige Unterrichtsgesetz zur, motivirten Tagesordnung überzugehen; endlich. .5) -die Petition' nur wegen;. Wiederherstellung > des..jüdischen, Religionsunterrichtes.: der Staatsr.egierungzur.Erwägung zuüberweisen. Alle diese Anträge wurden durch - die Mehrheit abgelehnt, der erstere mit. 133; gegen 126 S.timmenz Das Abgeordnetenhaus in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung-Hai, hiermitbewiesen , daß es sich über die Principien des.Unterrichtsgesetzes durchaus in. Unklarheit oder in völliger Zersplitterung: befindet, , so daß es. nicht einmal in einem einzelnen Falle zu-einem.Beschlüsse-gelangen, ja nichteinmal eine offenbare Ungerechtigkeit zu repariren vermögen würde, .Bon diesem Hanse ein Unterrichtsgesetz erwarten, wäre demnach| allzu optimistisch- und mit Recht wurde daher der Fortschrittspartei vor? geworfen, daß., sie .die Peteyten auf eine, unbestimmte, gar nicht abzusehende. Zukunft verweise.. Die. Fortschrittspartei hat hierdurch ihre, Absicht -kund gegeben, cm den höheren Lehranstalten überhaupt keinen Religionsunterricht crtheilen zu lassen. Die entgegengesetzte Partei erwies, daß -sie in keinem Falle, für den jüdischen -Reli? gionsunterricht eine Zahlung leisten lassen wolle-,, und wenn die sogenannte Centrumspartei , Windthorst an der Spitze, einen schwächlichen Antrag, für „Erwägung" stellte, so geschah dies nur, um ihre Absicht, den obligatorischen Religionsunterricht überhaupt nicht, fallen zu lassen, kuydzugeben. Was - das Unterrichtsministerium betrifft, so zeigte es - sich, in. einem schwankenden -Zustande, was wir daraus erklären, wollen , daß . Herr Falk , den Herrn Wiese als Regierungscommiffarius bestellt hatten Der letztere. stimmte am ehesten für den. Antrag der Fortschrittspartei, verneinte jede Verpflichtung der. Re? gierung,, suchte zu erweisen, daß die Zahlung der Kosten ganz unstatthaft sei, gab aber schließlich als Ansicht des Herrn Ministers zu erkennen, daß er, falls das Haus die - Berücksichtigung beschlösse, doch die Kosten .tragen werde. So -will man also auf der einen Seite, gar keinen Neligionsunterricht^ auf der andern den- -. obligatorischen, in. der Mitte den facultativen; der eine Thefl will, den Religionsunterricht, für die christlichen Consessionen, ein anderer auch für.- die jüdische. Die .Regierung hat sich noch für, nichts ausgesprochen.5 Dies -ist die einfache Sachlage, und der Schluß daraus leicht zu ziehen. Man ist seben in .Preußen noch nicht, reif zu einem Uuterrichtsgesetze, für dessen Principien, und Tendenzen der alte und der. neue Geist-, im: Stresse. sind, und keiner von beiden die Obmacht hat.. - Bemerftn wollM