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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-03-26 · Heft 13 (26.3.1872) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 13 (26.3.1872)
Date
1872-03-26
Page
Seite 244 (sequence 2)
Language
German
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244 von Scheiterhaufen, welche unter kirchlichem Pompe nach dem Urtheile von Priestern, und unter Anführung von Priestern aufflammten, und deren Änschauen schon kirchliche Gnaden und - kirchlichen Abläße brachte^ werden.ausgegossen, und alle Dominicaner, welche den Jnquisitionshof bildeten und als Großinquisitoren fungirten, werden gestrichen. Daß die Anklagen der von der Inquisition Eingekerkerten auf k i r chl i ch e Verbrechen n lauteten, auf ketzerische Aeußerungen und Handlungen, auf kirchliche Lauheit u. dgl. und daß diese Anklagen den scheußlichen Verurteilungen zu Grunde gelegt wurden, daß man den Unglücklichen mit allen Foltern und. Martern kirchlichen Widerruf abdrängen wollte^ alles dies läugnen die klerikalen Scribenten und glauben so die Blätter, welche der Klerus mit Blut beschrieben, aus der Geschichte herausgerissen zu haben! Wie kann es uns da wundern , daß diese heuchlerischen Schreiber die Inquisition lediglich aus politischen Gründen und nur als gegen die Juden gerichtet erklären? Die Juden sollen sich mit den Mauren, den Erbfeinden Spaniens, zum Landesverrath verbunden, „gerichtlich erwiesenen Kindermord und ähnliche Unthaten" verübt haben. Dann heißt es weiter: „Im Laufe der Jahrhunderte waren jedoch zahlreiche Juden und Mauren zum Christenthum übergetreten, oft mehr aus Interesse und Habsucht, als aus Ueberzeugung. Dieselben machten die christlichen Gebräuche nur äußerlich mit, bewahrten dagegen ihren ganzen jüdischen und mohammedanischen Ingrimm gegen das Christenthum, und verübten in ihren Privatversammlnngen die schrecklichsten Entweihungen des Heiligsten der christlichen Religion." Man sieht, die Herren müssen zuletzt dennoch zugeben, daß die Motive der Inquisition kirchliche gewesen. Die Juden sollen aus Habsucht und Interesse zum Christenthume übergetreten sein. Ja, wenn es Habsucht ist, sich sein Hab und Gut, nach welchem. Regenten und Priester die gierigen Hände ausstreckten, zu retten, wenn es Interesse ist, sein Leben vor Schwert und Scheiterhaufen und Verbannung zu schützen, dann sind viele Juden in Spanien aus Habsucht und Interesse zum Christenthum übergetreten! Welche Ironie liegt darin, jemandem den Dolch auf die Brust zu setzen und ihm dabei zu sagen: wenn du deine Börse behalten willst, bist du ein habgieriger Mensch; wenn du dem Tode zu entfliehen suchst, folgst du nur deinem Interesse! Uebrigens zeigen diese Leute, daß sie die ächten Nachfolger der spanischen Inquisitoren sind; denn das, wessen sie hier die Juden zeihen, gab ja den Inquisitoren den 'i h ) i .88 Vorwand ab, ihre Opfer in den Kerkern zu erwürgen oder auf den ^Scheiterhaufen zu verbrennen. -^Mlles in allem werden unsre. Enkeldoch sagen/ daß biel schmähliches diesem '19. Jahrhundert noch anklebt. .!■- Jndeß verfahren diese Klerikalen in consequentester Weife heute noch, wie sie es immer gethan haben. Weist man ihnen etwas schmähliches nach, so schmähen sie immer mehr, auf andere; verweist man sie auf die Geschichte, so Iläugnen fieihre eigne Geschichte, und alle Urkunden und Documente werden von ihnen ebenso als falsch ausgeschrien, wie sie sich bei vielen ihrer Behauptungen auf falsche und erdichtete Urkunden stützen; tritt man ihrer unersättlichen Herrschsucht entgegen, so ist man ein Feind der Kirche, ein Feind der Religion, ein Feind Gottes, ein Gottloser — denn Priester, Kirche und Gott sind ja ein und dasselbe. Wir brauchen wahrlich nicht die spanischen Juden zu rechtfertigen. Sie waren es, welche die Industrie Spaniens belebten und hochhielten, die zugleich in der spanisch-arabischen Periode zur Entwickelung der Wissenschaften, der geistigen Bildung überhaupt einen großen Theil beitrugen. Selbst die spanischen neueren, vorurtheilsloseren Schriftsteller geben zu, daß die Juden Spanien große Dienste leisteten, zu den betriebsamsten und intelligentesten Bewohnern des Landes gehörten, und daß mit ihrer Verbannung der unaufhaltsame Verfall Spaniens begann und schnell vor sich ging. Wie die durch und durch priesterliche Inquisition in Verbindung mit den habgierigen Regenten und ihren Günstlingen zuerst einen Theil der Juden — der andere zog die Verbannung vor — zun: Uebertritt zwang, und sie dann wegen kirchlicher Lauheit und. heimlicher Beobachtung ■ jüdischer Gebräuche in die Kerker warf, um ihre Güter zu confisciren, und sie schließlich zu Tode folterte, im Gefängniß verschmachten ließ, oder erwürgte und verbrannte —- das sind Thatsachen, welche kein ultramontaner Scribler wegzuläugnen im Stande sein wird, so wenig wie die Bartholomäusnacht, die Dragonaden und die Hinrichtung von Ketzern selbst in Italien, so wenig wie die Anstiftung ungeheurer Religionskriege in früheren mnd späteren Zeiten. Sie können dergleichen' den unwissenden Lesern kleiner Blättchen vorspiegeln — weiter hinaus geht-ihre Wirksamleit nicht. ' Ja, indem sie die Blntflecken aus ihrer früheren Geschichte wegzuwischen sich bemühen, vermögen sie änderen nicht einmal die Ueberze'ügung' beizubringen, daß ■ sie, wenn -siedie Macht dazu hätten - -heute noch ebenso / 'tätfa$feh > § wurden^, "wie sie es früher gethan hüben.! ,,r

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