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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-03-26 · Heft 13 (26.3.1872) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 13 (26.3.1872)
Date
1872-03-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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3«. Jahrgang. A l l g e m eine J&. 13 Zeitung -es Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegebeu von Rabbiner Br. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 26. März 1872. erscheint wSchenüich einmal Dienstags. . >m mit 2 Ngr. für, die Petitzeile oder deren borgen an; der Haupt-Expedition für Inhalt. Leitende Artikel r Gegen die ultramontanen Scribenten. — Die Judenschaft in Ungarn. — Die Verhandlung des preußischen Abgeordnetenhauses über die Schneidemühler Petition am 8. März. — Zeitungsnachrichten r Deutschland: Leipzig, Berlin, Breslau- Königsberg. — Oesterreichisch-ungarische Monarchie: Wien, Teplitz. —.Großbritannien: London. — Rußland: Wloclawek. Feuilleton-Beilager Zu Purim. (Schluß.) — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 17. März. . Gegen die ultramontanen Scribenten. Unfern Lesern wird es bekannt sein, daß der berühmte Maler W. von Kaulbach vor einiger Zeit ein Bild vollendete, in welchem der bekannte spanische Großinquisitor Peter Arbues, der ermordet und vom jetzigen Papste heilig gesprochen wurde, mitten in seiner Thätigleit Ketzer , zu verurtheilen und zu verbrennen dargestellt wurde. DaS Gemälde wird als höchst charakteristisch und voll leidenschaftlichen Ausdrucks sehr gerühmt, an vielen Orten ausgestellt und durch den Stich vervielfältigt. Dagegen machte e8 bei den Katholiken böstS Blut, und wurde von den Eiferern als eine Feindseligkeit gegen die katholische Kirche aufgefaßt. Bekanntlich wollen die Ultramontanen 'die Freiheit besitzen,: alle Welt zu befeinden, zu kränken, und zu schädigen, schreien aber um so lauter, wenn sich jemand, auch nur die geringste Erwiederung gestattet. Daß Rom, indem es diesen sehr anrüchigen Großinquisitor heilig sprach, der Geschichte wie der Humanität ins Gesicht geschlagen hat, das soll gar nichts ausmachen und der Freiheit der Kirche zustehen. Daß aber nun ein Künstler den Charakter und die Tendenz der. spanischen Inquisition in der Person dieses Inquisitors verkörpert, soll eine unerhörte Verletzung der katholischen Kirche sein. Uns ginge diese Sache nun gar nichts an, und wir überließen gern die ganze Streitfrage denen, welche sie betrifft. Die öffentliche Meinung weiß ja doch den rechten Weg und das richtige Urtheil zu finden. Aber die klerikalen Blätter und Blättchen versuchen nicht nur die Geschichte Peters Arbues und der ganzen: spanischen Inquisition abzuschwächen und ihres notorischen Wesens zu entkleiden, sondern sie ziehen wie gewöhnlich die Juden auch hier herein und lästern auf, sie loS, gleich als ob diese den Maler zum Gegenstände seines Pinsels bestimmt und ihn dafür bezahlt Hätten. So liegt uns Nr. 18 der in Braunsberg erscheinenden „Ermländischen Bolksblätter" vor, die mit einem desfallsigen Schmähartikel anhebt. Wie der Verfasser derselben Geschichte versteht und schreibt, kann man daraus sehen, daß er die spanische Inquisition zu einem reinpolitisch e n S t a a t Sinstitute machen will,•„an welchem'auch Priestertheilnahmen" , das nur-„manchmal Todesstrafe verhängte", und, bei dem „nicht immer alles in Ordnung verlief." Dagegen habe „die. kirchliche Inquisition-, bis - heute noch yie ein Todesurthssil> üb er; Ketzer ausgesprochen^" Dies istklerikale * Geschichtschreibung!? Die . Hunderttausende

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