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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-03-19 · Heft 12 (19.3.1872) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 12 (19.3.1872)
Date
1872-03-19
Page
Seite 233 (sequence 13)
Language
German
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in Folge dieser geschäftlichen Rührigkeit Beschäftigung und Nahrung finden. Auch in nattonaler und gesellschaftlicher Beziehung ist nur angenehmes von hier aus zu berichten. Der Anschluß der Juden an die russische Bevölkerung selbst der höheren Kreise hat bereits solche Fortschritte gemacht, daß z. B. dem hiesigen adeligen Casino auch mehrere Israeliten angehören, von denen einige sogar in demselben verschiedene Aemter bekleiden.*) tt a ch 1 r a g. Bonn, 11. März. Wir erhalten soeben die gestrige „Nordd. Allg. Zeit." in welcher ein ausführlicher Bericht über die, die schneidemühler Petitton betreffende Unterhandlung am 8. März enthalten ist, den wir hier wiedergeben. Referent ist Abgeordneter vr. Paur. — Der Antrag der Commission lautet: „Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die Petition des Vorstandes der jüdischen Corporation zu Schneidewühl, wegen Wiederherstellung des jüdischen Religionsunterrichts am schneidemühler Gymnasium als eines obligatorischen und auf Kosten der Gymnasialcaffe, der königlichen Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen." Dagegen beantragt Äbg. Duncker: In Erwägung , daß die Frage wegen des Religionsunterrichts an den öffentlichen höheren Schulen in dem Unterrichtsgesetze in einer der Freiheit der Gewissen, der Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen und den Interessen des Staates entsprechenden Weise geregelt werden muß, geht das Haus über die Petition II. Nr. 39 zur Tagesordnung über — und die Abgeordneten Röpell, Laster und Genossen: „Die Petition des Vorstandes der jüdischen Corporation zu Schneidemühl, wegen Wiederherstellung *) Ich habe das Nest auf der Karte nicht entdecken können, auch im Wiestnik keine Angabe darüber gefunden, wo es eigentlich liegt. Ihnen, Herr Redacteur, wird es wohl eher möglich sein, die Lage von Wosniesenk zu erspähen. Corresp. Wir kennen nur die Wosn esenskische Steppe, in deren Nähe sich das Städtchen befinden muß, und welche zu den taurischen Steppen gehört, so daß die Stadt nicht allzuweit von Odessa zu suchen sein wird. Redact. sJn Ritters Lexikon steht: „W o s n e s s e n s k, Flecken in Rußland, Gouvernement Cherson; Hauptort der Militärcolonien. 1000 Einwohner." vr. L.j des jüdischen Religionsunterrichts unter Ausschluß des obligatorischen, der königlichen Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen." Abgeordneter vr. Röpell bittet, die Petenten nicht auf unbestimmte Zukunft zu vertrösten und deshalb den Antrag Duncker abzulehnen. Geheimer Oberregierungsrath vr. Wiese: Meine Herren, gegen die Überweisung der Sache zur Erwägung hat die Staatsregierung nichts einzuwenden; sofern diese aber nicht die Genehmigung des hohen Hauses finden sollte, erlaube ich mir zur Sache Folgendes zu bemerken. Nach den bestehenden Verwaltungsgrundsätzen hat die Staatsregierung nicht anders verfahren können, als sie eben verfahren hat; würde dem Wunsche der Stadt Schneidemühl, den obligatorischen jüdischen Religionsunterricht einzuführen gewillfahrt , so würde dies zu unabsehbaren Consequenzen führen; der Herr Unterrichtsminister hat mich autorisirt zu erklären, daß er entschieden gegen den jüdischen Religionsunterricht als obliatorisch sei. Nichtsdestoweniger ist der Herr Minister geneigt, die Sache in Erwägung zu nehmen und sich mit dem Herrn Finanzminister in Communication zu setzen, betreffs der Kostenzahlung. Ich kann also nur bitten, daß das hohe Haus die Petition der Staatsregierung zur Erwägung überweist. Abgeordneter vr. Techow (für den Commissionsantrag) : Meine Herren, im Interesse der gleichmäßigen Gerechtigkeit bitte ich Sie dem Anträge des Collegen Röpell Folge zu geben. Wenn unsere jüdischen Mitschüler beisteuern zu den 1000 Thalern, aus denen die Religionslehrer für die katholischen und protestantischen Schüler bezahlt werden, dann bitte ich Sie dahin zu beschließen, daß diese Summe auch mit dazu verwandt werde, um für die jüdischen Schüler einen Religionslehrer zu besolden. Abgeordneter Windthor st hat inzwischen einen neuen Antrag eingereicht dahingehend: „Die Petition der Regierung zur Erwägung zu überweisen." Abgeordneter Duncker befürwortet feinen Antrag, der keineswegs eine Vertröstung auf die ungewisse Zukunft enthalten solle; er (Redner) hege die bestimmte Erwartung, daß das Unterrichtsgesetz bald zu Stande kommen und daß dann die ganze Materie endgültig regulirt werden würde. Abgeordneter Reichensperger (Coblenz): Meine Herren; ich will mich an den concreten vorliegendest

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