Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1872)
- Date
- 1872-03-19
- Page
- Seite 232 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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dex MädchenaLtheilung vier Zöglinge. Die'Einnahmen betrugen mit dem Vereinsvermögen von 20,000 Thalern, den laufenden Beiträgen von 1040 Thalern, Legaten und Geschenken von 2450 Thalern, dem Verkaufe des' alten Grundstücks für 6250 Thlr. u. s. w. zusammen 32,241 Thaler. Die Ausgaben dagegen beliefen sich, einschließlich 18,587 Thlrn. für das neue Grundstück, zusammen auf 21,526 Thaler', so daß 10,714 Thaler Bestand blieb. So wächst auch hier ein segensreiches Institut allmälig in die Höhe, und Ausdauer und Fürsorge bringen köstliche Erfolge hervor. OesterreichtschungarischeMonarchie. Krakau, 1. März. (N. fr. Pr.) Der lemberger Landesfchulrath ernannte eine Jüdin zur Lehrerin an der hiesigen Mädchenschule des Andreasklosters. Darüber herrschte großer Jubel aller Fortschrittsfreunde, welche diesen freisinnigen Act nicht genug preisen konnten. Mit dem von unserem Bürgermeister vr. Dietl unterfertigten Ernennungsdecret in der Hand begibt sich, nun die designirte jüdische Lehrerin zum Director des obengenannten Institutes, dem geistlichen Herrn Chmielewski. Der Empfang war, wie vorauszusehen, ehen nicht sehr freundlich. Anfangs wollte der Herr Director von einer derartigen Verfügung des Landesschulrathes nichts wissen, später aber eines besseren belehrt, erklärte er, dem Wunsche der Lehramtscandidatin deshalb nicht Nachkommen zu können, weil schon alle Stellen besetzt seien. Kurz, nach längerem Parlamenten muß die verblüffte Jüdin trotz des lwdesschulräthlichen Decrets dem geistlichen Non possumus weichen. Wir stehen mithin vor einem Conflicte zwischen unserer obersten Schulbehörde und einem "geistlichen Schuldirector. Wer wohl siegen wird? Für uns waltet darüber kein Zweifel ob. Herr Chmielewski gehört eben einem Stande an, vor dem sich in Galizien alles, ja selbst der Landesschulrath, zu beugen gewohnt ist, und höchst wahrscheinlich wird auch der Widerstand des Landesschulraths nicht lange dauern. ' Großbritannien. .... Lpndott, 8. März. Der bekannte Orientalist Professor Goldstücker ist heute ftüh gestorben. Es heißt, er habe Befehl hinterlassen, alle feine noch unveröffentlichen Schriften zu verbrennen. Man schreibt über den Tod Goldstückers:' Die dem deutschen Gelehrten nur zu oft anhaftende Gleichgültigkeit gegen körperliche Beschwerden hat unserem tüchtigen Professor Theod. Goldstücker den Tod gebracht. Eine Luströhrenentzündung hatte ihn befallen, welche er so lange vernachlässigte, bis sie über das Maß seiner physischen Kräfte hinausgewachsen war. So hat die Wissenschaft heute Morgen einen der gründlichsten und scharfsichtigsten Sanskritkenner verloren, und zwar ehe er noch Zeit hatte, die Werke zu wollenden, an welchen er seit dreißig Jahren gearbeitet hat. Von feinem Sanskritwörterbuche, so wie von seiner Ausgabe der Mimansa sind nur erst wenige Theile erschienen; seine Abhandlung über Sanskritpartikeln, von welcher man eine vollständige Umwälzung in der Grammatik des Sanskrit vorhersah , ist wie seine kurze Sanskritgrammatik noch im Manuscript. Er soll die Weisung hinterlasfen haben, daß sein literarischer Nachlaß bis zum letzten Blatte verbrannt werde. Die Pall Mall Gazette spricht aber die Hoffnung aus, daß Golvstückers einziger Verwandter, vr. Wilhelm Tobias in Berlin, erkennen werde, daß man dieses Gebot mehr ehren werde durch Uebertretung als durch Ausführung. „Im Privatleben war Goldstücker^, so sagt die genannte Zeitung, „ein Muster vonEhren- und Wahrhaftigkeit, ein treuer und hochherziger Freund. Sein Verlust wird in allen geistigen Mittelpuncten der Welt und in manchem indischen Hofe und Hause tief empfunden werden." Der Verstorbene war Professor des Sanskrit am hiesigen Universtiy-College, Präsident der philologischen Gesellschaft und Vorstandsmitglied der asiatischen Gesellschaft. Rußland. Aus Wosmesenk wird dem „I. Wiestn." folgendes geschrieben: Unsere Stadt hat sich, Dank der Thätigkeit und Fähigkeit unserer Glaubensgenossen, binnen kurzem zu einer solchen commerciellen Bedeutung emporgeschwungen, daß sie zum Mittelpunct des. Handels und Verkehrs eines weiten Gebietes geworden ist. So liefert sie beispielsweise 2—300,000 Tschetwert (1^2 Polnische Korzec) Getreide alljährlich nach Odessa ', und man kann sich denken, eine wie große Anzahl von Personen