Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1872)
- Date
- 1872-03-19
- Page
- Seite 229 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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in welchem die hebräischen Texte gegeben und eine Anleitung zum Erlernen der hebräischen Sprache hinzugefügt werden soll. — Von der durch Rabbiner Dr. Kobak herausgegebenen Zeitschrift Jeschurün ist wieder ein Heft erschienen (Schlettersche Buchhandlung in Breslau), welches zwei lefenswerthe Aufsätze „Bibel und biblische Geschichte in der mohammedanischen Literatur von Dr. W. Bacher" und „Zur Kenntniß jüdischer Trauerbräuche von Dr. N. Brüll" enthält. — Wir hatten in diesen Tagen die Befriedigung, einen neuen Band von Dr. M. M. Kalischs ausführlichem Commentar zum Pentateuch bistorioal and critdcal Commentary on the old Testament with a new translation“ (London, Longmans, Green, Reader and Dyer 1872) zu erhalten. Dieser Band, der vierte des Werkes, ist der zweite Theil des Commentars zum 3. Buche Moses und befaßt Capp. 11—27. Wie in den früheren Bänden werden auch hier die ihrem Inhalte nach zusammenpaffenden Stücke gruppenweise behandelt, eine allgemeine ausführliche Einleitung über den betreffenden Gegenstand vorangeschickt, und dann zu jedem Verse zuerst eine inhaltliche, dann philologische Erörterung gegeben. Die gewissenhafteste Forschung, der ausdauerndste Fleiß und eine umfassende Kenntniß der Literatur zeichnen dieses Werk aus, dessen Ergebnisse der Wissenschaft angehören, .und erkennen wir dies gern an, wenn wir auch im einzelnen mit vielen Ansichten des Verfassers nicht übereinstimmen. In dem alten Dilemma der Kritiker, ob der Leviticus oder das Deuteronomium älteren Ursprungs sei, steht der Verfasser auf Seiten derer, die dem erster» einen jüngeren Ursprung zuschreiben; er setzt sogar die schließliche Revision desselben erst um 400. Die Argumente jedoch, welche er vorträgt, widersprechen sich vielfach. Denn wenn er aus dem Buche Nehemia und auö den abweichenden Bestimmungen im zweiten Theile des Buches Ezechiel den Schluß zieht, daß der Leviticus damals noch nicht vorhanden gewesen sei, so könnte auch von einer späteren Revision nicht die Rede sein, sondern von einer völlig neuen Schöpfung um die vom Verfasser angegebene Zeit. Hiergegen aber spricht schon das Hinaufreichen Her traditionellen Institutionen bis in die Zeit Nehemia's. Eine traditionelle Interpretation ersteht nicht in derselben Zeit, wo man ein Gesetzbuch schafft. Ebenso -wenig ist eine größere Entwickelung des Ceremonialen ein Beweis für ein jüngeres. Alter. Wir haben in Aegypten und Indien die umfassendsten* und speciellsten Ceremonien, bevor ein System religiöser und ethischer Ansichten sich entwickelte. Schlimm ist es. auch, wenn man einem Buche durchaus ein und dasselbe Prineip, eine und dieselbe Tendenz zugestehen muß, und dann doch annimmt, es sei aus den verschiedensten Bruchstücken in den verschiedensten Zeiten entstanden. Uns scheint, daß die principielle und tendenciöse Einheit bei-- einem alten Schriftwerke mehr entscheidet als specielle Verschiedenheiten und Widersprüche. Wir würden dann eher sagen, daß es ein einheitliches Werk ist, in welches spätere Hände solche Unebenheiten hineingebracht haben, als daß eine spätere Revision die einzelnen Stücke zusammengetragen, hat. Wir bemerken dies , um zu zeigen, daß alle solche Schlüffe aus abstrakten Motiven auf Voraussetzungen beruhen, denen eben solche entgegengesetzt werden können. Gerade hieraus entstehen ja die Gegensätze in den Endurtheilen. — Von „Freund und Marx' Präparationen zum alten Testament" liegt uns in drei Heften (Leipzig, Violet) die zweite Abtheilung, die Psalmen enthaltend, vor. Diese zweckentsprechende' Arbeit ist zum Gebrauche für Schule und Privatunterricht sehr zu empfehlen. — Wir haben an dieser Stelle noch eine Schuld zu entrichten, die wir gern abtragen. Sie betrifft ein letztes Schristchen unseres seitdem verklärten Freundes, des Professors Lelio della Torre in Padua: Lull' inferno di Dante fatto ebraico dal signor 8. Cav. Dott. Formiggini, lettere due (Padova, Tip. Crescini 1871). Unsere Leser werden sich der hebräischen Übersetzung eines Theiles des Inferno^ von Dante, welche Dr. Formiggini in Triest herausgegeben hat, erinnern, über die wir unsere Ansicht in Nr. 4 des Jahrgangs 1869 gaben. Hierüber nun faßte der selige, Della Torre im Februar und März 1870 zwei Briefe ab, die im vorigen Jahre unter obigem Titel im Druck erschienen. Diese Briefe sind, wie alles, was Della Torre schrieb , im trefflichsten italienischen Stile abgefaßt und zeichnen sich durch geistvolle manchmal fein ironische Behandlung des Gegenstandes, durch richtige Ansichten und Sachkenntniß aus. Im ersten Briefe bespricht er den veröffentlichten Theil der Uebersetzung (den Tod Ugolino's und seiner Söhne) und zeigt ( die vielen sprachlichen Schwächen derselben. Im zweiten beantwortet er die Frage, ob solche moderne Dichtungen ins hebräische zu übertragen geeignet seien, und Dante insbesondere? Er verneint dies. Uebersetzungen in lebende Sprachen sind für die betreffende Nation und Sprache von großem Nutzen, da hierdurch die bezügliche Dichtung auf die Nation r wirken kann, sie neue An-