Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1872)
- Date
- 1872-03-19
- Page
- Seite 228 (sequence 8)
- Language
- German
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Gräßlichkeit alles übersteigt, was in- Judenhetzenmür geleistet/werden,. ckann.u Der/Pöbel durchbrach/die Reihen der - Soldaten, ohne 'daß diese:ihm: auch nur den geringsten Widerstand geleistet hätten, - und hiebunbarmherzig auf die Wehrlosen ein) so daß Schädel-)' Arm-, und Beinbrüche zu'Dutzenden vorkamen. - . ■n. (,<Die also verwundeten blieben: äustder -Straße liegen und r würden ' aüsgeraubt.- - > Der-: Weg' bis zur Caserne war buchstäblich mit Blut getränkt. In der Caserne hatten über «tausend -Juden Schutz gefunden, die jedoch drei volle Tage,j/ohne ' irgend welche' Nahrung zu . erhalten, in Angst und - Schrecken zubrachten; denn in der allgemeinen Verwirrung/ wurden. die' Frauen von ihren Männern, die Kinder von? ihren Müttern getrennt, und. keiner wußte etwas vondem 'anderen.- -;,Unterdessen wüthete der Pöbel ungestört fort; zwei schwangere Frauen wurden der Art' malttätirt, daß sie auf dev Straße: aborürten, zwei Töchter einer Witwe geschändet, die/Wohnungen' derart' verwüstet,' daß nicht nur. Fenster und: Thüren eingeschlagen/ sondern sogar die Plafonds und Wände -durchlöchert wurden. Die Synagogen wurden förmlich; in Lattinen verwandelt, Möbel und Werthgegenstänöe'/aller. -Art führte der Pöbel mit Wagen hinweg und theilte' dann die Beute. . ,;Bei diesen Vorgängen hatten sich die-Autoritäten völlig passiv ^verhalten/kein Schuß-war von dem Militär abgefeuept worden;- und alles, was der Platzcommandant that, wär >den Juden sagen zu lassen; daß sie auf der Erde schlafen mögen ,' weil man nach den Fenstern feuern werde.. r-/ Gegenwärtig - sind die Häuser der Juden in Ruinen verwandelt, 'die-Reichen sind plötzlich arm geworden, es fehlt, anden nothwendigsten' Nahrungs- - und Bekleidirngsmitteln,! kurz das. Elend ist gränzenlos. Der angerichtete Schadenwird in Eahul auf nahe zu 40,000 Ducaten geschätzt:" - ' - .- Ismail, 21. Februar. - Es ist heute keinem Zweifel mehr«.unterworfen, daß es die Sicherheitsbehörde -unserer Stadt selbst war, welche, statt die aufkeimende Revolte-zu erstickenderselben vielmehr allen Vorschub geleistet, hat: Unser! Districtspräfect,. ein dicker und gemächlicher Herr, der /mehr -physische-als geistige Talente > mehr Bauch als Kopf, besitzt, -ließ > sich' von den Aufwieglern am Gängelbande-führen und zog es vor, statt durch persönliches energisches - Eingreifen seinen subordinirten mit einem' Beispiele: voranzugehen /' . sich während der ganzen Zeit -zu Hause gütlich zu thun. -Der- Bürgermeister^ der Städiein -bulgarischer Parvenü/ hat-«sein möglichstesgethün> um den 'Pöbel aufzuhetzen' und den Schauplatz1 mit Gräuelscenen zu beleben. So könnte ich Ihnennoch -eine' sehr große-Zahl von Beamten nennen;-die bei größeren oder kleineren Niederttächtigkeiten ihren Vorgesetzten - frei* -zur Seite standen. - - > Kein-Wunder also, wenn das aüfgestachelte'und'ungezügelte Volk seinen' Leidenschaften freien Lauf ließ! Aber der Rache-oder besser gesagt der Gelddürst der Beamten - begnügte' sich nicht' mit' den verübten Thaten; ihre Grausamkeit fand selbst zwischen den Kerkerwänden keine Gränzen. Dort wurden Unchaten in einem Gräde vollführt, die lebhaft an-die Zeit der Inquisition erinnern: So wurden z. B. unter anderen Martern dein angefchuldigten Schneidermeister Hände und Füße zusammengebunden, ein dicker Stock dazwischen gesteckt, an welchem ihn zwei handfeste Kerle in die Höhe hoben und wieder - zu Boden fallen ließen. Diese Procedur wurdefünfzehn mal wiederholt, bis der Unglückliche, am'ganzen Körper erschüttert , bewußtlos liegen blieb. Dies - ist die neueste Methode, jemandem ein Geständnißabzuzwingen. Auch der vielgenannte Herr - Goldschläger sollte nicht schadenfreiausgehen und eine traurige Existenz im Kerker fristen. Goldschläger hatte von jeher aus Glaubens- oder Gewohnheitsrücksichten einen langen Bari getragen; da' brachte ihm eines Tages der Gefängnißwärter die Nachricht, daß ihm der Bart auf Befehl des Präfecten äbrasirt werden solle, und trotz allen Sträubens - würde der Machtspruch auch allsogleich vollführt. Den Rabbiner sollte ein gleiches Geschick tteffen; dieser erklärte jedoch ohne Furcht, daß er sich eher den Hals als' den Bart abschneiden lassen würde: •" l - : 1 Literarischer Wochenbericht. ' Bonn, 21. Februar. Der bekannte „Leitfaden-bei dem Unterrichte in der israelitischen Religion" des vor 30 Jahren verstorbenen Or. Moses Büdinger ist in einer 7. verbesserten Auflage/ von vr. L. Adler bearbeitet, erschienen. Das treffliche Buch hat bereits'einen zu guten Ruf und ist durch die Hand des neuen 'Herausgebers den Bedürfnissen der Zeit so angemdffen verbessert worden, daß es weiterer' Anpreisung' nicht bedarf: Dr. Adler will auch nochein,;Spruckbuch" folgen läffens