Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1872)
- Date
- 1872-03-19
- Page
- Seite 227 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226852-3226865--30424-3253300- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Artikel des Strafgesetzbuches thun. Bis dahin könne er den-. Fremden nicht verbieten, Journale zu publiciren. . „Der Just izminister Costaforu erklärt, daß die gerichtliche Untersuchung im Gange ist, daß jedoch der nach Ismail gesendete Generalprocurator noch keinen Bericht eingesendet habe. '„Herr Vamali fragt die Regierung, was sie für Maßregeln betreffs der ismailer Affaire ergriffen habe, und liest eine Petition der dortigen Bewohner vor, welche auf die Vertreibung sämmtlicher Juden antragt. „Der Justizminister antwortet, daß in JSmail zwei gleich verdammenswerthe Verbrechen begangen worden sind: der Kirchenravb und die Plünderung der Israeliten. Er fürchte , daß eine unsichtbare Hand die Sache so weit getrieben habe; denn während in Ismail Unruhen waren, griff der Pöbel auch in Cahul die Juden an, obschon hier durchaus keine Veranlaffung dazu gegeben worden war. Er erklärt wiederholt, daß er entschlossen sei , Gerechtigkeit zu üben; um aber der Untersuchung mehr Unparteilichkeit zu verbürgen, wolle er dieselbe nach einer anderen Stadt transferiren; doch werde er nie die leidenschaftliche Weise billigen, in welcher Männer wie Herr Bolliak und Vamali eine solch ernste Frage besprechen. Herr Bolliak habe sich redlich bemüht, durch sein Journal den religiösen Haß und die Leidenschaften aufzustacheln -r. doch werde es ihm hoffentlich nicht gelingen. Solle man etwa in dem jetzigen Jahrhundert eine ganze Nation für die Verbrechen einiger Individuen verantwortlich machen? Er sei nicht dieser Ansicht. Er werde sich bestreben, die Wahrheit herauszufinden, und den Idee» und Principren zu entsprechen, welche im neunzehnten Jahrhundert vorherrschen müssen! „Diese erhebenden Worte des Justizministers ragen wie Edelsteine aus dem schmuzigen Pfuhle jener bolliakschen Interpellation heraus, die einen ewigen Schandfleck in den Annalen des", rumänischen Parlaments bilden wird." Wir entnehmen der „Rumänischen Post" vom 27. Februar folgende Einzelheiten : „Wir werden seitens der israelitischen Gemeinde zu JSmail., ersucht, den wärmsten Dank derselben jenen christlichen Mitbürgern und griechischen Familien auszudrücken, welche den Israeliten während des letzten Crawalles Hilfe und Schutz haben angedeihen lassen. Unter diesen nimmt Herr Mavromatis, der dortige Biceeonsul von Griechenland, den ersten Rang ein. Wir sind gWcklich diese Beispiele von Menschen - und Nächstenliebe zu registriren. In unserer nächsten Nummer werden wir die Mttheilung der israelitischen Gemeinde im Wortlaute bringen." Man schätzt den Schaden der Israeliten an geraubtem und zerstörtem Eigenthum auf nahezu 100,000 Ducaten. Der rumänische Agent in Constantinopel, Herr Strat, hat der türkischen Regierung auf ihre Anfrage falsche Berichte abgestattet. . Aus Cahul und Ismail werden folgende Originale berichte gegeben: „Es war am 18. (30.) Januar, MKch in unserer Stadt eine auffallende Gährung. kund' gab, und von dem in Gruppen die Straßen durchziehenden Pöbel wiederholt die Drohung ausgestoßen wurde, daß man den Juden zu Leibe gehen werde. Selbstverständlich erstatteten diese sofort die Anzeige bei dem Polizeipräsecten, der jedoch die bedrohten beruhigte und alles mögliche anzuwenden versprach-, um die Ruhe aufrecht zu erhalten. Am folgenden Tage wurde die Besorgniß der jüdischen Bevölkerung größer, als die Pöbelhaufen immer zahlreicher und drohender auftraten, und als man sich abermals zum Präfecten begab, um deffen Hilfe Nachzusuchen, hatte dieser die Stadt bereits verlassen, und der anwesende Polizeidirector fertigte die Hilfe suchenden mit leeren Versprechungen ab. Während dieser Zeit wurden schon einzelne Exceffe begangen, und die Juden, um jede Provocation zu vermeiden, blieben still in ihren Häusern und besuchten selbst am Samstage die Synagoge nicht. Ein Polizeicommiffär erschien in dem Hause eines Israeliten, um von ihm Geld zu erpressen, und eben als dieser sich anschickte dem Wunsche des Commissärs zu willfahren, um sich deffen Schutz zu sichern, erschienen gegen fünfzig, theilweise mit. Gewehren und Revolvern bewaffnete Männer vor dem Haufe, in der offenbaren Absicht Gewalttaten zu verüben. Der Besitzer des Hauses jedoch, mit seinen vier Söhnen, die alle gut bewaffnet waren, beschlossen ihr Leben so theuer als möglich zu verkaufen, und die Menge, gewahrend, daß man sie mit Schüssen empfangen werde, zerstreute sich alsbald. Am Abend desselben Tages erschien wieder der Commiffär und rieth den Bewohnern desselben Hauses an, sich schleunigst zu entfernen, da der Pöbel die Absicht habe, das Haus in Brand zu stecken. Aus einem anderen Hause, in welchem geplündert werden sollte, gab ein Jude Feuer und verwundete zwei Personen, die eine leicht, die andere tödtlich, und erst hierauf schritt das Militär ein, nahm die Bedrohten .in. .die . Mitte und begleitete, sie nach der .KaseMe^.-DjeK war . jedoch der, Moment , der.an