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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-03-19 · Heft 12 (19.3.1872) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 12 (19.3.1872)
Date
1872-03-19
Page
Seite 224 (sequence 4)
Language
German
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der Männer, die am Hm gearbeitet und deren Gedanken in. ihm niedergelegt sind, selbst in . der Erkenntniß seiner Methode und-Tendenz ist bereits »wichtiges geleistet wordene Wir hegen keine Besorgniß, daß dieses -große , Gebiet nicht auch weiterhin in . gesunder- und kräftiger Weise bearbeitet werden wird. Weniger hervorzuheben sind die Arbeiten von Juden; in der jüdischen Archäologie. Nicht zu verachtende Werke sind wohl für die biblische, talmudische und im einzelnen für die mittelalterliche Archäologie erschienen; doch stehen sie. zum Theil nicht auf eigenen Füßen , zum Theil sind sie noch lange nicht umfassend und durchgreifend, genug. . Eine eigenthümliche Erfahrung -haben wir mit dem zu machen gehabt, was Wolf die Religionsphilosophie des Judenthums nennt, wir aber lieber das Lehrgebäude des Judenthums nennen möchten: Dogmatik, Ethik und Religionsphilosophie. Alles ließ voraussetzen, daß gerade dieser Zweig vorzugsweise cultivirlwerden würde. Die neue Zeit holte den Gedanken- und Lehrinhalt des Judenthums nothwendig wieder aus seinem Hintergründe hervor, und mußte ihn nach der Geistesrichtung der Zeit zum eigentlichen Lebensmittelpunct machen. Bei der vorherrschenden Tendenz, die äußere Form der Religion weniger als das innere.Wesen zu schätzen, bei den Consiicten, die zwischen dem jungen Leben und der alten Satzung unvermeidlich waren, konnte für den Bekenner des Judenthums nur - die•; Lehre desselben das geistige Hauptgewicht erhalten. Ebenso war die Durcharbeitung der letzteren unentbehrlich zu der. Eroberung der Stelle, welche das Judenthum innerhalb der welthistorischen Erscheinungen, innerhalb der Hauptmomente des Culturlebens einzunehmen hatte: Demungeachtet hat die wissenschaftlich .philosophische Bearbeitung -des Judenthums im verflossenen halben Jahrhundert nur einen geringen Raum eingenommen. Während die' oberflächliche systematische, fast nur für den Schulgebrauch bestimmte Behandlung überftrömte, haben wir nur eine allgemeine eklektische Arbeit, den unvollendeten Versuch, das Judenthum hegelianisch zu bearbeiten , und den gescheiterten Versuch, die Offenbarungslehre auf die Stufe/einer exacten Wissenschaft zuerheben, hier zu verzeichnen. Hieran reihte sich später eine Arbeit, welche die Ergebnisse der neueren wissenschaftlichen und systematischen Behandlung in Form eines Lehrgebäudes fixiren wollte; doch ' auch diese ist noch nicht vollständig erschienen. Der Umstand, daß es so gekommen ist, läßt sich-aus der allgemeinen Geistesrichtung leicht erklären. Die Abstraction steht ebenunserer - Zeit fern, 'die nur realistisch an daS historische Factum? anknüpfen will.' Deshalbnoch, zwei Ergebnisse. Zuerstdaß die Geschichte der jüdischen- Religionsphilosophie - durch - sehr - werthvolle! Arbeiten > beleuchtet wurde, daß, abgesehen von Saa'vja und Juda Halevi (Kusari), für- Gabirol, Maimonides. und - einige Philosophen von geringerer Bedeutung Epoche machendes geleistet ward;.sodann, daß einige Nebengebiete, namentlich das jüdische Recht, eine wissenschaftliche Bearbeitung erfuhren, welche sie in eminenter Weise in das Gebiet- -der wissenschaftlichen Erkenntniß - erhob, : und die frühere mechanische Codificativn zur wissenschaftlichen Systemaük umwandelte > und 'daß überhaupt die Ethik des Judenthums durch die-Einführung und Beleuchtung seiner socialen Principien umfassend und.wie neu gestaltet wurde.--Die Berührung des Judenthums Mit der modernen - Zeit hat hier- Schätze gehoben, welche der Staub der Vergangenheit bedeckt hatte , und die dem Judenthüme seine welthistorische Bedeutung - auch außerhalb der Dogmatik sichern. -' - Dies ist in Umrissen das Bild der wissenschaftlichen Bedeutung der letzten fünfzig Jahre auf dem Gebiete des Judenthums. Wir -sehen, daß hier Saat und Ernte sich eng an einander reihen, und die eine immer wieder zur anderen wird. Die Zeitist nicht ungenützt verflossen. Wenn wir bedenken, wie viele Kräfte und Arbeiten theils durch die politischen Kämpfeum unsere Gleichstellung und Gleichachtung, ' durch Polemik und Apologie, theils durch die praktische - Reform , besonders des Cultus, absorbirt worden sind, so können wir diesen Rückblick immerhin mit Befriedigung thun/ in der-Gewißheit , daß für > die Zukunft ein reges Leben geweckt worden ist, und wir von dieser die. Erfüllung und Ausfüllung dessen zu erwarten haben, was bis jetzt erst begonnen oder noch lange nicht vollendet worden ist. Lummien. j Wir haben bis jetzt die Berichte über die jüngsten gräulichen Vorfälle in Rumänien - nur der Rubrik Zeitungsnachrichten überwiesen und uns in. einem Leitartikel, darüber nicht ausgesprochen, und zwar weil alle Expectorationen über die in diesem unseligen- Lande'' endemisch gewordenen Gräuelthaten dortselbst ^nicht die - geringste Wirkung /üben,' und die .öffentliche Meinung in'-Europa längst-sestgestellt :ijfy ohne den immerwiederholtensAus-.

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