Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-03-12 · Heft 11 (12.3.1872) · p. Seite 218

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 11 (12.3.1872)
Date
1872-03-12
Page
Seite 218 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/3224737-3226852-3226864--30414-3253289
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sohn Lothar II., weshalb diese Länder den Namen Lotharmgien erhielten. 'Eejt dem Vertrag von Parsen 870 kamdiese gesammte Ländmnafse,,' also gegriffen Brabant, Hevnegau, Limburg, - Luxemburg, Mich, -Na« mur und den kleinen Theil Flanderns östlich der Scheldeals Herzogthum Lotharingien oder, wie es bald hieß, Lothringen, an Deutschland; wenn wir von einem Herzvgthume Lothringen gesprochen haben, meinten, wir na-. türlich dieses größere, nicht düs kleine heutige. (Vgl. zu dem allen auch Spruners berühmten historisch-geographischen Atlas.) Der größere ^Theil der heute belgischen. Provinzen gehörte also mit dem Herzogthume Lothringen zu Ostfranken oder Deutschland, der kleinere, Flandern mit Ausnahme weniger Bezirke , zu - Westsranken oder .Frankreich. Kann man von Belgien sprechen, wo das Land unter zwei große Reiche getheilt ist und der Hauptbestandtheil selbst zu einem .größer» Herzogthume gehört? Zm Jahre 955 iheilte allerdings Otto der Große Lothringen inzwei Herzogthümer, Oberlothringen an der Mosel und Niederlothringen an der Maas; zu dem letzter» gehörten alle niederländischen Provinzen, Köln u. f. w. Kann..man in dieser Zeit etwa von „Belgien" reden, wo immer noch ein Drittheil des jetzigen Reiches als Flandern von dem Reste getrenntdagegen Provinzen mit diesem vereinigt waren, die jetzt-nicht das mindeste mehr mit demselben zu thun haben? Herr Rahlenbeek meint, es sei ihm durchaus neu, daß Belgien zum Herzogthume (Nuter-) Lothringen gehörte. Wo regierten denn du nieyerlothringischen Herzöge Gottfried der Bärtige und Gottfried von Bouillon, der berühmte Gründer des Königreichs Jerusalem? Hatten diese llnces JLolharingiae ntcbt auch u. a. die murlern und östlichen belgischen Provinzen unter ihrer Herrschaft? Als im Jahre 1179 der Erzbischof Phllipp von Köln gegen Herzog Heinrich den-Löwen von Sachsen aufbrach, kommt er cum unill6p8is Lolharingie principibus, t>. I). gerade mit den belgischen und niederrheinischen Fürsten, die zum Herzogthume Niederlothringen gehörten. Daß sich gegen Ende des 12. Jahrhunderts Niederlothringen in die Herzogthümer Brabant, Lrmburg und Luxemburg , die Grafschaften Holland , Seeland, Geldern, Kleve, Jülich, Namur, Hennegau u. s.f., die Bislhümer .Utrecht, Lüttich u. s. w. auflöste, begründet doch wahrhaftig ebenso wenig dre Existenz eines belgischen Staates, wie der Umstand, daß im Lauft des 15. Jahrhunderts alle diese! .Landschaften nebst Flandern unter. die Herrschaft der Mächtigen Herzoge von Burgund kamen. Auch , jetzt war weder dem Namen noch der. Sache nach von einem „Belgien" die Rede; der Name war unbekannt, und auch: . der. Sache nach kann man nicht vondemselben sprechen,! wo..Burgund, Franche-Comtä, das jetzige Königreich .Holland,..Artois u. s. w. mit ihm verbunden waren: es^ war ^ben ein. ganz anderes.Mich. Es ist, als oh wir das Deutschland. Kaiser Friedrichs Ui das. mittelalterliche „Preußen" nennen wollten! Bon „Belgien" kann man .erst wieder sprechen., seitdem^nderutrechter. Union die' nördlichen, ^vorwiegend reformirten Provinzen, sich von den südlichen^atholisch und spanisch gebliebenen Mnnten^tzelche Atztern dann dftft Pe^ichnnng erhielM. ^SiePndebenso auf IÄscher Fährte," Jagt Herr Rahlenbeek, „wenn Sie in Betreff des Generalprocurators du Fief behaupten, ich hätte einen Titel für einen Personennamen genommen. Der Generalprocurator von Brabant, dui Fief,) ist leider keine Mythe. Wie Ban der Hulst, Titelmans, Biglius und andere Minister Karls V. und Philipps II. in den Niederlanden hatte er angebetet, was er schließlich verwünschte und verfolgte." Wir hätten gewünscht, Herr Rahlenbeek hätte irgend ein Dokument angeführt, welches uns die Persönlichkeit eines procureur du Fief nachwiese. Wir haben in den bedeutendsten und eingehendste« Werken. .über die betreffende Periode, in Schillers Ahfyll d.ex ,Vereinigten Niederlande, Motley's kise ot' Uie Dutch liepublic, Juste's Les Pays- Bas spus Philippe II,, Bavay's Egmont rc, nachgeschlagen, 'ohne eine Spur von hiesem HerVn' du Fief zu finde«. Jndeß hat Herr Rahlenbeek hierüber Belege, vün gut, so mache er uns mit denselben bekannt: wir hatten ja unser Bedenken nur als Bermuthung ausgesprochen) und Hallen an derselben nur als solcher, fest, „Was die Summe von fünf Millionen anbetrisft," meint Herr Rahlenbeek weiter , „welche, in den.Niederlanden zerstreute Juden für das Recht, frei in Bilvorpe wohnen zu dürfen, anbotev, so ist sie enorm, ich. gestehe es, aber keineswegs übermäßig. Ein einziger Banquier von Antwerpen hatte Karl V. mehr geliehen. Uebrigens bringen die ofstciellen Documente der Zeit die an gezeigte Summe." Daß ein Banquier, der doch damals schon wie jetzt bei dergleichen Operationen an der Spitze'.eines Konsortiums zu stehen pflegte, dem Kaiser fünf.Millionen Gulden porstreckte, kann noch nicht entscheiden dafür, paß ein paar Juden für das Recht,’ in einer. aytwerpener Vorstadt wohnen zu dürfen, fünf Millionen Gulden schenken , können. Nun war damals ein, Florm-real von Flandern gleich 6 Fr. 97 C. heutiger. Münze .(Weiss, L’Espagne depuj8 Philippe II. eto., Paris 1844, I. S. 18 ff.); va aber der Geldwerth damals ei«: wenigstens dreifacher, war, sowürdey fünf. MWoney GDen ' jetzt 105 Millionen, Franke«, entsprechen.! Überdies übergeht Herr Rahlenbeek in seiner -Erwiederung mit Stillschweigen , daß er gesagt hafte, die Juden , hätten diese Kumme als jährliche Ahgqhe Angeboten.,. Daß über diese wenigen Inden für das. besagte Recht jährlich 10.5 Millionen Francs nach heutiges Gestwerthe . geboten hätten, ist uns doch. ganz .unglaublich. , Es Mim uns mur d e r. Ausweg aus der ^Schwierigkeit,: den wir schon angedeutet, daß vielleicht' 5^ .stand, was. hüllst bedeutet, und was Herr Rahlenbeek für 5 Millionen las. - Dg Herr Rahlenbeek uns in seinem Schreiben aufforderte, über seine Linwände in unserm Platte zu.reserireu, glaubten wir dies , - wenn auch der 5^enhenz unsres BlqtteK MGegenstaH eigrMKZM ljegt,$$

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.