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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-03-12 · Heft 11 (12.3.1872) · p. Seite 210

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 11 (12.3.1872)
Date
1872-03-12
Page
Seite 210 (sequence 12)
Language
German
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Volke zu thun hat, für welches man in civilisirten Ländern gar keinen Maßstab mehr hat! Nach den verübten Gräueln hat jetzt die Bevölkerung von Ismail, wenigstens ein Theil derselben, noch die Frechheit, an das Abgeordnetenhaus eine Petition zu richten: es solle sie gegen die Juden schützen, ihre Religion wäre in Gefahr! Was hiermit beabsichtigt wird, ist klar. Man will sich mit der bis zur Verblendung gestiegenen Entrüstung des Volkes weiß brennen, und zugleich die Juden der wirklichen Theilnahme an der Kirchenschändung schuldig erklären -; man will die ganze Sachlage verdunkeln und alle zur Hülfe aufstacheln, die Judenhaß empfinden. Wie die „Rumänische Post" erfährt, will ein anderer Theil der Bewohner Ismails eine Gegenpetition erlassen. Wir wollen wünschen, daß dies geschehe. Unterdeß mehren sich in Bukarest die Erfolge der Sammlung für die Unglücklichen, und besonders hat der von den Herren David Popper und Saniel Markus geleitete Wohlthätigkeitsverein dazu beigerragen. Es sind bereits über 3000 Frcs. gesammelt worden. —-. Der bekannte Demeter Bratiano veröffentlicht im „Rumanul" einen Schimpfartikel gegen die Deutschen und die Juden, welchen er mit folgendem Schluffe krönt. Solche , Dinge wurden schon oft geschmiedet, und erwiesen sich stets als — altes Eisen. - „In jeder Stadt Rumäniens möge sich ein Verein unter dem Titel „Nationale Solidarität" bilden, welcher den Zweck haben soll, die Rumänen zu veranlassen, alle und jede Relationen' mit den Deutschen und Juden ein für allemal gänzlich a b z u b r e ch e n, ihnen nichts mehr zu verkaufen, nichts won ihnen zu kaufen, kurz so zu thun, als wenn sie gar nicht mehr vorhanden wären. Auf diese Weise würde den Deutschen und Juden der eigentliche Lebensnerv durchschnitten und sie würden sammt und sonders davon laufe n, selbst wenn man sie gewaltsam zurückha l - ten wollte. Dieser Plan, meint Herr Demeter Bratiano, sei um so praktischer, als jede, selbst nur diplomatische Intervention vollkommen vermieden und der Zweck, den nationalen Handel, die nationale Industrie zu heben, -vollkommen erreicht, die Berjudung und Germanisirung Rumäniens dadurch vermieden wird." Bukarest, 19. Febr. In der Abgeordnetenkammer interpellirte vorgestern Herr Värnali den Justizminister über „die Maßregel, die von Seiten der Justiz bezüglich des Juden getroffen worden, der in Ismail die „rumänische Religion" entheiligt habe, in Folge dessen alle Diftricte in Bessarabien in einen Zustand äußerster Erregung versetzt worden sind". Diese nach Form und Inhalt charakteristische Interpellation beantwortete der Justizminister dahin, daß die Justiz in voller Thätigkeit sei; der angeklagte Jude sei verhaftet, und um die Untersuchung verläßlicher zu machen, habe er auch einen Staatsanwalt und einen Generalstaatsanwalt dahin abgcsendet, um dieselbe zu überwachen und ausführlich zu berichten. Herr Varnali behielt es sich darauf vor, seine Interpellation nach Ankunft des Berichtes auszuführen. Wie ich eben in Erfahrung bringe, sind der Rabbiner und noch einige Jsraelüen bereits von der Untersuchungscommission freigesprochen worden, und hat dieser Umstand eine solche Aufregung hervorgebracht, daß viele Bewohner Ismails eine Adresse zur Unterschrift haben circuliren lassen, die an die Kammer abgesendet worden ist. Diese Adresse — von meist russisch und griechisch klingenden Namen unterzeichnet — lautet wie folgt: „Nichts Heiligeres gibt es für das Individuum, als die Religion , und nichts Empörenderes, als die Entheiligung derselben. Die in der ismailer Kathedrale seitens der Juden begangene That ist einzig in der Geschichte der Völker. Wir haben uns alle gefragt, was denn für eine Strafe diesen Horden gebühre, die in weniger als einem Jahrhundert sich bei uns durch Corruption eingeschlichen, das Vermögen und die Ehre der Rumänen verschachert, den Handel, die Industrie (!) und alles, was rumänisch und national war, vernichtet haben, die durch den Mißbrauch der ihnen gewährten Gastfreundschaft selbst uns insultiren und die Kirche und den Glauben an den Gott unserer Väter entheiligen! Was bürgt uns dafür, daß für diesen Frevel exemplarische Strafe geübt werden wird? Doch nirgends fanden wir Gehör! Niemand hat den Christen Genugthuung gewährt. Wir wenden uns daher an Sie, und im Namen unseres christlichen Glaubens fordern wir: 1. die Erlassung eines Strafgesetzes - gegen diesen Frevel, und

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