Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1872)
- Date
- 1872-03-12
- Page
- Seite 209 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Cahul 1× ep/1738666
- Galați 1× ep/1002400
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Jetzt wäre es an der Zeit gewesen, Maßregeln zu ergreifen; jetzt wäre es der Polizei und der Garnison ein Leichtes gewesen, dem Skandale vorzubeugen. Doch geschah aus Nachlässigkeit oder Absicht nichts, ja es wurde sogar der alte Rabbiner der Gemeinde ins Gefängniß geworfen und noch andere angesehene Kaufleute unter den Israeliten unter dem Vorwände verhaftet, daß der Dieb sie als seine Mitschuldigen bezeichnet habe. Im ersten Verhöre wollte er die That blos im Einverständnisse mit seinem Meister, dem Schneider, begangen haben, in dessen Hause sich die Sachen befinden sollten. Es wurde bei diesem Haussuchung gehalten, doch nichts vorgefunden. Nun die Häupter der jüdischen Gemeinde, verhaftet worden waren, war es ja klar, daß die ganze Gemeinde an dem Frevel theilgenommen hatte, und er mußte daher an allen Juden geahndet werden. Um 11 Uhr Nachts brach der Sturm los; durch die erbrochenen Thüren und eingeschlagenen Fenster drang die fanatische Meute in die Häuser der Juden ein, diese wurden aus ihren Lagern aufgescheucht, mißhandelt, in den Schnee und den Frost hinausgejagt, um draußen wie Wild durch die Straßen gehetzt zu werden, während in dem Innern der Häuser die schrecklichste Verheerung angerichtet wurde. Mit kurzen Unterbrechungen dauerte die Jagd eine volle Woche und zog sich über Vilcov nach Cahul hin. Erst nach einigen Tagen gelangte die Nachricht davon in die Hauptstadt, und der Premierminister brach in der Kammer die Erklärung vom Zaun, daß er „eine schlaflose Nacht gehabt habe, denn die Griechen aus Galatz haben einen schrecklichen Aufstand in Ismail gemacht." Der Herr Minister hatte sehr viel und sehr wenig damit gesagt, und doch fand sich kein einziger Deputirter, der ihn öffentlich um Aufklärung über die Affaire ersucht hätte. Bis heute ist no.ch kein Wort darüber in unseren beiden Kammern gefallen, deren Pflicht es doch wäre, der Nation ihre Empörung über die verübten Gräuelthaten auszusprechen und dieselben zu verdammen, Europa zu zeigen, daß zwischen dem meuterischen Gesindel und der rumänischen Nation keine Solidarität bestehe! Der officielle Moniteur hat noch kein einziges Communiqus gebracht; die regierungsfreundlichen Blätter schweigen die Sache todt, und nur die Organe der Opposition entstellen die Thatsachen und schüren den Fanatismus. Sämmtliche Consuln intervenirten sofort, die Regierungchat überall Truppen hingesendet, um das Weitergreifen der -Krawalle zu verhindern. Auch ist eine Commission nach Ismail abgegangen, um die Sache zu untersuchen und — vielleicht — Gerechtigkeit zu gewähren. „Vielleicht!" Denn wer weiß nicht, wie hier solche Untersuchungen geleitet werden? Der beste Wille der Regierung scheitert an dem Mangel an Autorität, an der Bestechlichkeit und Corruptwn der Subalternen." —. In Bukarest sammelte man sofort für die Unglücklichen, und hatte in kurzer Zeit mehrere Tausend Francs zusammen. Auch aus Deutschland, z. B. aus Berlin, wurden nicht unerhebliche Summen hingesandt. Bukarest, 20. Februar. Die „Rumänische Post" schreibt: „Die von der Regierung direct angeordnete Untersuchung der ismailer Affaire hatte zur ersten Folge die sofortige Freilassung des Rabbiners A. Brandes, sowie des Herrn D. Goldschläger, Vorstehers der dortigen jüdischen Gemeinde, welche beide als Mitschuldige und intellectuelle Urheber des begangenen Kir-- chendiebstahls beschuldigt waren. Jedermann, der den Charakter dieser beiden Männer kennt, wird sich über diesen Act prompter Justiz gewiß freuen. Dieselben waren drei Wochen lang in Folge der grundlosen Anschuldigung seitens des russischen Deserteurs und Diebes ihrer Freiheit beraubt, während welcher Zeit ihre Angehörigen in der Angst schwebten der Rache des Pöbels zu verfallen. Die von der Regierung dahin abgesandte Commission wird ohne Zweifel die ganze Angelegenheit gründlich untersuchen. Dies erheischt die Ehre des Landes und die Aufklärung der Bevölkerung, die dadurch zur Einsicht gelangen wird, welche Ungerechtigkeiten Schuldlose zu erleiden hatten." (Aus diesen Sätzen starrt uns nur die einzige Notiz in ihrer ganzen Furchtbarkeit entgegen, daß die gedachten Männer drei Wochen in einem scheußlichen Gefängniß zubringen mußten, während sie noch dazu über das Schicksal der Ihrigen in peinigender Ungewißheit verblieben. Wir können darin eine Promptheit der Regierung und besonders der Justiz nicht finden. Red. d. A. Z. d.J.) / Wenn die rumänische Regierung entschuldbar ist, so geht dies daraus hervor, daß sie es mit einem