Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1872)
- Date
- 1872-03-12
- Page
- Seite 208 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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päischen Zeitungen die Nachricht verbreiten, daß meine Glaubensbrüder von einer Zahl Beamte, welche die edlen und menschenfreundlichen Abfichten Ew. Majestät nicht verstehen, schwer gedrückt werden, Beamte, welche, wie man sagt, einem Apostaten der Religion seiner Väter-— gegen den Willen Ew. Majestät, deren einziger Ruhm darin besteht, allen Unterthanen, ohne Unterschied des Glaubens und der socialen Stellung, vollkommenes Glück und Gerechtigkeit zu verschaffen — das Recht geben, von allem Eigenthum bei dem Tode irgend eines ihrer Verwandten, die noch ihrer alten Religion angehören,. Besitz zu ergreifen, wodurch das größtmögliche Elend derjenigen meiner Brüder verursacht wird, welche den Tod dem Austritt aus ihrer Religion vorziehen. Alle Freunde der Humanität und Cipilisation schauen mit dem Gefühl der höchsten Angst auf das wachsame Auge des Beherrschers Persiens und verlangen zu hören, daß Ew. Majestät wie bei einer früheren Gelegenheit gnädigst die ergebene Bitte eines Israeliten empfange, welcher, indem er den Schöpfer des Weltalls, den Vater aller, anfleht, daß die ruhmreiche Regierung Ew. Majestät durch Gerechtigkeit und Gnade — die Schutzengel des Thrones Sw. Majestät — erhoben werde, um die Erlaubnis bittet, sich selbst mit dem Ausdrucke der tiefsten. Dankbarkeit zu unterzeichnen Ew. Majestät ergebenster und gehorsamster Diener Moses Montefiore. Donaufürstenthümer. Bonn, 1. März. In der Sitzung des englischen Unterhauses vom 23. Februar erkundigte sich. Goldsmid, ob die Regierung Nachrichten von Lumultuarischen Angriffen erhalten habe, welche in mehreren Städten Rumäniens auf die Juden gemacht wurden, weil ein Jude beschuldigt worden sei, ein heiliges Gefäß aus einer Kirche in Ismail gestohlen zu haben, und ob dem diesseitigen Generalconsul in Bukarest Instructionen ertheilt worden seien/ in dieser Angelegenheit' der rumänischen Regierung freundschaftliche Vorstellungen zu machen. Lord Enfield gab darauf folgende Erwiederung: In.Ismail und Cahul, einer kleinen Stadt, 40 Meilen von Galatz, sind Ruhestörungen vorgekommen und Angriffe auf die jüdische Bevölkerung gemacht worden in Folge eines Kirchenraubes , der Anfangs Januar in der Kathedrale von Ismail von einem Juden begangen worden war. Herr Generalconsul Green meldet, er habe an die rumänische Regierung appellirt, damit dieselbe die Ordnung wieder herstelle, und die königliche Regierung telegraphirte,, sobald sie von den Ruhestörungen vernommen hatte, sofort an Herrn Green, er möge alles thun, was in seiner Macht stehe, um die Juden zu schützen. Die jüngsten Berichte der verschiedenartigsten Blätter bestätigen die Nachrichten, welche die „Rumänische Post" alsbald gebracht hatte/ und wir geben zur Vervollständigung, und damit unsre Nachkommen ein' treues Bild von den grausigen Vorgängen besitzen, die selbst in unsrer Zeit in,einem Lande möglich waren, das sich, wiewohl mit Unrecht, zu den civilisirten zählt, noch Folgendes aus der „N. fr. Pr.": „Der Ursprung und der Verlauf der ganzen Äffaire zeigen deutlich, daß dabei nach einem mit höllischem Vorbedachte combinirten Plane vorgegangen wurde, und daß die Judenhetzen zu irgend einem politischen Systeme gehören, aus dessen Durchführung methodisch hingearbeitet wird. Die Affaire hat ihren entfernten Ursprung in dem Diebstahle, den ein getaufter Jude aus Rußland in der Kathedrale in Ismail beging. Dieser wahrscheinlich ad hoc gedungene Gauner, der aus der russischen Armee desertin ist und seit drei Monaten in. Ismail weilt, wo er bei einem Schneider arbeitete, hat sich in die Kathedrale eingeschlichen, dort einige Löffel und ungefähr 100 Ducaten entwendet und sich dann eiligst auf die Flucht gemacht. Verhaftet, legte der Mann sofort das Geständniß der That ab. Bald drang die Kunde zu den Ohren der Bevölkerung und erzeugte nicht wenig böses Blut; aber noch schien der Pöbel keine Veranlassung zu finden, über bloße Schimpfworte und Drohungen hinauszukommen. Da hieß es plötzlich, der Dieb habe auch den Altar verunreinigt, und unmittelbar darauf wurde das Gerücht ausgesprengt, die gestohlenen Gegenstände (unter denen sich jetzt auch ein Kreuz befand) seien an einem gewissen Orte in dem Hause des Rabbiners gefunden worden. Dies wirkte. Russen, Bulgaren und Rumänen ldie Griechen sollen diesmal wenig activenAntheil genommen haben) brachen in ein Wuthgeschrei über diesen Frevel aus, bald rottete sich der Pöbel auf den Straßen zusammen, und Verwünschungen erfüllten die Luft. ' .