Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1872)
- Date
- 1872-03-12
- Page
- Seite 207 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Verfasser, Professor der Hebräischen Sprache an der Universität zu Pisa, hat es sich zur Aufgabe/ gemacht, die neuhebräische religiöse Literatur als berechtigten Zweig der gesummten Literatur einzuordnen und einzubürgern, und» demnach mehr für nichtisraelitische Leser gearbeitet, welche ihre Zeit und Kräfte dem Studium der geschichtlichen Entwickelung des menschlichen Geistes in allen ihren Phasen widmen. Das Buch enthält eine lehrreiche Vorrede über die religiöse Poesie der spanischen Juden, worin der Verfasser sich an die Resultate von Zunz, Sachs und S. D. Luzzatto lehnt, und eine große Zahl von den durch Luzzatto veröffentlichten und erklärten religiösen Gesängen Jehuda Ha-Levi's, die Herr De Benedetti in ungebundener Sprache italienisch übersetzte. Das hebräische Original ist nicht beigedruckt. Es steht zu erwarten, daß die werthvollen Arbeiten des Verfassers, welcher die literär-geschichtlichen Resultate unserer großen und verdienten Kritiker der italienischen Gelehrtenwelt vorführt, seinen Zweck nicht verfehlen wird, da der gebildete, gelehrte Italiener für derartige Mittheilungen offenen Sinn und Empfänglichkeit zeigt. Der Corriere Jsraelitico enthält seit dem Monat November Erörterungen über die vom Rabbiner in Reggio, Herrn Joseph Lattes, angeregte Frage, ob es nicht angemessen wäre die unseres Schemoneh-Esreh-Gebetes abzuschaffen. Bereits haben viele Rabbiner sich über den Gegenstand vernehmen lassen. Man vernimmt Stimmen für und wider die Weglassung. Im Grunde scheinen die Stimmen der Rabbiner das Echo ihrer Gemeinden zu sein. Die Beistimmenden geben Gründe an, die Gegner verrücken die Frage und den Gegenstand, und stemmen sich be-, sonders auf die Ansicht, erst müßte das Studium der Religionslehre und der hebräischen Sprache wieder zu Ehren gebracht werden, bevor man sich an irgendwelche Aenderung religiöser Praxis machen dürfte. Sonderbar! Lange Unthätigkeit in dieser Beziehung haben das Nebel groß gezogen, und nun will man das Nebel beseitigen, ehe man sich an die Besserung wagt. Die Rabbinerschule in Padua ist nicht die einzige Anstalt, welche die religiöse Gleichgiltigkeit der italienischen Israeliten hat zu Grunde gehen lassen. Ein Aufruf aus Rom vom 15. Februar, von dortigen Rabbinern unterzeichnet, beklagt bitter, daß die dortige Talmud-Thora, die Kinderschulen und andere fromme Lehranstalten aus Mangel an Mitteln theilS schon geschlossen sind, theils damit bedroht erscheinen. Man kann hierbei nicht sagen, daß dieses tramige Geschick etwa nur veraltete Anstalten träfe, sondern alte und moderne zugleich. Wie sieht es da mit der Zukunft aus! Persien. London, 1. März. (Privatmitth.) Sir Moses Montefiore übersendet uns die Abschrift einer Petition, die er vor einigen Tagen an den Schah von Persien gerichtet hat und durch den englischen Gesandten in Teheran überreichen läßt. Wir lassen sie hier in wortgetreuer Uebersetzung folgen. „Seiner Majestät Nazer-eddin-Schah, dem mächtigen Beherrscher von Persien, erhabenen Ruhm und dauernden Frieden. — Möge es Ew. Majestät gefallen! Vertrauend auf die hochherzigen und edlen Grundsätze der Gerechtigkeit und Gnade, welche das Leben Ew. Majestät schmücken, wagte ich es am 22. Tage des Ramadan 1282 A. 'H. durch Charles Alison Esqu., Ihrer britischen Majestät Gesandten in Teheran, zu Füßen des Thrones Ew. Majestät eine ergebene Petition zu Gunsten meiner Glaubensgenossen, welche unter Ew. Majestät segensvoller und ruhmreicher Regierung in Persien leben, niederzulegen, und hatte das Glück von Ihrer britischen Majestät Regierung eine Mittheilung zu erhalten, dahin gehend, daß in Folge der Vorstellungen, welche der Gesandte Ihrer britischen Majestät derselben gemacht, Ew. Majestät gnädigst einen eigenhändigen Brief an den Sipehsalar geschrieben haben, in welchem Sie ihm anbefehlen, daß die Juden in Zukunft mit Gerechtigkeit und Freundlichkeit behandelt werden sollen. - Ermuthigt durch die gnädige Aufnahme, welche Ew. Majestät meiner ergebenen Bstte verliehen, erbitte ich nun Ew. Majestät Erlaubnis den Ausdruck der herzlichsten Dankbarkeit von tausenden meiner Brüder, welche in Ihrer britischen Majestät Gebieten und anderswo wohnen, verbunden mit der meinen, Ew. Majestät darzubringen und Ew. Majestät anzuflehen, auch fernerhin Ew. Majestät mächtigen Schutz den Juden in Ew. Majestät wertem Reiche zuzuwenden —- besonders im gegenwärtigen Augenblicke, wo die euro- 11