Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1872)
- Date
- 1872-03-05
- Page
- Seite 187 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Periohe bereits mehr als 2000 Petitionen, zugegangen stnh., und Demnach. kaum zu^ erwarten ist, daß die obige Petition. in Pleno zur Berathung und Beschlußfassung. gegangen werde, dem Einsender derselben den Vorschlag gemacht, sich mit der Überreichung der Petition direct, an den Herrn Cultusminister einverstanden zu erklären. Dies ist geschehen. Der Rabbiner zu Chodziesen, der, wie er selbst sich äußert, „dem Zeitgeiste Rechnung trägt/' hat seiner Gemeinde in seiner letzten Predigt die überraschende Mittheilung gemacht, daß. ansteckende Krankheiten aus dem Grunde jetzt unter den Menschen grassiren, weil wir . in einem Schaltjahr leben. Er giebt aber auch gleich das Präservativ dagegen an. Als ein wirksames Mittel gegen Krankheiten empfiehlt er Fasten. Wer zu schwach dazu ist, möchte sich einen Ersatzfaster kaufen, indem er ihm für die Pönitenz einige Groschen zahlt. Ist es nicht verdienstlich, dies es kostbare Mittel der bedrängten Menschheit mitzutheilen? Breölau,. 22. Februar. (Privatmitth.) In der gestrigen Nacht ist Herr Professor Dr. M. A. Levy plötzlich aus dem Leben geschieden. Der Trauerfall erregt die allgemeinste Theilnahme. (Auch wir fühlen uns von diesem ungeahnten Verluste schwer betroffen. Herr Dr. M. A. Levy, Religionslehrer bei der jüdischen Gemeinde in Breslau, ist den Gelehrten besonders durch seine phönicischen Arbeiten, den Lehrern durch seine pädagogischen Schriften , den Abonnenten des Instituts durch seine Abhandlungen über die jüdischen^ Münzen, im „Jahrbuche" . und durch die Bearbeitung von Munk's Palästina rühmlichst bekannt. Wir werden Näheres mittheilen. Redet.) Oesterreichisch-ungarische Monarchie. .Wien, 11. Februar. Der „Wanderer" bringt folgende Mittheilung, die wir als eine Warnung hier wiedergeben. Möchten endlich unsere Rabbiner und andere angesehene Männer es sich zum Gesetze machen, niemandem ein Zeugniß zu geben, den sie nicht ganz genau, kennen, und auch auf Unterschriften solcher nichts zu geben, die sie nicht persönlich kennen.. Dann könnten auch. solche Fälschungen nicht Vorkommen, die sich nur aus, die Gewohnheit. ■ stützen ,,.. daß die Rabbiner stets bereitwillig sind, bettelnden Subjecten Empfehlungen auszustellen. „Im ödenburger Stadthauptmannamte erschienen vor kurzem zwei Männer, Ignaz Heller und Markus Grünhut, beide aus Mährisch-Liesko in Ungarn, und baten um Bewilligung zur Sammlung milder Gaben, angeblich zum Baue einer Synagoge in der israelitischen Cultusgemeinde Apaj (Preßburger Comitat). Aus verschiedenen Verdacht erregenden Umständen wurden die beiden Genannten beanstandet, körperlich durchsucht, und auf Grund derlei ihnen gefundenen Briefschaften und Urkunden sofort festgenommen. Bei dem Verhöre gestanden dieselben offen ein, daß . sie unter fingirten Namen mit falschen Urkunden nicht zu. dem wohlthätigen Zwecke, sondern für sich selbst Gaben sammeln, daß sie dieses Geschäft schon seit längerer Zeit in verschiedenen Gegenden und Städten Ungarns, als Ofen, .Stuhlweißenburg, Kanizsa u. s. w. betteiben, und daß sie eigentlich nur Mitglieder einer weitverzweigten Falschsammlerbande seien, deren Theilnehmet sie nicht anzugeben vermöchten, jedoch als Haupt und Leiter derselben mit Bestimmtheit einen gewissen Elias Lustig bezeichneten, der sich 'gegenwärtig in Wien herumtteibt, und in dessen Solde sie selbst gegen derartige Verttagsbedingungen stehen, daß sie dem Lustig für Ueberlassung eines,'Falschsammlungsbuches monatlich den Betrag von 133 fl. abführen müssen, den gesammelten Mehrbetrag jedoch für sich behalten dürfen. Die Gauner wurden dem ödenburger königlichen Gerichtshöfe übergeben, von dem Vorfälle aber auch die wiener Polizeidirection benachrichtigt, welcher es gelang, Elias Lustig mit einem seiner Helfershelfer einzufangen, der auch bereits alles eingestanden haben soll. Lemberg, 20. Februar. (N. fr. Pr.) Das Organ der galizischen Junker, den Czas, läßt die skandalöse Affaire der aus dem allgemeinen Krankenhause ausgewiesenen und dem Tode preisgegebenen Juden offenbar nicht schlafen, es möchte sie gerne aus der Welt hinwegläugnen. Es beschwört daher die hiesigen Blätter, nicht etwa sich von der Wahrheit oder Unwahrheit der ganzen Geschichte zu überzeugen, sondern nur die Unrichtigkeit derselben darzuthun und sie zu dementiren. Es sieht beinahe aus, als würde sich das jesuitische Gewissen regen. Jenem frommen Wunsche nun kommt der Dziennik Polski mit der Versicherung entgegen, er habe leider von der Richtigkeit des ganzen Vorfalles. die zuverlässigste Gewißheit; besser sei es