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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-03-05 · Heft 10 (5.3.1872) · p. Seite 185

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 10 (5.3.1872)
Date
1872-03-05
Page
Seite 185 (sequence 7)
Language
German
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185 Eintragung dieses Kindes in das Geburtsregister untersagt, hat, während das königliche Landrathsamt es unverzüglich verlangte. Unser Religionslehrer Aschenland (?) erklärte sich nicht sofort über diesen Streitpunct, und wurde ohne weiteres als Schächter cassirt, und zwar von Herrn vr. Enoch, Rabbiner in Fulda, mit der Bemerkung, daß seine ihm untergeordneten Lehrer einen unfehlbaren Gehorsam leisten müßten. Der Mann war wie aus den Wolken gefallen, da er. gerade in dieser Angelegenheit seine Schuldigkeit gethan hatte. Die Gemeinde hatte zu seiner Beruhigung keine Notiz von dieser Enthebung genommen, und die königliche Regierung wird über diesen Streitpunct entscheiden.— Es möchte wohl an der Zeit sein, daß die Organisation der jüdischen Gemeinden im ehemaligen Kurfürstenthum Hessen einer Revision unterzogen werde. Die Abhängigkeit der einzelnen Gemeinden nach den jetzigen Einrichtungen bringt den nachhaltigsten Schaden, ohne vom geringsten Nutzen zu sein. Die Sachlage ist so offenkundig, daß es wohl Zeit wäre, einsichtsvolle Männer vereinigten sich, um die gesetzlichen Abänderungen zu erwirken. Aus Württemberg, im Februar. (Privatwitth.) Wenn jeder Beweis von Opferwilligkeit, welche deutsche Israeliten im jüngsten deutsch-französischen Kriege bekundeten, als Zeugniß dafür registrirt zu werden verdient, daß der Israelit in patriotischer Hingebung für's Vaterland keinem seiner Mitbürger nachstehe, so verdient sicher auch die aufopfernde Mühewaltung, welcher sich ein Mitglied der israelitischen Gemeinde Göppingen zum Zwecke einer ununterbrochenen und reichlichen Verpflegung der hier durchziehenden Truppen unterzog, um so mehr in der allgemeinen Zeitung des Judenthums erwähnt zu werden, als sie jetzt von zwei deutschen Fürsten ehrende Anerkennung gefunden hat. Der Fabricant Simon Raff in Göppingen entfaltete während der ganzen Dauer des jüngsten Krieges nicht nur eine unermüdliche Thätigkeit zur Beschaffung der Mittel, welche zu einer ausreichenden Speisung und Labung der hier durchziehenden Krieger überhaupt und der- Kranken und Verwundeten insbesondere erforderlich waren, sondern verbrachte auch, obgleich in einem Alter von 63 Jahren stehend, zu jeder Tages- und Nachtzeit und bei der rauhesten Witterung oft mehrere Stunden täglich auf dem Bahnhofe, um die Militärzüge zu erwarten und als Vorstand des Verpslegungscomits's der Stadt die Anordnungen zur Verabreichung von Speisen, Getränken u. s. w. zu treffen und bei derselben sich persönlich zu betheiligen. Nachdem nun in Würdigung dieser Leistungen durch. Erlaß Sr. Majestät des Königs von Würtemberg vom 28. Juni vorigen Jahres demselben der Olgaorden verliehen wurde, welchen Se. Majestät in der Absicht gegründet, um, wie es in den Statuten desselben heißt, „Handlungen freiwilliger und aufopfernder Nächstenliebe, in welchen seit dem Ausbruche des Krieges Männer und Frauen aus allen Classen der Bevölkerung zum Besten der tapferen Krieger und ihrer Angehörigen wetteiferten, öffentlich zu ehren", wurde demselben nun auch von Sr. Majestät dem Könige von Baiern, dessen Truppen bei ihrem Durchzuge auf dem Bahnhofe Göppingens stets eine eben so freundliche als ausreichende Bewirthung fanden, durch Erlaß vom 28. Januar d. I. das Verdienstkreuz für die Jahre 1870—1871 zu Theil. Das Princip der Gleichstellung der israelitischen Geistlichen des Landes mit denen' der übrigen Confessionen kam neulich auch darin zur Durchführung, daß von der königlich würtembergischen Postdirection an sämmtliche Postpe.llen des Landes nachstehende Verfügung erlassen wurde: „Da die israelitischen Geistlichen des Landes auf Anregung der israelitischen Oberkirchenbehörde zu einem theologischen Leseverein zusammengetreten sind, so haben die Rabbinate im Verkehr unter sich, beziehungsweise mit der israelitischen Oberkirchenbehörde, auch für diese Sendungen unter den für die Portofreiheit überhaupt bestehenden Voraussetzungen als „D. S." (Dienstsache» Portofreiheit anzusprechen." Als Beleg zu dem in dem Leitartikel in Nr. 7 des laufenden Jahrgangs dieser Zeitung entwickelten Gedanken, daß die israelitischen Gemeinden der Gegenwart auch für die Interessen der entferntesten. Glieder der Religionsgenossenschaft einen regen Gemeinfinn bekunden, verdient erwähnt zu werden, daß, wie der diesen Geist bethätigenden und fördernden Alliance isra^lite universelle alljährlich von der Gemeinde Göppingen reichliche Beiträge zufließen, so auch neulich die in derselben zur Linderung der Hungersnoth der Israeliten Persiens veranstaltete Collecte den Ertrag von über hundert Gulden lieferte, welche, um möglichst schnelle Hilfe zu leisten, sofort direct an Sir Moses Montestore abgesandt wurden. H.

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