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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-02-27 · Heft 9 (27.2.1872) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 9 (27.2.1872)
Date
1872-02-27
Page
Seite 176 (sequence 18)
Language
German
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176 der Häuser hin, als pL< er sich um nichts bekümmersz. und^Lie HchcAeMcheNdefi ÜN-LöWet!'lassD MPeenU'sei^ nerD schAMlBW nicht MssMinMt'eütgmA Was hatten nun diese Leiden Häuser und Vrese Leiden' Männer mit einander zu schaffen? Jener hieß der reiche Bär, der andere der arme Wolf. — Da muffen wir aber egen zweierlei protestiren: erstens daß der freundliche eser aus diesen Namen nicht irgend welchen Schluß auf ihren Charakter zu ziehen sich erlaube. Unsere Vorfahren wählten ebenso gern die Namen von Raubthieren,.. wie die Juden der Gegenwart diejenigen von Blumen' und Bäumen, ohne daß jene die Natur des wilden ungezähmtenGethiers in sich bergen, noch auch unsere heutigen Glaubensgenossen eine besondere Zärtlichkeit für die zierliche Pflanzenwelt verrathen. Bär, Wolf, Löwe, Fuchs, Adler — der „Geier" kam erst mittelbar und mehr bei den Bezeichnung - von; Gewerben und Eigenschaften zum Gebrauch waren sehr gewöhnliche Namen in der jü-' dischen.Welt.-. Der zweite Protest gilt dem Glauben, daß jene beiden Eigenschaftswörter den wirklichen Besitzstand der beiden Männer aus ewige Zeiten bezeichnen möchten. Hatte man in der Gemeinde einmal jemandem ein Eigenschaftswort vörgesetzt, so verblieb es ihm für immer, auch wenn es längst seinen wahren Sinn verlören hatte. Die beiden Männer gingen nun ihre ganz verschiedenen Wege, selbst äußerlich. Denn der reiche Bär richtete seine Schritte gewöhnlich in den vornehmsten Theil der Christenstadt hinein,- zu einem der großen, seinen und? fest verschlossenen Häuser, in welchen die vornehme Welt des kleinen Fürstenthums lebte, wäh-. rend der arme Wolf die unansehnlichen Wohnungen der kleinen Handwerker, Fischer und Arbeiter aufsuchte. Auch sah man sie niemals auf der Straße zusammen stehen, und selbst auf dem Hofe der Synagoge schritten sie. ohne Gruß an einander vorüber. Der reiche Mann bemerkte wohl aus seiner Höhe das gebückte Männlein nicht, aber der aufmerksame Beobachter gewahrte doch den Blick voll Hohn und Ingrimm, der aus den schielenden Augen des gebeugten Wolf auf den großen Mann fiel. Um es nur gleich zu sagen,, das geheimnißvolle Band zwischen den beiden Häusern und ihren Bewohnern war das Band des Hasses und der Rache, und wer weiß nicht, daß solches Band fester und unauflöslicher zusammenkettet, als das Band der Liebe! Woher das kam, wollen wir berichten,, wenn wir auch weit zurückgreifen müssen. Bär und Wolf waren , mit einander in N. eingewandert. Sie waren Alters¬ und Heimathsgenoffen, und dasselbe Verbannungsdecret zwang sie, die Vaterstadt zu verlassen, wo eine stattliche Gemeinde lange Zeit ihren ungehinderten Wohnsitz gehabt hatte, und nun wieder dem Religionshaffe, dem Vorurtheile und Neide, zum Opfer gefallen war. Sie hatten in der Kindheit, auf.derselben Schulbank geseffen' und die kindlichen. Spiele, mit einander getheilt, obschon ihre Aeltern die hohe Schranke des Reichthums und der Armuth von einander schied Es war das Schicksal, nicht aber eintzüberlegter Plan, was sie Ul gleicher Zeit nach demselLU Orte Wrtch"Denn schon. als Jünglinge' hattzr^Wnichts meWgeMn; EÄß uMchke GÄdgeschäfte, während Wolf nur ein seht bescheidener Hauflrer, „Medine-Geier" genannt, war. Ihre Eigenschaft als Fremdlinge mochte sie in N. eine Zeit lang Zusammenhalten lassen. Aber Bär trat als großer Herr auf und machte eine glänzende Partie, während Wolf in das kleine ärmliche Haus, das wir beschrieben haben, zu armen Schwie- . gerältern hinein heirathete. Von dieser Zeit an wich Bär dem Wolf geflissentlich aus. Das mochte diesen ärgern, aber der Haß kam erst später. Jahre waren vergangen, und die Fügung hatte wieder einmal beide Männer mit. einem gleichen Schicksale betroffen. Sv ist die Laune des' Geschickes, vielleicht in der Absicht, die Menschen zu belehren, daß es die, Unterschiede nicht achtet, welche sie so eifrig zwischen einander aufbauen. Der Blitze der vom Himmel fährt, kennt keine Gräben, keine Hecken und Mauern, sondern fährt in seinem Zickzack über alles hinweg und. schlägt hüben und drüben ein. Die Frauen beider Männer starben und hmterließen jedem ein Töchterchen. Hier erst kam der Unterschied wieder, auf der Gruft der Bärin erhob sich ein marmorner Grabstein, während auf der der Wölfin das hölzerne Bret verwitterte und der Regen ihren Namen verlöschte. Die beiden Männer alterten, während ihre Kinder heranwuchsen. Beide suchten sich Schwiegersöhne, aber in sehr verschiedenen Kreisen. Bär dachte nur immer. daran, den Glanz seines Hauses zu erhöhen, und wählte daher einen reichen Banquier aus der Residenz, dessen Name großen Credit im Lande besaß, zum Eidam, während Wolf sich begnügte, einen unbegüterten, aber im Geschäft sehr tüchtigen jungen Mann in sein Haus .aufzunehmen. Der Zufall wollte, daß die Hochzeit beider Paare in derselben. Woche, die eine am Dienstag, die andere am Mittwoch stattfand. Am Sabbath zogen die Leiden Ehepaare mit ihren beiderseitigen Sippen zur Synagoge. Das Gefolge Bärs war groß und reich ausgestattet;, die seidenen Gewänder rauschten und.die Edelsteine blitzten. Wie einfach kamen die wenigen Leute aus dem kleinen verfallenen Hause heraus! Jetzt gast es, wer von beiden das „Zeigen" und damit die Vertheilung. der Mizwoth beim Thoralesen erstehen würde, denn nach guter (!) alter Sitte wurden diese öffentlich versteigert. Friede und Billigkeit hätten wohl vorher eine Verständigung beider Parteien bewerkstelligen sollen, so daß beide ihre Ehrenschuld lösen konnten. Aber Friede und Billigkeit waren gewöhnlich ebenso wenig in der Synagoge wie in irgend einer . Kirche vorhanden. Vater Wolf war bei dieser Gelegenheit nicht knauserig und ging bei dieser Auction sehr lange mit, daß. man, in der Versammlung schon die Köpfe schüttelte und zusammensteckte. Im feindlichen Lager brachte diese Vermessenheit große Entrüstung hervor, und- Bater Bär verdoppelte, sein Angebot gleich von neuem, bis Wolf den Kopf hangen ließ und seinem Landsmann das Feld zu einer ungewöhn-

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