Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1872)
- Date
- 1872-02-27
- Page
- Seite 170 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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170 meine Achtung genießt. Derselbe befindet sich noch heute im Kerker und in Gefahr, bei seiner schwächlichen Constitution und in Folge der Ungewißheit über sein Schicksal, sowie in Folge der ausgestandenen Schrecknisse, sein Leben zu verlieren. Auch ist es durch Zeugen hinlänglich constatirt,' daß zu der Zeit, wo Herr Goldschläger den Silber beredet haben soll die Kirche zu bestehlen, ersterer sich an einem ganz anderen Orte befunden hat, als die Aussage Silbers lautet. Die gestohlenen Gegenstände wurden später in dem Aborte eines Hauses aufgefunden, in welchem ungefähr 40 Familien — worunter auch der Rabbiner — wohnen, welcher ebenfalls ohne weitere Verdachtsgründe eingekerkert wurde. Es hat sich auch ferner herausgestellt, daß ein Beamter der Polizeipräfectur, welcher schon zu wiederholten Malen Erpressungen bei den Israeliten gemacht hat, den größten Antheil an den großen Excessen hatte, welche vom Pöbel und in hervorragender Weise von; Russen und Bulgaren vollbracht wurden, Excesse, über deren Beschreibung wir zunächst hinweggehen." Daß die rumänischen. Zeitungen die Wahrheit zu verdunkeln suchen und die entstellendsten Berichte bringen, versteht sich bei ihrer Tendenz ganz und gar von selbst. Sicherlich werden sie dereinst den Trank selbst ausschlürfen müssen, den sie ihrer Nation bereiten. Rußland. St. Petersburg, im Jan. (Privatmitth.) Daß auch die Damen unserer hohen jüdischen Finanzwelt den materiellen und geistigen Bedürfnissen unserer ärmeren Glaubensgenossen gegenüber nicht unthütig sind, sondern vielmehr ihre liebevollste Theilnahme und Fürsorge denselben zuwenden, davon legt der jüngst hier gegründete jüdische Frauenverein, an dessen Spitze Frau Baronin Günzberg, Frau Warschawska» und andere vornehme Damen stehen, ein beredtes Zeugniß ab. Gedachter Verein verfolgt den Zweck, unbemittelte Schüler und Schülerinnen der hiesigen jüdischen Elementarlehranstalten mit jeder Art von Kleidungsstücken und Schulutensilien unentgeltlich zu versehen. Aus den bereits zur Disposition stehenden Fonds sind auch schon drei Stipendien gegründet, sowie zum Gebrauch für die Schülerinnen einige Nähmaschinen der Mädchenschule geschenkt worden. Herrn P. Vagst, dem Sohne eines Lehrers an der Rabbinerschule zu Zytomir und ehemaligem Zögling der hiesigen Hochschule, ist, von seiner mehrjährigen Studienreise ins Ausland zurückgekehrt, die Stelle eines Privatdocenten für Anatomie und Physiologie an der St. Petersburger Universität verliehen , worden. Seine Antrittsrede, vor einem zahlreichen und gewählten Publicüut gehalten, richtete sich gegen die den Naturwissenschaften und speciell der Physiologie gemachten Vorwürfe des Materialismus und wurde von dem ganzen Auditorium mit dem lebhaftesten Beifall ausgenommen. Sie findet sich ihrem ganzen Wortlaute nach in der Zeitschrift „Znanie" abgedruckt. — In einer der letzten Sitzungen der hiesigen archäologischen Gesellschaft las Herr Professor Chwolson über die auf der Halbinsel Taman in der Krim neu entdeckten altjüdischen Grabmäler, worüber auch in weiteren Kreisen Mittheilung gemacht zu werden verdient. Den interessänten Notizen des gelehrten Orientalisten zufolge finden sich auf jenen Grabmälern, im Gegensatz zu anderen alten, nur heilige Gegenstände aus dem jüdisch-religiösen Leben, als eine Menorah, Lulab, Schofar u. s. w., eingehauen, und sind die Inschriften, wodurch sie sich wieder von allen anderen unterscheiden^ nur hebräisch. Leider ergeben sich aber weder aus den Formen der Buchstaben noch aus anderen Merkmalen die Daten der in Rede stehenden Grabmäler. Warschau, im Februar. Man schreibt der „P. Z." unterm 9. Februar: Wie das nach sechsmonatlicher Suspension seit kurzem wieder erscheinende Petersburger Blatt „Nowoje Wremia" erfährt, hat die Commission für Einführung der allgemeinen Wehrpflicht die wichtige Entscheidung getroffen, daß die Juden, welche wegen ihrer höheren Bildung einen Anspruch auf Beförderung zu den Officiergraden haben, den Angehörigen des orthodoxen Glaubens und der übrigen christlichen Bekenntnisse völlig gleichgestellt werden sollen. In Odessa war — wie der „P. Z." aus Petersburg unterm 10. Februar mitgetheilt wird — vor kurzem die am vorjährigen Osterfeste angestellte Judenhetze Gegenstand einer Verhandlung vor dem dortigen Schwurgericht. Die sechs Hauptbetheiligten bei der schmachvollen Affaire wurden — fr ei gesprochen.