Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1872)
- Date
- 1872-02-27
- Page
- Seite 169 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Cahul 1× ep/1738666
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m zurückzufallen, und bekanntlich ist ein solcher, wenn er aus der Halbcultur entsteht, 'viel scheußlicher als der eines von der Cultur unberührten Volksstammes!... Doch auch wir wollen unsre Worte sparen, da sie an dieses Volk und ihre Machthaber doch nur nutzlos verschwendet wären! Vom 14. d. ist folgendes Telegramm aus Bukarest eingelaufen: „Die hier restdirenden fremdländischen Consuln haben der Regierung eine Collectivnote überreicht, worin sie dieselbe!zum Schutze der bedrängten Israeliten auffordern und gleichzeitig für die bisher getroffenen Maßregeln ihre Anerkennung aussprechen. In Galatz wurde ein Versuch zu Ruhestörungen unterdrückt/' Bonn, 19. Februar. Aus Jassy schreibt man uns vom 13. d.: Wir erhielten aus Cahul eine Depesche, der zufolge 600 Juden nur in einer Caserne Zuflucht fanden, wo sie aber weder Holz noch Brod haben und die härtesten Entbehrungen erleiden. Die „Rum. Post" vom 13. d. veröffentlicht an chrer Spitze folgende Aufforderung: Rumänen und Menschenfreunde! „Durch die Machinationen der Feinde unseres Landes, die einen Deserteur und Apostaten als Werkzeug gedungen haben, um in Ismail eine Kirche zu berauben und zu schänden, sind die Vorsteher der dortigen israelitischen Gemeinden sowohl, als auch der Rabbiner als Mitschuldige denuncirt und eingekerkert worden. Der ganze Vorgang ist unzweifelhaft deshalb in Scene gesetzt worden, um die Massen zu Plünderung und Mord aufzustacheln. Hunderte von Familien sind von Haus und Hof verjagt und den größten Leiden und Entbehrungen preisgegeben worden. Die Regierung hat zwar den Aufstand unterdrückt, aber zahlreiche Unschuldige leiden noch immer unter Nachwirkung der stattgehabten Schrecknisse, und ihre Noch und Bedrängniß erfordern schleunige Hilfe. Eine Subscription ist hier bereits eröffnet, und schon sind 200 Ducaten gezeichnet und nach dem Schauplatze .des Unglücks abgesendet worden. Dies reicht jedoch noch lange nicht hin, um das große Elend zu mildern. Im Namen wer Humanität und der Ehre des Landes fordern wir Euch auf Hilfe zu leisten und der Welt zu beweisen, daß Ihr nicht solidarisch sein wollt mit den von einzelnen verübten Gräuelthaten. Spenden können an die Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde und an die Redaction der „Rumänischen Post" zur sofortigen Weiterbeförderun nach Ismail gesandt werden. Ueber die bei der Redaction einlaufenden Beträge wird öffentlich quittirt werden. Das Hilfscomits." Die diesmaligen Ausschreitungen in Rumänien sind so bedeutend und dabei so absichtlich herbeigeführt, daß wir jede Aufklärung über den Thatbestand hier zu sammeln die Pflicht haben. Die Rum. Post vom 13. theilt Folgendes mit: Ein uns gestern zugekommenes Telegramm lautet: „Ismail 10. Februar. Die Regierung hat durch strenge Maßregeln die Ordnung hergestellt. Die Leiden der Israeliten sind groß.. Ihre Häuser und Vermögen größtentheils vernichtet. Hunderte von Familien sind obdachlos." Ein Augenzeuge schildert uns den Vorgang in folgender Weise: Ohne irgend welche vorangegangene Anzeichen verbreitete sich in Ismail am 24. plötzlich das Gerücht, daß ein Kirchenraub begangen worden sei, und sofort fiel der Verdacht auf einen gewissen Jakob Silber, einen littauischen Juden (Renegat), welcher aus der russischen Armee desertirt und vor ungefähr drei Monaten nach Ismail gekommen war, wo er bei einem Schneider arbeitete. Genannter Silber wurde denn auch sofort arretirt und in Verhör genommen, wobei er in der ersten Bestürzung angab, daß er den Diebstahl im Verein mit dem Meister, bei welchem er arbeitete, ausgeführt habe und daß die gestohlenen Objecte im Ofen des Hauses versteckt seien. Die vorgenommene Durchsuchung ergab jedoch keinerlei Resultat, und so wurde denn auf die Aussage Silbers auch der Schneider vorläufig eingezogen. Bei einem zweiten Verhör sagte Silber aus, daß er den Diebstahl auf Änrathen eines gewissen Herrn D. Goldschläger vollführt habe, welcher ihm an demselben Tage gesagt Haben sollte: „Geh in die Kirche, sticht die heiligen Geräthe und bringe sie mir, dann will ich dich zum reichsten Mann in der Welt machen, und du wirst unter den Juden als ein Heiliger gelten." Diese zweite, der ersten widersprechende Aussage, .veranlaßt auch die Arretirung des Herrn Goldschläger, trotzdem dieser,, seit 15 Jahren m Ismail.ansässig, zu den größten und achtbarsten Kaufleuten der Stadt . zählt und als gebildeter und humaner Mann Me- 9*