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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-02-27 · Heft 9 (27.2.1872) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 9 (27.2.1872)
Date
1872-02-27
Page
Seite 168 (sequence 10)
Language
German
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den Pöbel gegen sie zu fanatisiren. UeLrigens haben die dortigen Griechen keinen activen Theil an den Gewaltthätigkeiten genommen, was noch wehr für die Unwahrheit des einem Juden zugeschrieLenen Kirchendiebstahles spricht, da die Griechen wahrlich an Fanatismus und Verfolgungssucht ihren rumänischen Mitbürgern nicht nachstehen. Beweis die Scenen in Galatz. Der Krawall nahm in den Vorstädten Ismails seinen Anfang, und nur das Centrum der Stadt konnte von der kleinen Garnison und der Polizei bewacht werden, da man des großen Morastes wegen unmöglich nach den Vorstädten dringen kann. Neue Truppen sind dieser Tage dahin abgesendet worden; es wird diesen wohl gelingen, der Menschenjagd ein Ende zu machen. Es wäre wahrlich an der Zeit, daß man gegen solche entwürdigende Gräuelthaten mit Energie aufträte und die Verfolger mit nachdrücklicher Strenge bestrafte. Bis jetzt sind solche Judenhetzen mit Straflosigkeit belohnt worden." k. Die Nummer der „Rum. Post" vom 9. Februar enthält folgenden Bericht: „Zu der von uns jüngst gemeldeten Affaire in Ismail haben wir nachzutragen, daß es sich herausgestellt hat, der Kirchenraub sei von einem getauften Juden auf Anstiften mehrerer Vagabunden in der ganz bestimmten Absicht vollbracht worden, um eben eine Meuterei hervorzurufen. Das Vorhaben ist vollkommen gelungen, und es ist sehr zu beklagen, daß die dortigen Autoritäten nicht nur keine energischen Maßregeln ergriffen hatten, um dem Raubgesindel wirksam entgegen zu treten, sondern daß sie durch Arretirung gänzlich schuldloser Personen, und zwar aus der Mitte der Israeliten, gewissermaßen indirect den Fanatismus des Pöbels unterstützten. Wie wir hören, ist in Ismail selbst die Ruhe wieder hergestellt worden, dafür aber im Dorfe Vulkov, dicht bei Ismail, ein anderer Judenkrawall ausgebrochen, bei welchem der entartete Pöbel in derselben Weise wüthete wie in Ismail. Häuser wurden demolirt, die aufgegriffenen Juden in barbarischster Weise mißhandelt «und allenthalben geplündert. Ein Theil der jüdischen Bevölkerung suchte in den Kellern Schutz vor den Räubern, und brachte dort entsetzliche Stunden der Angst zu, von allen Nahrungsmitteln entblößt und jeden Augenblick das ärgste befürchtend; der andere Theil entfloh und heute soll das ganze Dorf bereits von den Juden verlassen sein. Man stelle sich das gräßliche Elend all der unglücklichen Familien vor, die bei der jetzigen rauhen Jahreszeit und in der so unwirthlichen Umgegend Ismails gezwungen sind auszuwandern, und zwar mit dem Bewußtsein, daß ihre zurückgelassene Habe verloren ist. Leider beschränkt sich der Herd der Agitation gegen die Juden nicht allein auf jenen Fleck Erde, sondern greift immer weiter und weiter, und soeben trifft die Nachricht ein, daß auch die 6876 Einwohner zählende, 6 Posten von Galatz entfernte Stadt Cahul der Schauplatz blutiger Excesse gegen die Juden gewesen ist. Auch dort hat die Canaille ihrer Raub- und Plünderungssucht Genüge geleistet und die israelitische Bevölkerung unvorbereitet überfallen. Wie wir vernehmen, sollen sich die Angegriffenen herzhaft, zur Wehr gesetzt haben, wobei zwei Israeliten getödtet, acht verwundet wurden. Kämpfend zogen sich die Israeliten in die dortige Gendarmeriecaserne zurück, die angeblich ebenfalls vom Pöbel angegriffen wurde und die Gendarmen veranlaßt haben soll,.auf den Pöbel zu feuern. Von Galatz sind bereits Truppen nach Cahul dirigirt worden. — So lauten die bis jetzt eingetroffenen Nachrichten. Wir sehen in kürzester Zeit positiveren und ausführlicheren Daten entgegen. Es wird vielfach behauptet, daß es namentlich Griechen-seien, welche die Unruhen in Scene gesetzt haben; doch widerspricht dem der Umstand, daß sich gerade in Cahul keine Griechen aufhalten; es liegt vielmehr der nicht ungegründete Verdacht vor, daß die Nähe der russischen Gränze nicht ohne Einfluß auf die Bewegungen ist. Wie dem aber auch sei, das unmenschliche und barbarische Vorgehen des Pöbels von Ismail, Vulkov und Cahul fordert die ganze Wachsamkeit und Energie der Regierung heraus." Die „Rum. Post" spricht ihre Erwartung und Hoffnung aus, daß die Regierung nicht allein weitere Excesse verhüten, sondern auch die energische Bestrafung der Missethäter eintreten lassen werde. Ganz Westeuropa hegt diese Erwartung und Hoffnung nicht! Zu viel des schuldlosen Blutes ist in Rumänien ungerächt geflossen; zu viele Mörder und Plünderer sind' unbestraft gelassen, ja bisweilen von den Gerichten freigesprochen worden , als daß man der rumänischen Regierung den Willen und die Kraft zutrauen könnte, ein angemessenes Strafgericht zu üben und durch ein warnendes Exempel das Mordgesindel zu schrecken. Rumänien ist nahe daran in den rohen Naturzustand

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