Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-02-27 · Heft 9 (27.2.1872) · p. Seite 165

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 9 (27.2.1872)
Date
1872-02-27
Page
Seite 165 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226852-3226862--30359-3253232
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

165 erst am Anfänge und voraussichtlich werden schön in den nächsten Jahren Ansprüche an unsere Casse in größerem Maße erhoben werden. Die geringen Beiträge der Lehrer allein — das ist wohl einem jeden einleuchtend — können die Casse nicht stützen,, und wir sind daher immer auf die edlen Herzen derer in Israel angewiesen, welchen der Allgütige die reichen Güter dieses Lebens verliehen hat. Mögen sie der Armen und Verlassenen eingedenk bleiben in frohen und trüben Tagen! Mögen namentlich die verehrten Gemeinden, — sei es durch feste, auf den Haushaltsetat zu übernehmende, Jahresbeiträge, sei es durch regelmäßig abzuhaltende Collecten oder auf andere ihnen passend erscheinende Weise — unserer Casse aufzuhelfen suchen! Der Segen des Allgütigen, der innige Dank der Armen und Verlassenen, und das beseligende Bewußtsein, Thränen des Kummers und des Elendes getrocknet zu haben, wird ihr reicher Lohn sein. Job 29, 12. 14. Der Vorstand der Unterstützungscasse des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Westphalen und Rheinprovinz. I. A.: S. Blumenau, Vorsitzender. Königsberg i. Pr., 12. Febr. (Privatmittheil.) Herr Rabbiner vr. Bamberg er hat hierselbst eine Sammlung für die nothleidenden Juden in Persien veranstaltet und ein erfreuliches Resultat erzielt. — Der hiesige praktische Arzt und Docent an der Universität, vr. S. Samuel, der wahrend des Krieges einem großen Militarlazareth als Stabsarzt Vorstand, hat den Kronenorden erhalten. Von vierzig aus der Provinz vorgeschlagenen Aerzten ist er der einzige gewesen , dem neben dem Generalstabsarzt und dem Oberstabsarzt diese Decoration verliehen worden ist. Aus Baiern, 5. Februar. Bekanntlich ist durch die Annahme der preußischen Militärgesetze für das Reich den jüdischen Geistlichen in einigen Landern, wo sie die Exemption von der Militärpflicht gleich den christlichen besaßen, dieselbe entzogen worden, eben weil das preußische Gesetz in seiner confessionellen Kleinlichkeit den Juden auch diese geringe Berechtigung^genömmen hat. Vom Rabbiner vr. Löwy in Fürth ist eine Petitton an den Reichstag gegangen, diese Ungleichheit wieder zu beseitigen; sie wird sicherlich Erfolg haben. (Wie könnte auch der deutsche Reichstag sich mit seinem Gesetze vom 5. Juli 1869 in so schnöden Widerspruch setzen! Redact.) Unterdeß ist auch vom Herrn Rabbiner Ehrlich in Schopfloch eine Petition um Besoldung der Rabbiner aus Staatsmitteln an die zweite bairische Kammer gelangt. Sie ist dem betreffenden Ausschuß überwiesen, d. h. wohl begraben worden. Die klerikale Majorität der Kammer würde sie geradezu verwerfen, und die liberale Minorität ist wenig geneigt, neue kirchliche Lasten aus die Schultern des Staates zu werfen. In dieser zweiten Kammer sitzen drei Juden: Frankenburger, eines der hervorragendsten Kammermitglieder, Lewi und Dr. Adler. Ein viertes Mitglied, vr. Henle, aus München, wird demnächst, weil Ersatzmann, in die Kammer kommen. In den Reichstag wurde leider aus Baiern kein Mitglied gewählt. Es ist dies namentlich in einer protestantischen Stadt (Ansbach) durch Professoren und trotz einer bedeutenden Einstimmigkeit vieler Wahlbezirke für Frankenburger hintertrieben worden, wobei die Religionseigenschaft des Candidaten vielfach als Agitationsmittel in Anwendung gekommen ist. Unsere ländliche und, wie sich in diesem Falle erwies, auch die städttsche Bevölkerung ist noch lange nicht so weit, um in dieser Beziehung auf der Höhe der Zeit zu stehen. Zu lange ist bei uns diesem Geiste reichliche Nahrung in der Gesetzgebung geboten gewesen, als daß nicht die besten Säfte des Volkes verdorben worden wären. Erhebend dagegen ist die Thätigkeit der erlanger Professoren, ihrem Heimgegangenen Collegen, unserem berühmten Glaubensgenossen, vr. Herz V'tfr, aus einer allgemeinen Geldsammlung ein Denkmal zu errichten. Ueber 7000 fl. sind dort bereits angesammelt, eine Collecte in Fürth hat an 4000 fl. ergeben, und eine mehr oder weniger größere Summe wird sich auch an andern Plätzen Herausstellen. Wollten nur die allein/ welche die ärztliche Hilfe und den ärztlichen Rath des. vr. Herz unentgeltlich genossen haben, den zehnten Theil des einem anderen Arzte zu zahlen gewesenen Honorars zum Zwecke des Denkmals spenden, fürwahr es müßte, ohne Uebertreibung sei es gesagt, eine horrende Summe' Geldes Zusammenkommen. Mit der Anstellung von Juden im S t a a t s d i e n st geht es immer noch sporadisch her. Ob sie selbst, wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.