Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1872)
- Date
- 1872-02-13
- Page
- Seite 127 (sequence 9)
- Language
- German
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127 Später schien es ihm angemessener, bei der Gemeinde ein Amt anzunehmen. Des lieben Friedens halber machte der Vorstand den Herren in der Schiffsynagoge, welche den Gottesdienst in den Gemeindebethäusern verketzerten, alle möglichen Concessionen, und nun wollen die Herren der Gemeinde Gesetze geben, und da mußte sich denn das Ehrgefühl des Vorstandes aufbäumen. Welch ein Geschrei hätte sich erhoben, wenn der Vorstand sich in die innern Angelegenheiten der Schiffsynagoge gemischt hätte; aber sie wollten aä majorem dei gloriam den Vorstand und die Gemeinde vergewaltigen. Mögen sie nun schauen, wie sie aus der Sackgasse kommen. Das Actenftück lautet: Modifikationen im Vortrage einiger Gebetstücke durch den Cantor — welche von dem Vorstande in seiner Sitzung am 28. Januar 1872 angeordnet wurden. 1. An Wochentagen, Sabbathen und Festtagen, mit Ausnahme von Rosch Ha-Schana und Jom Kippur, werden bloß die drei ersten Benedictionen der Tephitta: i-nw vom Cantor laut recitirt. 2. In dem Gebete: beginnt der Cantor die laute Recitation bei den Worten: brr. *>s nnrr ri-sw. 3. An Montagen und Donnerstagen wird das Gebet: HW ■»rtb» "n u. s. w. vom Cantor nicht recitirt. 4. Ebenso wird an Montagen und Donnerstagen das Gebet yte";> u. s. w. vom Cantor nicht recitirt. 5. Bei Verkündigung des Neumondes beginnt der Cantor sogleich mit der Ankündigungsformel des bezüglichen Monats. 6. Im -ins. (Segen der Kohanim) beginnt der Vorbeter die laute Recitation mit den Worten: 7. Am Jom Kippur wird das drwn dV- Gebet vom Cantor nicht recitirt. 8. Im Mincha-Gebete des Jom Kippur wird in der Thoravorlesung das 18. Cap. 3. Buch Mosche durch das 19. Capitel, 3. Buch Mosche , Vers 1 bis 23 inclusive, ersetzt. Der Vorstand - der israelitischen Cultusgemeinde. .: Preßbnrg, 30. Jan. Wie die Ung. jüd. Wochenschrift meldet, ist. der Protest gegen die eigenmächtige RäbLinerwahl bei dem Bürgermeister eingereicht worden, ohne daß man bei der absolutistischen Gemeindeordnung einen Erfolg davon erwartet. Es möchte also auch hierzu einer Spaltung in der Gemeinde kommen. Lemberg, im Dec. Die „Wahrheit" enthält folgendes: Im Vereine „Schomer Jisrael"*) wurde folgende Resolution beantragt: „In Anbetracht dessen, daß die polnische Sprache als Vortragssprache das Wissen in ein Sprachgewand kleidet, welches weder in nationalökonomischer noch culturhistorischer Beziehung geeignet ist den Anfordnungen der Zeit Rechnung zu tragen; in Anbetracht dessen, daß die polnische Vortragssprache unfern factischen Sprachverhältnissen nicht entspricht, das Verständniß erschwert, die Auffassung lähmt, oft ganz aufhebt, wodurch ein gründliches Studium unmöglich gemacht wird, daher die Summe der Intelligenz, als die nothwendige Vorbedingung zur Erhöhung der moralischen Kraft und des physischen Wohlstandes unsres Volkes in hohem Grade beeinträchtigt wird; in Anbetracht dessen, daß wir gemäß der Anzahl unsrer Glaubensgenossen auf Grundier garantirten Gleichberechtigung ein unbestrittenes Recht haben, unfern Kindern ein unverkümmertes Wissen zuzuführen, legt der Verein „Schomer Jisrael" gegen den Beschluß des galizischen Landtages wegen Polonisirung der noch bestehenden deutschen Lehranstalten feierlich Verwahrung ein, und beauftragt sein Comits, alle Mittel und Wege einzuschlagen, daß jenem Beschlüsse die allerhöchste Sanction nicht ertheilt werde, ferner dahin zu wirken, daß an der hiesigen Realschule Paraüelclassen mit deutschem Vortrage errichtet werden. Der Verein ermächtigt zugleich sein Comits, von diesem Proteste die hohen und höchsten Behörden in Kenntniß zu setzen Schließlich sei das Comits verbunden, von den unternommenen Schritten und ihren Resultaten den Verein in Kenntniß zu halten." Den Verlauf der diesbezüglichen Berathungen werde ich seinerzeit getreulich berichten. - Aus Galizien, im Januar. (Privatmitth.) Auch bei den Magyaren hat es sehr lange gedauert, bis sie die bürgerliche Gleichstellung der Juden zum Gesetze ,*) Nicht zu verwechseln mit „Schomre Hadath" in Ungarn , seinem Antipoden. Wact.