Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1872)
- Date
- 1872-02-13
- Page
- Seite 125 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226852-3226860--30317-3253188- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
125 Falk, sobald er diesen wichtigen Gegenstand ins Auge faßt, auch die Unbill gegen uns beseitigen. Die Herren Minister sprachen in den jüngsten Discussionen so viel von der Gerechtigkeit gegen alle, daß sie dieses Stück Unrecht aus der preußischen Welt wegzuschaffen nicht anstehen sollten. Bromberg, 28. Januar. (Privatmitth.) Unsre Communalbehörde hat ihre Humanität dadurch bewiesen, daß sie dem hiesigen Rabbiner vr. Gebhardt insofern Gleichstellung mit seinen christlichen Collegen gewährt hat, als sie denselben nach fast zwanzigjähriger Amtsbekleidung von diesem Jahre an von der Communalsteuer befreit hat. Ferner Lheile ich Ihnen mit, daß in der Stadtverordnetensitzung vom 25. d. M. der allgemein beliebte jüdische Arzt vr. Jacobh fast einstimmig zum Mitglieds des Schulvorstandes gewählt worden ist. Es ist dies der erste Fall dieser Art an unserm Orte, und die Bestätigung von Seiten der königlichen Regierung wohl sicher zu erwarten. (Nach dem in Nummer 5 mitgetheilten Rescripte des Herrn von Mühler würde.dies nicht der Fall sein; wir wollen wünschen, daß der neue Cultusminister anders entscheidet. Redact.) Samoezyn, 25. Januar. (Privatmitth.) Den 1. März d. I. begeht der erste Lehrer an der hiesigen jüdischen Elementarschule, Herr Spiewkowski, sein 25jähriges Amtsjubiläum. Als Anerkennung für seine treue und erfolgreiche Pflichterfüllung ist ihm am 18. d. M. von Seiten des Schulvorstandes unter Zuziehung des Corporationsvorstehers, Herrn Julius Seligsohn, eine jährliche Zulage von fünfzig Thalern bewilligt worden. Es ist dies um so mehr anzuerkennen, als die hiesige jüdische Gemeinde in den letzten sieben Jahren sich um 63 Seelen vermindert hat. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 27. Januar. (Privatmitth.) Wenn Sie über den Fortgang der Sammlungen für das bereits Jahrzehnte segensreich wirkende israelitische Taubstummeninstitut, wie für das in' seiner Begründung fortschreitende israelitische Blindemnstitut, in d. Bl. von Zeit zu Zeit berichten, so erreichen Sie damit zwei Zwecke, theils nämlich die Aufmerksamkeit des PuLlicums auf diese beiden bedeutenden Anstalten auch Ihrerseits rege zu erhalten, theils um den Wohlthätigkeitssinn unsrer Glaubensgenossen in Wien zu charakterisiren. Denn diese sind es doch, welche die beiden Anstalten durch ihre Gaben ausstatten , während sie für die leidenden Glaubensgenossen des ganzen Kaiserstaats bestimmt sind. Neben der rüstig fortgesetzten Sammlung für das Taubstummeninstitut bleibt auch die von Ludwig August Frankl geförderte Sammlung für das Blindeninstitut nicht zurück, und das jüngst veröffentlichte Verzeichniß schloß mit 62,795 fl. 100 Ducaten uud 25 Thlrn. baar; 22,300 fl. in Obligationen und 4605 fl. in Jahresbeiträgen. Wien, 30. Jan. (Berichtigung.) In der Statistik, welche ich Nr. 3 der a. Ztg. d. I.' veröffentlichte, soll allerdings, wie die verehrl. Redaction richtig vermuthete, die Hauptfmnme in Oestreich unter der Enns 1,990,708 sein; hingegen soll die Hauptsumme der Israeliten in Schlesien mit 6123 und nicht mit 6132 angegeben sein. G. Wolf. Wien, 31. Januar. (Privatmitth.) Es hat sich in letzter Zeit hier so manches ereignet, worüber ich gern sofort referirt hätte. Trotz des besten Willens war mir dies jedoch unmöglich. Ich will also, wenn auch mit wenigen Worten, das Versäumte nachholen. Sie meldeten bereits das Ableben des Herrn Jonas Freiherrn von Königswarter. Saget alles in allem: „er war ein Mann." In einer Zeit, wie die unsrige, wo wir gerade keinen Ueberfluß an Charakteren haben, ist ein derartiger Verlust doppelt und dreifach zu beklagen. Ich theilte nicht immer seine Anschauungen auf jüdischem Gebiete; einmal sogar machte ich ihm enischiedne Opposition; aber es thut wohl einem überzeugungstreuen Manne gegenüber zu stehn. In dem gegebenen Falle hatte ich sogar die Genugthuung, daß ich ihn von der Richtigkeit meiner Anschauung überzeugen konnte. So schmerzlich dieser Verlust aber auch ist, so tröstet es, daß rrDNT »ix In vortrefflicher Weise hat der Sohn begonnen die Wege seines Vaters zu betreten, indem er im Sinne und Geiste desselben bedeutende Stiftungen machte, die den Namen des verstorbenen Freiherrn Jonas von Königswarter verewigen werden?