Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1872)
- Date
- 1872-02-13
- Page
- Seite 124 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, l. Februar. Gestern fand zur Feier des 40-jährigen Bestehens des von Lehmann gegründeten sehr verdienstlichen „Magazins für die Literatur des Auslandes" ein Festmahl statt, Lei welchem der Jubilar auch, dadurch geehrt wurde, daß der Reichskanzler Fürst Bismarck demselben durch den Legationsrath Dr. Aegidi öffentlich den Glückwunsch abstattzn, und auch der Generalpostdirector Stephan durch den geheimen Postrath Dr. Fischen einen Glückwunschbrief vorlesen ließ. Der Professor Dr. von Holtzendorff feierte den Jubilar; ebenso Berthold Auerbach, der den Vorsitz bei der Tafel führte. - (Das „Magazin" war zuerst ein Beiblatt der preußischen Staatszeitung und erschien später selbstständig. Herr Joseph Lehmann, aus Glogau gebürtig, war seiner Religion stets sehr anhänglich. Viele Jahre hindurch war er Vorsteher der „Gesellschaft der Freunde" zu Berlin. Möge er noch recht lange die Redaction des rühmlichst bekannten Blattes führen t Redact.) ., Berlin, 1. Februar. (Privatmitth.) In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kamen in.der Etatsberathung des Cultusministeriums die Kosten des evangelischen Oberkirchenraths zur Verhandlung. Ein; Theil-des-Hauses hatte den Antrag auf den Wegstrich? dieses Postens gestellt, und zur Motivirung dieses Antrags sprach zuerst der verehrte Abgeordnete Dr. Kosch in trefflicher energischer Weise. Er sagte: „Ich habe mich bis jetzt in Sachen der christlichen Kirche persönlich des Wortes enthalten. Nach den erhebenden- Worten des Ministerpräsidenten in der gestrigen Sitzung veranlaßt wich heute das Bewußtsein, daß. seinem Grundsatz, allen Confesfionen die gleiche Gerechtigkeit angedeihen zu lassen, nicht überall Rechnung getragen worden ist, zu sprechen." Redner verliest den bekannten Erlaß des Oberkirchenrathes aus dem Februar 1871, betreffs des Uebertritts der Christen zum Judenthum, in welchem derselbe einen unwahren und unbewiesnen Vorwurf den Bekennern des Judenthums in das Gesicht schleudre, nur geeignetden Juden Haß und Verachtung zuzuziehn. Die zahlreichen dagegen erhobenen Proteste von jüdischen Gemeinden überheben Redner aber nicht, hier Verwahrung gegen einen solchen böswilligen Erlaß einzulegen, der ausgesandt sei mitten in dem glorreichen Kriege, an dem alle, Christen wie Juden, freudig Theil genommen hätten. Die Wahl eines solchen Zeitpunctes sei nur erklärbar aus blindem hierarchischem Fanatismus, Muckerthum und Obskurantismus der Behörde selbst, die Drachensaat aussäet, dienbar dazu, den Staat der Intelligenz von seiner Höhe herabzuziehn. Einer solchen geistlichen Behörde, die statt Liebe Haß, statt Eintracht Zwietracht, statt Toleranz Intoleranz säe, dürfe man nicht noch Lebensmittel gewähren; man müsse ihr den Lebensfaden abschneiden (Bravo! links). Einer weitern Erörterung bedürfen diese zutreffenden Worte nicht; sie waren ein abermaliger Protest im Angesichte der Vertreter des preußischen Volkes gegen die in dem bekannten Erlasse des Oberkirchenraths den Juden insinuirten Gefühle und Urtheile, deren wir von dieser Behörde bezüchtigt wurden, ohne irgend eine Veranlassung dazu gegeben zu haben, blos weil eine Anzahl Christen sich gedrungen gefühlt hatte, zum Judenthume überzutreten. Da übrigens der neue Cultusminister um Bewilligung des Postens ersuchte , weil er über die Sache sich zu unterrichten und schlüssig zu werden noch nicht Zeit gehabt habe, wurde , der Antrag vom Hause abgelehnt. Jedenfalls war die Demonstration des Herrn Dr. Kosch vollständig am Platze. Berlin, 6. Februar. (Privatmitth.) Mit Recht zählen Sie unter denjenigen Erwartungen, welche wix^ ohne sanguinisch zu sein, vom gegenwärtigen Cultus-- und Unterrichtsminister hegen dürfen, auch die auf, daß er endlich Professoren jüdischer Religion auch zur ordentlichen Professur gelangen lasse. Traube z. B. ist jetzt der älteste außerordentliche Professor in Preußen und ein Mann von so großen Verdiensten und europäischem Rufe, daß es geradezu eine Schmach für unser Vaterland ist, ihm seiner Religion willen die ordentliche Professur zu versagen. Ebenso wäre es wohl an der Zeit, daß auch Bernahs in Bonn, der ja schon Oberbibliothekar ist, nicht länger außerordentlicher Professor bleibe. Auch ist dies ja eine rein ministerielle Willkür, da schon das Gesetz von 1847 den Juden gestattet, ordentliche Professoren an den Universitäten zu werden (§ 2), nicht zu gedenken des Gesetzes vom 11. März 1812, das freilich in diesem Puncte durch eine Cabinetsordre modificirt worden ist. Die Universitäten, besonders auch die zu Berlin, bedürfen großer Remeduren, und es sind hier Lehrstühle in Geschichte, Jurisprudenz und modernen Sprachen längst zu besetzen. Hoffentlich wird Dr.