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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-02-06 · Heft 6 (6.2.1872) · p. Seite 117

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 6 (6.2.1872)
Date
1872-02-06
Page
Seite 117 (sequence 21)
Language
German
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117 Buchhändlers und Antiquars A.Asher fand er Gelegenheit seine Bücherkunde zu erweitern; auch der Versuch einer selbstständigen Leihbibliothek, hauptsächlich für fremde Literatur, kam mehr seinem Kopfe als seiner Casse zu statten. Bei aller Aufmunterung von verschiedenen Seiten wagte er nur schüchtern in die Reihen der Autoren einzutreten; sein umfassendes Wissen lag im Gedächtnisse, er vermißte aber schmerzlich bis an sein Ende systematische Auszeichnungen aus seiner reichhaltigen Lectüre. Ohne seinen Namen erschien 1840 bei Veit und Co. eine „Auswahl historischer Stücke aus hebräischen Schriftstellern vom 2. Jahrhundert bis in die Gegenwart, mit vocalisirtem Texte, deutscher (sehr geschmackvoller) Uebersetzung und Anmerkungen; für Theologen und Historiker, sowie zum Gebrauch in höheren jüdischen Lehranstalten"; der erste, fast einzige Versuch, die neuhebräische Prosa größeren Kreisen zugänglich zu machen. Wenn ich nicht irre, so wurde im Jahre 1865 ein Titelblatt mit seinem Namen als Geburtstagsgeschenk gedruckt. Zedners Mitwirkung an der A. von Humboldt gewidmeten, rühmlichen Ausgabe der Reisen des Benjamin von Tudela (1840—41) erkannte der Herausgeber A. Asher (Th. II, pref. p. VII) gern an. In der That war Zedner der Hauptredacteur des Textes , der kritische Rathgeber bei der englischen Uebersetzung. Durch Ashers Vermittlung wurde Zedner im Jahre 1846 von Panizzi, damals Chef des British Museum in London, an die Abtheilung der Druckwerke dieses großartigen Jnstitus berufen. Seine Aufgabe bestand im Katalogistren; seine umfassende Literaturkenntniß und peinliche Genauigkeit förderte ihn schnell zum Revisor der Arbeiten andrer. Ein specielles Feld eröffnete sich für ihn, als im Jahre 1848 durch Vermittlung Ashers die Sammlung Michael (in Hamburg), über 4000 hebräische Bände umfassend, vom British Museum erworben und damit eine breite Grundlage für künftige Erweiterung gegeben war. Nur schwer war Zedner zu bewegen, einige kleine Aufsätze in Steinschneiders bibliographischem Blatte mit seinem Namen zu unterzeichnen. Zedner fühlte wohl innerlich den Beruf, aber bestritt seine Kraft Großes zu leisten, weil er sich hohe Ziele steckte. Im Jahre 1867 erschien der „Catalogue of the Hebrew Books in the Library of the British Museum“ (891 Seiten). Die Sitte — eigentlich Unsitte — der Engländer und Franzosen verwies wiederum den Namen Zedner in einen Winkel der Vorrede (S. IV), die allein ihm nicht angehört. Dort erfahren wir, daß Zedners große und genaue Kenntniß der hebräischen und rabbinischen Literatur nicht bloß bei der Ausarbeitung des Katalogs, sondern auch bei der Erwerbung der Bücher selbst sich höchst nützlich erwiesen habe. Der Leser, der uns bisher gefolgt, dürfte sich nun von der Person Zedners das Bild eines in Büchern und Katalogszetteln vergrabenen, menschenscheuen Hagestolzen malen, den nur Männer von Fach zu würdigen verstehn. Weit gefehlt! Niemand fühlte sich in trockner Verstandesarbeit weniger befriedigt als Zedner, der mir oft genug zu erkennen gab, daß seine pflichtmäßige „Maschinen"-Arbeit den Tag hindurch nur seiner Gewissenhaftigkeit Genugthuung biete; sein Geist und sein Geschmack trieb ihn stets in andre Gebiete, sein inniges, neidloses Gemüth ließ ihn sich nach Umgang mit Menschen sehnen. In seinen freien Stunden las er mit unbemittelten Jüngern philosophische Schriften. Die Kreise, in denen er verkehrte, erfreute er durch Liebenswürdigkeit und Feinheit des Benehmens, ja durch sinnige Heiterkeit; unter langjährigen körperlichen Leiden, denen er nach wiederholten schweren Operationen schließlich erlag, war seine beste Medicin, wie er sich ausdrückte, ein freundschaftlicher Besuch. Die jüdischen Observanzen selbst so streng beobachtend, daß er im Amte den Sonnabend durch Ueberstunden in den Wochentagen ersetzte, spielte er nie den Sittenrichter und fand keinen Anstoß im Verkehr mit Männern entgegengesetzter religiöser Richtung. Das Bedürfniß nach innigerem Umgänge führte ihn vor ungefähr zwei Jahren, als Leiden ihn zwangen, mit einer kärglichen Pension seinem Amte zu entsagen, nach Berlin zurück. Aber an das Haus gefesselt, fand er nicht, was er gesucht hatte: die alten Freunde waren dahin, oder durch Berufsthätigkeit verhindert, seinem Bedürfnisse zu genügen. Auch hier bot er sein Lehrtalent den Jüngern an, wie feine segensreiche Thätigkeit in Strelitz zu seinen schönsten und freudigsten Erinnerungen gehörte. Sein dortiger Schüler und Nachfolger, Br. Daniel Sanders, der verdienstvolle deutsche Lexikograph, schreibt an den Redacteur des „Magazins für die Literatur des Auslandes": „Ich bekenne es gern und mit freudigem Stolze, daß ich hauptsächlich den trefflichen Männern (Lehfeldt und Zedner) mit die Grundlage meines Wissens und die Anregung zum Vorwärtsstreben danke." Insbesondere bezieht er diese Dankbarkeit auf Zedners Unterricht in der deutschen Sprache. „Zedner war (so schreibt er), wie dies u. a. seine Briefe zeigen, ein Meister des deutschen Stils, und ich habe es immer lebhaft bedauert, daß er, namentlich durch seine übergroße Bescheidenheit daran verhindert, sich nicht entschließen konnte oder wollte, als Schriftsteller, z. B. auf dem Gebiet der Novellifiik, aufzutreten, auf welchem er gewiß Ausgezeichnetes geleistet hätte. Ich weiß, daß u. a. auch Varnhagen von Ense ihn wiederholt, aber vergeblich, dazu aufgefordert und ermuntert hat."*) Von Zedners Leistungsfähigkeit im Deutschen zeugen einige Nachbildungen von hebräischen Makamen des Charist im Literaturblatt des „Orient", von seiner poetischen Begabung einige Gedichte zu Stahlstichen in den Samm- *) vr. Sanders war in Verkehr mit seinem verehrten Lehrer geblieben, und dieser hatte ihm noch zuletzt werthvolle Mittheilungen über die dem Orient entstammenden Ausdrücke in Sanders Fremdwörterbuch zugesendet.

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