Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1872)
- Date
- 1872-02-06
- Page
- Seite 118 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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langen (Portrairalbums) „Ehret die Frauen" und „Edelsteine und Perle" (1836—45), mit dem umgestellten Namen R. Z. Ende unterzeichnet, sowie eine Humoreske, welche die einsamen Leidensstunden im Frühling dieses — seines letzten — Jahres ausfüllte, und unS eine überraschende (feettc seines Talents enthüllt. „Ein Fragment aus dem letzten Gesänge von Reineke Fuchs" (8 S. Octavo, Asher und Co.), mit dem Datum 17. März 1871 und der Chiffre „Z." wurde einigen Freunden ohne Angabe des Verfassers zugesendet. Reineke zu Malepartus in dieser trefflich gezeichneten Satire ist — Napoleon in. Bonaparte! Vermischtes. In. deutschen wie in andern Blättern herrscht noch immer die Unsitte, hei jedem Vorkommniffe, bei welchem ein Jude mit im Spiele ist, ihn als solchen zu bezeichnen, wenn auch die Religion nicht im geringsten etwas damit zu schassen hat. So lasen wir vor einiger Zeit in einer Zeitung: „Ein Fuhrmann und ein Jude gingen nach dem Dorfe X. u. s. w." Es galt einen ganz leichgiltigen Vorgang. Aber auch die größten Tatzeslätter, die ihren Charakter sehr hoch stellen und sich als Träger der Civilisation und der modernen Rechtsprincipien geriren, thun desgleichen. So berichtet die kölnische Zeitung in diesen Tagen von Strauß, dem Director der Maskenbälle in der großen Oper zu Paris, daß er am 28. Januar als dem Jahrestage der Capitulation von Paris keinen Ball stattfinden lassen werde, und verfehlt nicht in Klammern hinzuzufügen: „Er ist ein elfaffer Israelit". Wir möchten fragen, was der „Israelit" hiermit zu schaffen habe und ob nicht, wenn einmal gesagt werden mußte, welcher Nation Strauß angehöre, die Angabe „er ist ein Elsässer" genügt hätte. Wo irgend eine religiöse Beziehung vorhanden ist, muß auch die Bezeichnung der betreffenden Religion hinzugefügt werden, und wir sind die letzten, welche die Verläugnung der Religion aus irgend einem Grunde billigen sollten. Aber die Religion in Dinge hineinzuziehen, mit welchen sie gar nichts zu thun hat, weist immer auf eine Nebenabsicht hin, noch dazu, das die Blätter bei Erwähnung einer edlen, verdienstvollen That die Bezeichnung Jude sehr häufig weglaffen. In Rom wurde jüngst eine Versammlung von Deputaten aller, bis jetzt sehr zersplitterter Freimaurerlogen Italiens abgehalten, um sie zu vereinigen. Man' erreichte diese Absicht durch Einsetzung eines „Obersten Rathes des Großen Orients von Italien". Daß eine solche Versammlung und Vereinigung der von der römischen Curie stets mit dem bittersten Hasse verfolgten Freimaurer gerade in Rom zu den eigenthümlichsten und bedeutendsten Zeichen der Zeit gehört, brauchen wir wohl kaum zu bemerken. Auch ist es die Absicht dieser Zeilen nicht, dies zu berühren, vielmehr wollen wir Folgendes bemerken. Wir haben oft genug darauf hingewiesen, wie mit Verletzung, ja Vernichtung der wahren freimaurerischen Grundsätze die preußischen Logen die Juden ausgeschlossen haben und zum Theil noch ausschließen. Jetzt haben nun — die Vergeltung bleibt nie aus — die französischen Logen sämmtliche Deutsche ausgeschlossen und zwar in der gehässigsten Weise. Wir wiffen wohl, daß, wie die Juden sich über den Ausschluß aus den preußischen Logen trösteten, auch die große deutsche Nation sich über diese Ausschließung aus den französischen Logen trösten wird. Allein den wahren Menschenfreund schmerzt es stets, wenn er den leidenschaftlichen Haß über Humanität und Recht siegen sieht, sei es auch nur zeitweise; wenn er selbst Institute, welche den Grundsatz der Menschenliebe und der Menschengleichheit an ihrer Stirn tragen und für ihr Fundament und ihr Wesen ausgeben, von nationaler oder religiöser Feindschaft in einen Schauplatz der Parteiwuth verwandelt sicht. Die neue italienische Vereinigung ließ es sich daher sofort angelegen sein, an die französischen Logen eine sehr beredte und vom lautersten Geiste beseelte Aufforderung zu richten, von jenen Beschlüssen abzusehen. Wir wurden dabei an die Berathung (wir wiffen nicht, ob sie zu einem Beschlüsse führte), in der Pariser Chewra erinnert, die deutschen Juden aus ihr auszuschließen, sowie an den bekannten alten Ausspruch: Wann werden diese fanatischen Ausbrüche in Frankreich aufhören! — - Berichtigung. Herr M. Venezianer in Berlin macht uns darauf aufmerksam, daß im ersten der „Vertraulichen Briese" in Nr. 1 der Feuilleton-Beilage d. I. es zweimal statt Ernst heißen müsse Eduard von Hartmann. Wir bitten diesen lapsus calami zu entschuldigen. Die Redaction. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld« Verantwortlicher Redacteur Dr, H. Lotze.