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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-02-06 · Heft 6 (6.2.1872) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 6 (6.2.1872)
Date
1872-02-06
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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107 als mit einemmale 70 bis 80 Juden hereinmarschirten und während des Gottesdienstes die Hüte aufbehielten. Sie hörten die Predigt mit großer Aufmerksamkeit an, und am Schluffe forderte einer von ihnen den Prediger zu einer öffentlichen Disputation heraus. Wie es heißt, wurde die Herausforderung angenommen." (Wenn diese Vereine die Absicht und die Mittel haben, durch Unterstützung arme Glaubensgenossen, welche ihre Hilflosigkeit verleiten könnte, sich in die Arme der reichlich spendenden Missionsgesellschaften zu werfen, hiervon zurückzuhallen, sowie den religiösen Unterricht zu fördern, so kann man sie nur rühmend anerkennen und ihr Gedeihen lebhaft wünschen. Was jedock Demonstrationen und Herausforderungen, wie die oben beschriebenen, wenn sie sich wirklich so verhalten, betrifft, so erscheinen sie uns durchaus nicht rathsam. Es wird dadurch den Missionären eine Wichtigkeit beigelegt, die sie in Wirklichkeit nicht besitzen, und bei öffentlichen Disputationen kommt es bekanntlich mehr auf die Suada, als auf die gründliche Beweisführung an, und ein wesentlicher Zweck wird durch sie nicht erreicht. ASir sprechen diese unsre Meinung jedoch nur mit dem Vorbehalt aus, daß wir die eigentliche Veranlassung zu obigem Vorgänge noch nicht kennen. Redact.) Italien. Rom, im December. Seit unsrer Annexion wurde das Contingent des Ghetto eben zum erstenmal ausgehoben und die Militärpflichtigen von 1850 dem Depot übergeben. Bevor sie sich von ihren Freunden und der Verwandtschaft in der Gemeinde trennten, ermahnte sie ein Rabbi, der Pflichten gegen das Vaterland eingedenk zu sein und das Beispiel der Brüder im deutschen wie im französischen Heere sich als Vorbild dienen zu lassen. Jeder erhielt dann aus der Gemeindecasse 5 Lire. Donaufürstenthümer. Bukarest, 26. Dec. Die „Rumän. Post" berichtet über einen neuen, den rumänischen Staat darum mit Schmach bedeckenden Vorgang, weil er sich innerhalb der höchsten Gerichtshöfe des Landes abspielt'. Wir entnehmen aus dem Referate des genannten Blattes Folgendes: „Die für unser Land so hochwichtige sociale Frage der Israeliten, diese Frage, die mit zwingender Nothwendigkeit, eine baldige Lösung im Sinne der Förderung unsrer staatlichen Interessen, im Sinne der Humanität, und der Gerechtigkeit erheischt, bildete kürzlich den Gegenstand eines interessanten Processes vor unserm obersten Gerichts- und Cassationshofe. — Der junge, in Jassy geborene vr. med. Leon Rosenthal hatte bei Gelegenheit der Aufstellung der Listen für die vorjährigen jaffyer Communalwahlen seine Einschreibung als Wähler in dieselben verlangt, gestützt auf den Artikel 26 unsers Communalgesetzes, worin es ausdrücklich Heißt, daß die eingebornen Israeliten welche entweder ein inländisches Gymnasium absolvirt oder im Auslande ein akademisches Diplom erworben haben rc., zur Ausübung der Civil- und Communalrechte zugelassen werden sollen. Da das permanente Comits diese berechtigte Forderung unter dem Vorwände zurückwies, daß nach Artikel 7 der Constitution die Israeliten keinerlei politische Rechte in Rumänien ausüben können, Communalrechte aber politische Rechte seien, so entschl.oß sich vr. Rosenthal, gegen dieses Vorgehen der Commune gerichtlich zu reagiren. Er vertraute die Vertretung dieser Frage dem wackern, edlen, für Menschheit und Gerechtigkeit warm fühlenden Deputaten Prof. vr. T. Livius Majorescu an. Dieser führte die Sache durch zwei Instanzen, und brachte sie schließlich vor unsertt obersten Gerichtshof, wo unsre gelehrtesten Juristen, unsre „unbeweglichen" Richter sitzen. Diese höchsten Vertreter unsrer Justiz, diese obersten Wächter der Unverletzlichkeit und genauen Beobachtung unsrer Gesetze, die nur das „Gesetz" als ihre oberste Autorität anzuerkennen haben, müssen ja der eingerissnen falschen Interpretation unsrer Verfassung, vermöge welcher die eingebornen Israeliten von ihren natürlichen Rechten bis jetzt ausgeschlossen wurden, Einhalt thun, sie müssen ja den wahren Inhalt der Gesetze, den leitenden Gedanken und den Willen des Gesetzgebers aus der ihnen anhaftenden dunkeln Hülse herausschälen, und ihnen zu ihrem Rechte verhelfen! Dies war die Annahme aller Vernünftigen, und vr. Majorescu entwickelte in fast einstündiger, tiefempfundner Rede die juridischen und philosophischen Argumente, welche gegen die Urtheile der ersten Instanzen verdammend in die Schranken 6*

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