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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-02-06 · Heft 6 (6.2.1872) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 6 (6.2.1872)
Date
1872-02-06
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 Pest hereinbrach, vielfach unter den der strengern Observanz anhängenden Juden noch heutzutage die Furcht vor einer Häupterzählung erhalten hat. Wir richteten eine zweite, endlich eine dritte Surrende, in welcher wir unsre Absicht, ein wohlthätiges Institut für Blinde zu gründen, direct aussprachen, an die Gemeinden, legten wieder Blanquette Lei und baten, uns dieselben jedenfalls, wenn auch unausgefüllt, zurückzusenden, was uns ein Zeichen sein würde, daß die betreffende Gemeinde so glücklich ist, keinen Blinden in ihrer Mitte zu haben. Endlich gelangten wir, wie der Leser sieht, nicht ohne Mühe und Kostenaufwand in den Besitz der Antworten von doch nur 215 Gemeinden. Das statistische Ergebniß derselben ist folgendes: - männl. tveibl. Blinde Böhmen zählt in 52 Gemeind. 27 45 zusamm. 72 Mähren - - 46 - 30 20 - 50 'Ungarn - - 84 - 57 57 - 114 Galizien - - 24 93 67 - 160 Oestreich - - 4 - 5 3 - 8 Steiermark - - 1 - — — ' - — Schlesien - - 3 — 2 - 2 Siebenbürgen- - 1 ' - . — - ... ' — 215 Gemeind. 212 194 zusamm. 406 Wenn wir nun in Betracht ziehen, daß nur ein Drittel der Gemeinden unsrer Bitte entgegengekommen ist, und wenn wir ferner das allgemeine statistische Verhältniß zusammenfassen, wie viele Blinde auf Sehende kommen, so ergibt sich, die jüdische Bevölkerung mit, der christlichen in Oestreich-Ungarn zusammengehalten, daß es 800 blinde Israeliten gibt, darunter an 200 der Erziehung und Bildung bedürftige Kinder, welche bis nun, einige wenige ausgenommen, keine Aufnahme in Blindeninstituten fanden. Noch ist unser Institut nicht eröffnet, wiewohl unter Dach gebracht, und bereits haben sich 20 Blinde zur Aufnahme gemeldet; selbst ein Knabe aus St. Petersburg kam, von seinem Vater begleitet, um in demselben ausgenommen zu werden. Zwei Mädchen und ein Knabe, alle drei nach Wien zuständig, sind vom Curatorium des Instituts bereits in volle Versorgung genommen und vorläufig, während sie an dem trefflich vom Director Herrn Pablasek geleiteten k. k. Blindeninstitute am Unterrichte theilnehmen dürfen, in einer achtbaren Familie untergebracht." (Wir können aus obigen Angaben nicht erkennen, auf welchem Wege Herr Frankel zu dem Resultate von 800 jüdischen Blinden in Oestreich gelangen konnte, da die Zahl der Gemeinden von keinem Belang ist, es vielmehr auf-die Zahl der Gemeindemitglieder ankommt, um das statistische Verhältniß der Blinden zu ergeben. Eine einzige große Gemeinde kann.mehr Blinde zählen, als 100 kleine zusammen genommen. Den Wunsch, daß Herr Frankel in der weitern Ausführung des Blindeninstituts immerfort wachsende Unterstützung finden möge, sprechen auch wir unsrerseits lebhaft aus. Redact.) Prag, Mitte Januar. (Privatmitth.) Obschon es nur wenige jüdische Gemeinden geben dürfte, in welchen, so viel gepredigt wird wie hier, und obschon es keine Zeit im ganzen Jahre gibt, von welcher man bezüglich unsrer Gemeinde behaupten könnte: „das Wort Gottes war selten in jenen Tagen", hat doch die Fluth von Predigten, welche in dem eben abgelaufnen Monat Tebeth sich über uns ergossen, viel von sich reden gemacht. So viel mir bekannt geworden ist, sind in demselben nicht weniger als zwanzig Predigten hier gehalten worden. Leider aber waren die Reden am Ende des Monats ganz entgegengesetzter Art im Vergleich mit denen am Beginne desselben; denn während diese Festreden waren, welche im Vereine „Chanuka" und im Fortbildungsvereine bei Gelegenheit der von denselben veranstalteten Kleidervertheilung an arme Kinder abgehalten wurden, waren jene Trauerreden über den unlängst verstorbenen gelehrten Rabbiner von Herschman-Mieftetz, Herrn Juda Löw Borges, der sehr viele wissenschaftliche Aufsätze im Maggid veröffentlichte, und über den als talmudische Capacität bekannten Oberrabbiner von Preßburg, Herrn Samuel Wolf Schreiber. Die Orgelfrage hat endlich ihre Lösung gefunden. Herr Professor Kämpf hat nämlich in seinem Gutachten, wie nicht anders zu erwarten war, erklärt, daß dem Orgelspiel an Sabbath und Feiertagen kein religiöses Verbot entgegenftehe, und er nur aus Opportunitätsgründen bisher davon abgerathen habe, worauf der Tempelvorstand den Beschluß faßte, den von den Tempelmitgliedern kundgegebenen Wunsch zu erfüllen und die Orgelbegleitung auch beim Sabbath- und Festtagsgottesdienste einzuführen.. Da der Cantor des Tempels bereits die Weisung , erhalten hatte, , die hierzu

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