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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-02-06 · Heft 6 (6.2.1872) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 6 (6.2.1872)
Date
1872-02-06
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 Seminars enthält besonders Mittherlnngen über die Feier des 70. Geburtstags Frankels am 8. October vor. I. Das Seminar hat jetzt 41 Hörer, von denen 3 Hospitanten sind. Man bemerkt aus der Liste mit Vergnügen, daß sich doch wieder einige, wenn auch immer noch wenige Zöglinge aus Deutschland, namentlich aber auch aus Schlesien, eingefunden haben. Im Ganzen sind nur mäßige Spenden zu Stipendien eingelaufen, und gerade hierauf wäre das Publicum am meisten aufmerksam zu machen. Ocsterreichischungarische Monarchie. Wien, 15. Januar. Die hiesigen Blätter enthalten folgende Notiz: Anläßlich des von uns seinerzeit (Nr. 1. d. I.) mitgetheilten Vorfalls, daß an der Leiche eines Kindes die Circumcision unbefugterweise vorgenommen wurde, ist von dem israelitischen Cultusvorstande eine strenge Untersuchung eingeleitet worden. Das dritte Vexzeichniß der Spenden für das israelitische Taubstummeninstitut in Wien zeigt bereits die Summe von 26,504 fl. Hierunter befindet sich der „Reinertrag der am 25. December im Karltheater veranstalteten Vorstellung mit 5384 fl/' — Die klerikal-feudale Partei kann es nicht verwinden, daß sie durch das Ministerium Auersperg eine vollständige Niederlage erlitten hat, und aus der schon erträumten Wiedererlangung der Herrschaft nichts geworden ist. Sie klammert sich an den Umstand, daß zwei ehemalige Juden im Ministerium find, und ihre Polemik in ihrem Hauptorgane „das Vaterland" (luous a non lucendo) ist zu charakteristisch, als daß wir eine Stelle, so albern sie auch ist, hier nicht anführen sollten. „Dr. Glaser und sein Freund Unger, geborne Juden, arbeiten wacker darauf los, daß dem Ministerium Auersperg der freisinnige Ruhm zu Theil werde, die Kirchengüter confiscirt zu haben; ja, es heißt, Minister Glaser -sei wieder mit Benutzung der konfessionslosen Gesetze in's Judenthum zurückgetreten, um uns diese nette Bescherung zu bereiten. Also am Ende ist es doch keine leere Sage, daß die europäische Judenligue, welche einer vollkommnen Verschwörung gegen alle europäischen Völker gleichkommt, unlängst an die Flüssigmachung eines Kapitals von vielen Millionen gegangen äst, -um einen großen Theil desGrvßgrundbesitzes im östreichischen Kaiserstaat in „koschere" Hände zu bringen? Das ist ja eine recht allerliebste Spekulation! Unsre östreichischen Bahnen haben die Juden zum größten Theile in der Hand, unsre privilegirten Banken sind ebenfalls ihr Territorium. Was bleibt also übrig, als daß sie uns noch den letzten Rest unsers Vermögens nehmen, und daß der Reichsrath beschließe, daß wir Unglückliche in den Staub der Leibeigenschaft „dem auserwählten Volke Gottes" gegenüber versetzt würden. Gott der Gerechte, wird das ein Vergnügen sein, wenn die jüdischen Freiherrn und Barone uns öffentlich auspeitschen lassen! Ich begreife nur eines nicht, warum nämlich noch kein Gesetz in Vorschlag gebracht worden ist, daß in den Reichsrath fortan nur ein „freier" Staatsbürger gewählt werde, der sich ausweisen kann, daß er von „reiner" jüdischer Abkunft und bis Dato Erzjude ist. Was haben die Gojim in einer so noblen Körperschaft zu thun? Eben so finde ich es höchst unstatthaft, daß man die durch die so zahlreiche Anwesenheit vonVollblutjuden längst „geheiligte" Stadt Wien noch immer nicht „Neujerusalem" getauft hat." Wien, 21. Jan. Die „N. fr. Pr." enthält einen kurzen Aufsatz des Herrn B.A. Frankel über „Blindenstatistik im östreichisch - ungarischen Kaiserstaate bezüglich der Juden," welcher mehrfach interessante Puncte enthält, so daß die Hauptstellen hier einen Platz finden mögen. Herr Frankel, der bekanntlich ein jüdisches Blindeninstitut in Wien gegründet hat, foimte aus den betreffenden Ministerien über die Zahl der jüdischen Blinden nichts erfahren. Er fährt fort: „Wir schrieben an alle jüdischen Gemeinden des östreichisch-ungarischen Kaiserstaats mit der Bitte, beigelegte Blanquette nach den vorgezeichneten Rubriken ausgefüllt an uns zurückzusenden. In unbegreiflicher Gleichgiltigkeit antwortete nicht eine dieser Gemeinden — wir schrieben nahezu an 1000 — vielleicht aus Besorgniß (wir hatten vorerst nur den wissenschaftlich statistischen Zweck hervorgehoben), -daß ihnen irgend ein, wir wüßten freilich nicht welcher, Nachtheil daraus erwachsen könnte. Vielleicht auch mochte manche Gemeinde von der Scheu beherrscht sein, überhaupt eine Zählung.vorzunehmen, da sich, seitdem König David, freilich um sich mit der großen Zahl seines Volkes eitel rühmen zu können, die Zählung des Volkes vornahm und über-solchen Frevel die

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