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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-01-30 · Heft 5 (30.1.1872) · p. Seite 86

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 5 (30.1.1872)
Date
1872-01-30
Page
Seite 86 (sequence 10)
Language
German
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unserer Einrichtungen, ja sogar einen Theil unserer Liturgie, demgemäß umzugestalten. Die Thatsache, daß zahlreiche Gruppen unserer Glaubensgenossen der religiösen Gemeinschaft sich immer mehr entfremden, möge den hyperconservativen Glaubenseifrern den Beweis liefern, welche Gefahr dem gemeinsamen Ganzen droht." Redner mahnt, um weitern Spaltungen vorzubeugen, zu einer den Verhältnissen entsprechenden Reform zunächst auf dem Gebiete der Liturgie; er mahnt zum Aufrechthalten der Einheit der großen Cultusgemeinde Wien, die so Wohlthätiges bereits geschaffen hat, und die durch weitere Thaten ein leuchtendes Beispiel zu geben berufen ist. „Die Einheit," sagt der'Redner, „gibt Ansehen und Würde nach außen, die Zersplitterung führt zur Ohnmacht." Redner hält es für seine Pflicht, in einem Momente, in welchem die wiener Cultusgemeinde einen so großen Act der Autonomie durch die uneingeschränkte Wahl ihres Vorstandes auszuüben in der Lage ist, auf die Wohlthaten hinzuweisen, welche die Verfassung dem freien Gewissen gewährt, sowie auf die Rechte, welche die jüdische Glaubensgenossenschaft ihr dankt. Er schildert den Umschwung, welcher in Oestreich auf dem Gebiete der bürgerlichen und religiösen Freiheit durch die Verfassung herbeigeführt worden ist, und schließt mit dem Rufe: „Hoch die Verfassung! Hoch Oestreich!" — Die Versammlung und die auf der Galerie Anwesenden stimmten in der lebhaftesten Weise in diesen Ruf ein. — Es wurde hierauf Herr Jacques Brandeis zum Vicepräsidenten gewählt. Nachdem die weitere statutenmäßige Wahl der Obmänner vollzogen war, brachte der Gemeindesecretär Dr. L. A. Frankl die weitern Schenkungen des Baron Moritz Königs - Wärter zur Verlesung, welche bekanntlich für die Cultusgemeinde speciell 100,000 Gulden betragen. Nach Verlesung des Stiftungsbriefs wurde auf Antrag des Gemeinderaths W. Frankl beschlossen, daß eine Deputation dem Spender den Dank der Gemeinde ausdrücke. Wien, 5. Januar. Moritz Freiherr von Königswarter hat in Ausführung der ihm bekannten Absichten seines verstorbenen Vaters, Jonas Freiherrn von Königswarter, zu dessen ewigem Andenken folgende Stiftungen errichtet: Zu Händen des Herrn Bürgermeisters Dr. Felder 100,000 fl. Papierrente. Den gleichen Betrag von 100,000 fl. Papierrente erhielt der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien, und zwar 10,000 fl. zur Begründung von Stipendien für Hörer der jüdischen Theologie, die in Wien die philosophische Facultät besuchen; 20,000 fl. zum Pensionsfonds der Gemeindebeamten, 10,000 fl. für den israelitischen Waisenverein, 10,000 fl. derReconvalescentencasse des israelitischen Krankenhauses, 10,000 fl. der israelitischen Speiseanstalt, 5000 fl. der israelitischen Armenanstalt, 5000 fl. dem israelitischen Frauenverein, 5000 fl. dem israelitischen Handwerkerverein, 3000 fl. der israelitischen Kinderbewahranstalt, 3000 fl. dem israelitischen Mädchenunterstützungsverein, 2000 fl. der frommen Bruderschaft, 2000 fl. dem israelitischen Studentenunterstützungsverein, 2000 fl. dem Theresienkreuzerverein, 2000 fl. der Talmud- Thoraschule, 1000 fl. der Prediger-Mannheimerstiftung. Außerdem erhält der Wiener Schriftstellerverein „Concordia" 5000 fl. in Papierrente, die Schillerstiftung in Wien 2000 fl., der Börsenunterstützungsverein 5000 fl., der Centtalkrippenverein 1000 fl., der Frauenerwerbverein 2000 fl., der Ashlverein 3000 fl., der Börsegalopinsverein 2000 fl. In Summa 220,000 fl. Papierrente. Nebstbei ist eine ansehnliche Anzahl von Privatlegaten bereits erledigt. Ausständig sind noch, aber endgiltig festgesetzt, ein Legat von 50,000 fl. für eine größere öffentliche Stiftung, ferner milde Spenden für Frankfurt am Main, die Geburtsstadt des Verstorbenen, für Karlsbad und noch andere auswärtige wohlthätige Vereine. Zu der schon besprochenen Sammlung für das israelitische Taubstummeninstitut in Wien ist bereits ein zweites Verzeichniß von Spenden veröffentlicht worden, so daß sich die Summe zusammen auf 19,850 fl. beläuft. Preßburg, 12. Januar. (Privatmitth.) Das Leichenbegängniß des Oberrabbiners Wolf Schreiber fand mit großer Feierlichkeit statt. Neun Reden wurden an seinem Sarge gehalten, und an 8000 Menschen wohnten der Beerdigung bei. Die jüdischen Kaufleute hatten selbstverständlich ihre Gewölbe geschlossen. Mehrere Gemeinden, wie Wien und Prag, gaben durch Telegramme ihre Theilnahme kund. — Im Auslande hat das Verfahren des Cultusministers Pauler, welcher die Zwiespältigkeit oder besser Drei¬ oder Vielspaltigkeit der ungarischen Judengemeinden sanctionirt hat und in officiellen Verkehr mit den einen wie mit den andern getreten istgroßes Auf-

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