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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-01-30 · Heft 5 (30.1.1872) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 5 (30.1.1872)
Date
1872-01-30
Page
Seite 84 (sequence 8)
Language
German
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84 Unterrichtsgebiete zu völligem Stillstände verurtheilt hat. Würde der, bis jetzt noch nicht bekannte -Nachfolger ' Mühlers dieselben Wege gehen, so würde Vas Resultat' dasselbe sein, und das kann man nicht wollend Mehr öder weniger wird daher ein andrer Geist in diesem Ministerium herrschen müssen, und vielleicht ist es ein solcher, der auch zur Lösung der jüdischen Schulfragen einige Geneigtheit witbringt. Wir sagen „vielleicht", denn schon der weise Salomo warnt vor zu großer Hoffnung, die man auf einen Nachfolger im Amte setze. Vielleicht schwindet dann auch der kleinliche Geist des confessionellen Formalismus, der das folgende Rescript des Herrn von Mühler, welches in dem eben erschienenen Januarhefte des „Centralblatts für die gesammte Uttterrichrsverwaltung in Preußen" abgedrückt ist, dictirt hat. Denn nicht der eigentliche Confessiönalismus, sondern ein bloßer' Formalismus spricht sich darin aus. Es lautet : 19) Unzulässigkeit der Wahl von Juden in den Vorstand einer christlichen Schule. Berlin, den 21. November 1871. In dem Bericht vom 6. Mai d. I. geht die königliche Regierung mit Recht davon aus, daß die Verfügung vom 26. Januar d. I. — Centralblatt Seite 76 — wonach in Folge des Gesetzes vom 3. Juli 1869 — Bundesgesetzblatt Seite 292 — der Wahl eines Juden zum Mitglieds einer städtischen Schuldeputation um seines religiösen Bekenntnisses willen die Bestätigung nicht versagt werden kann, auf die Wahl zum Mitgliede des Vorstandes einer christlichen Schule keine Anwendung findet. Denn beide Fälle sind in ihren Voraussetzungen wesentlich von einander verschieden. Eine städtische Schuldeputation hat sämmtliche Schulen der Stadt zu respiciren. Ihr liegt die Sorge auch dafür ob, daß das Schulbedürfniß für die Kinder der der Stadt angehörigen Juden befriedigt werde. Um dieser umfassenderen Aufgabe der Schuldeputation willen hat die Zulassung von. Juden zu ihren Geschäften selbst dann, wenn in der betreffenden Stadt eigene jüdische Schulen nicht bestehen, kein principielles Bedenken. Anders dagegen verhält es sich mit dem Vorstande einer einzelnen Schule. Dieser hat mit der Befriedigung des Schulbedürfnisses für eine bestimmte Classe von Staatsangehörigen gar nichts zu thun. Seine Aufgabe erschöpft sich in der Sorge für die ihm anvertraüte bestimmte Schule. Ist diese eine christliche, so -hat ein Jude auch in ihrem Vorstande keine Stelle. — . rc. r-" : - re.- - - — '; Der Minister der-geistlichen rc. Angelegenheiten. von Mühler. - ' ■ - An die königliche Regierung zu N. 17. 11764. - - Aus Baden, im Jan. (Privatm.) Ist es möglich, daß in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch so gesprochen wird, wie man es jetzt von ultramontaner Seite zu hören bekommt, noch solche Dinge offen vorgetragen werden, wie sie mit allem Ernst und Nachdruck den Gläubigen eingeschärft werden? So möchte man'sich gegenwärtig öfters fragen, um die Ursachen zu verstehen, welche die Anhänger Roms bestimmen , -■ mit solcher Offenheit und Unumwundenheit ihre - innersten Gedanken: unzweideutig darzulegen: Denn man wundert sich weniger darüber, daß jene so sprechen, sondern daß sie noch immer eine große Menge finden, zu welcher sie sprechen-und von der sie also voraussetzen können, daß sie für ihre Ansichten empfänglich ist. .Denn es ist nicht zu verkennen, daß augenblicklich in der Schlachtreihe der Ultramontanen: - eine gewisse Ruhe, eine Art Waffenstillstand eingetreten ist; in dem man die Dinge wehr sich selbst überläßt, als noch vor kurzem. Wahrscheinlich hat man sich überzeugt, daß man den Bogen zu straff angezogen hat und er zu-reißen droht- Die Hand, die sich gegen ihre Angriffe zur Abwehr erhob, war zu stark, und man bläst daher vorläufig zum Rückzug. Man will es mit der Milde versuchen. Daraus könnte aber für jede der beiden streitenden Parteien eine eigene Gefahr entspringen, für die ultramontane die, daß ein Theil ihrer Anhänger sich an die Grundsätze des modernen Staates dermaßen gewöhnt, daß sie den Widerstand dagegen nicht mehr erheben oder unterstützen würde; für die liberale die, daß-sie,'wie es schon oft geschehen ist, sich durch den Schein des Friedens täuschen läßt und die Waffen niederlegt, d. h. die angestrengten Bemühungen um die ächte Bildung des Volkes weniger fortsetzt, bis sie von einem neuen Angriff ihrer Gegner, überrascht wird. Jener Gefahr suchen die Ultramontanen schon jetzt zu begegnen. .Vor kurzem erging nämlich von Rom eine Weisung nach Freiburg an die katholische Geistlichkeit zur Berücksichtigung;

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