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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-01-30 · Heft 5 (30.1.1872) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 5 (30.1.1872)
Date
1872-01-30
Page
Seite 82 (sequence 6)
Language
German
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allgemeinen ist das Werk nicht; der Verfasser , der im wesentlichen den Commentaren des Alschich, Ralbag u. a. folgt, hält den König Salomo für den Verfasser der ganzen Spruchsammlung, citirt 25, 1 nur einfach die Meinungen seiner Vorgänger über diese Autorschaft, die er dann 30, 1 und 31, 1 zu der seinigen macht. In der Worterklärung bekundet sich jedoch häufig ein glücklicher Wurf, wie zu 1, 10 und 31, 3, während der Verfaffer in 1, 11 über das Ziel hinauszuschießen scheint. Bor allem aber geht durch das Werk ein, man möchte sagen, philosophischer Geist, der über den ganzen Spruchschatz einen Hauch der Integrität webt und in bedrängtem Leben gleichsam als Talisman zur Aufrichtung und Erhebung erscheint. Nachdem das Manuscript unter dem Rost der Zeit in Vergessenheit gerathen war, hat Herr Joseph Asobib zu Algier, ein später Enkel des Verfassers, dasselbe, mit einem gelehrten (zweiten) Vorwort begleitet, zu Livorno in Druck erscheinen lasten und zur unentgeltlichen Verbreitung bestimmt — eine edle Erfüllung eines heiligen Vermächtnistes. Dr. T. C. Zeitungsnachrichten. D eutschland. Berlin, 21. Januar. (Privatmitth.) Durch die Regierung Friedrich Wilhelms IV. war Preußen im Militär- und im Cultus - und Unterrichtswesen in Rückschritt gerathen. Aus dem militärischen Verfall brachte der jetzt regierende König die preußische Wehrkraft, und zwar gegen den Willen der Majorität der Volksvertretung, heraus. Jetzt gilt es, und zwar durch den Einfluß der Volksvertretung, Preußen auch aus dem Verfall des kirchlichen und Unterrichtswesens wieder in die Höhe zu bringen, und auch diese Wirkung der vorangegangenen Regierung verschwinden zu machen. Den Wendepunct hierzu giebt die Entlassung des Herrn von Mühler. Zwar sucht man ihr von gewisser Seite her nur den Schein eines Personenwechsels zu geben und die Veranlassung in einem persönlichen Unwillen zu finden. Aber beides ist nur scheinbar, und ein Nachfolger Möhlers, der demselben Systeme huldigte, würde nach kurzer Zeit ganzdieselben Schwierigkeiten, ganz denselben Widerspruch finden, an welchen Mühler endlich gescheitert ist. Wir können daher jedenfalls auf diesem Gebiete einer bessern Zukunft entgegen- 82 sehn. — In Nr. 12, 13 und 14 der „Volkszeitung" wird in drei Leitartikeln „die Religionsstatistik" besprochen. Es wird darin manches sehr Richtige ausgesprochen , aber wie gewöhnlich in dem genannten Blatte, um etwas Besonderes zu sagen, über das Ziel hinausgeschossen. Der Verfasser der gedachten Artikel donnert nämlich gegen alle Statistik der Religionen, d. h. gegen die statistischen Angaben über die Confessionen. Und warum? Weil bisher aus diesen statistischen Angaben nach seiner Ansicht falsche Schlüsse gezogen worden seien. Das nennt man: das Kind mit dem Bade ausschütten. Weil die Medicamente öfters in schädlicher Weise angewendet werden, soll keine Medicin mehr gegeben werden! Zunächst wird mit Recht nachgewiesen, daß an der geringern Zahl katholischer Beamten in Preußen nicht die Intoleranz der Staatsbehörden, wie jüngst von katholischer Seite behauptet wurde, Schuld ist, sondern, wie die Statistik kundgiebt, die geringere Zahl der katholischen Jünglinge, welche sich dem Beamtenstande widmen, wobei die größere Menge von Capacität, welche die katholische Kirche in Anspruch nimmt, mitwirke. Ueberhaupt liege es in der größern Unfreiheit, welche die katholische Kirche der geistigen Entwicklung entgegenstelle, daß in der Wissenschaft wie Literatur Deutschlands der Protestantismus eine bedeutend höhere Zahl von Capacitäten liefere, als der Katholicismus. Es entscheide also hier nicht die bloße Zahl, sondern die innere Beschaffenheit, wie auch die verschiedne sociale Lage beider Religionsgenossenschaften in den verschiednen Provinzen. Wer diese beiden ersten Leitartikel liest, wird dem Verfasser sofort entgegnen, er habe richtig einen falschen Schluß aus den statistischen Angaben widerlegt, aber es sei ihm dies wieder nur durch statistische Angaben möglich gewesen. Es komme daher nur darauf an, die statistischen Angaben in richtiger Weise zu benutzen. Dies wird aber nicht blos in der Statistik der Confessionen, sondern in allen Zweigen dieser jungen Wissenschaft der Fall sein. Der Verfasser versucht aber in seinem dritten Artikel die Verkehrtheit der „Religionsstatistik" noch an einem andern Beispiele zu zeigen. Er führt an, daß bei den Juden die Zahl der Gymnasiasten sechsmal größer sei als bei den Protestanten und neunmal größer als bei den Katholiken. Daß nun jemand hieraus einen größern Bildungstrieb bei den Juden voraussetzen möge, setzt den Verfaffer in großen Zorn. Er behauptet vielmehr, daß die

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