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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-01-30 · Heft 5 (30.1.1872) · p. Seite 81

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 5 (30.1.1872)
Date
1872-01-30
Page
Seite 81 (sequence 5)
Language
German
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81 den wesentlichen Theilen desselben. Es könnte sich daher höchstens eine geringe Anzahl Juden aus derGesammtheit herauslösen, die jedoch nur als eine besondere Secte angesehen und daher für die Gesammtheit der Culturwelt nur eine secundäre Bedeutung haben würde. Auch die Religionen sind tatsächliche und nicht blos ideelle Erscheinungen; man muß sie daher in ihrer Realität verstehen und behandeln. Aber bei der verlangten Procedur wäre auch für die monotheistische Gotteslehre eine große Gefahr verbunden. Es ist eine Selbsttäuschung, wenn Herr Rahlenbeek annimmt, daß die Orthodoxie in allen Confessionen darniederliege und auf der Flucht begriffen sei. In einer Zeit, wo das Jnfallibilitätsdogma mit dem Syllabus proclamirt worden ist und abgesehen von einer kleinen Zahl deutscher Gelehrten und ihren Anhängern, bei 200 Millionen Katholiken keinen Widerstand gefunden hat, wo z. B. der -französische Klerus noch die Macht hat, die Schulpflichtigkeit und den Laienunterricht zu verwerfen, wo die Orthodoxie auch im Judenthume nach neuer Herrschaft strebt und im Protestantismus sich zu neuem Kampfe rüstet, wo die griechisch-orthodoxe Kirche selbst die protestantische innerhalb des russischen Reiches fast schon zu überwinden vermochte, wo im Islam alle Reform nur ein dürftiges politisches Dasein hat, in einer solchen Zeit behaupten, daß die Orthodoxie in den letzten Zügen liege, ist eine starke Illusion. Eben so wenig darf übersehen werden, daß der positiven religiösen Ueberzeugung gegenüber die pantheistische und atheistische Anschauung gegenwärtig wieder einen großen Raum einnimmt und selbst vielfach populär geworden ist. Positive und negative Momente wirken dabei mit, die hier nicht erörtert zu werden brauchen. 9a, im großen Ganzen ist die deistische Partei, welche die Unterstützung des Judenthums nachsucht, immer nur noch eine verhältnißmäßig geringe. Die Mission des Judenthums, den reinen Monotheismus in einer jetzt sich klärenden geschichtlichen Gestalt, in einer reiner gebildeten, specifischen Form zu erhalten, ist noch nicht vorüber, und durch die gewaltsame Loslösung von der Form würde es sich nur im Gewühle der subjectiven Ansichten verlieren und verflüchtigen, so daß dieser wichtige religiöse Factor der fortschreitenden Menschheit verloren ginge. Was im Schoße der Zukunft liegt, können wir nicht ermeffen; wir können nur die Vergangenheit befragen und die Gegenwart allseitig prüfen. Beide aber lehren uns, daß das Judenthum nur in der weitern Verfolgung seiner.geschichtlichen Entwicklung feine Aufgabe für die Menschheit erfüllen und seine Bekenner befriedigen kann. Gerade deshalb und im Gegensätze zu Herrn Rahlenbeek erkennen wir in der Arbeit und Bewegung, wie das Judenthum sie jetzt ausgenommen hat und fortsetzt, eine Energie, ein segensreiches energisches Leben, nicht aber einen Verfall, einen „unabänderlichen, nicht wieder gut zu machenden Verfall" des jüdischen Stammes. Literarischer Wochenbericht. Potsdam, 18. Januar. bV 2V772 MN23N -Dv “'"y Dans 3^33178 mw m"» na» ->OV irT» 2->n *72M3^7 2-iN bw *723 N183L1N .■^‘-nT'b -*T>aV>»a ,*>3 mit« qor Zu allen Zeiten war man sich des eigenartigen Wesens in der Literatur des Alterthums bewußt, das sittliche Leben zu läutern und in Drangsalen zu heiligem Aufblick zu veranlaßen. In weit höherem Grade als dem heidnischen wohnt diese Macht dem jüdischen Schriftthum ein, und in keinem Falle darf das innige Verhältniß unterschätzt werden, in welchem die unvergleichliche, wunderbare Vertiefung des jüdischen Studimns, die rastlose und in sich selbst befriedigte Hingabe an die alten Denkmäler des Glaubens und Erkennend zu den immer wiederkehrenden langen Perioden des Leidens steht, welche die Geschichte des jüd. Volkes charakterisiren. Aus der Beschäftigung mit den heiligen Urkunden gewannen die Unglücklichen die Kraft der Duldung und des Gottvertrauens, die Läuterung und Erneuerung ihres sittlichen Lebens. Einer solchen Auffassung von dem Einfluß der biblischen Urkunden verdankt das vorliegende Werk sein Entstehen, das der Verfasser, Saadiah Asobib, zu Alkassar.in Algier vor 164 Jahren schrieb, in der ausgesprochenen Absicht, sich damit aus den Widerwärtigkeiten, welche ihm seine Gemeinde bereitet, und aus dem Schmerz und Leid zu flüchten, von welchen diese selbst heimgesucht wird, und in einer geläuterten sittlichen Erkenntniß sich aufzurichten in Gottvertrauen und Frömmigkeit. Daß das Buch der „Sprüche" dem Verfasser den rechten Boden zu seiner Arbeit bot, ist in dem Wesen desselben vollauf begründet, und in Deutungen wie zu 2, 21; 3, 11; 17, 5 und sonst glaubt man den innern Schmerz des Berfaffers, und doch wiederum die Beruhigung zu erkennen, die ihm die Stimmen der Vorzeit gewähren. Ein Beitrag zur kritischen Forschung über die „Sprüche" im

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