Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1872)
- Date
- 1872-01-23
- Page
- Seite 58 (sequence 4)
- Language
- German
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Nischen Welt wurden, und von dem man einflußreiche Institutionen herübernahm, z. B. den freilich auf verschiedene Tage verlegten Sabbath. Der große gedankliche Hintergrund von Gott und dem Verhältniß des Menschen zu Gott war in beiden Religionen der Grundlehre des Judenthums entnommen, und auf diesen erst errichteten beide ihre besonderen Glaubensdogmen, denen freilich ein innerer Widerspruch mit diesem Grundgedanken einwohnt. Ebenso ist das Sittengesetz Leider Religionen in seinen Hauptzügen das von Moses verkündete und von den Propheten eingeschärfte; freilich haben sie es in mancherlei Momenten mvdifieirt. Der JSlam ging noch weiter, er übertrug noch viele Specialgesetze aus dem Judenthume auf ausgedehnte Kreise, die er bald als die seinen beherrschte. Noch mehr wirkte das Judenthum auf die Dauer, namentlich in der christlichen Welt dadurch, daß die Bücher der heiligen Schrift allgemeine Verbreitung in ihr fanden und, vom Glauben an ihre Göttlichkeit getragen, in unsagbarer Weise auf die Geister und Gemüther influirten. Es war das factische Verdienst der Juden, das Verständniß dieser Schriften zu vermitteln; denn wie die griechische ging auch die lateinische Uebersetzung aus ihrer Unterweisung hervor, und das Verständniß des hebräischen Textes wurde auch noch in späterer Zeit den christlichen Gelehrten durch jüdische Lehrer zugänglich gemacht. — So hatte der jüdische Stamm seine ihm von den Propheten angekündigte Mission für die Welt zum ersten Male und zu einem bedeutsamen Theile erfüllt. Diesem Einflüsse des Judenthums gegenüber gestaltete sich aber die christliche Kirche immer mehr zu einem Gebäude, in welches einzutreten den Juden als ein frevelhafter Abfall von der Wahrheit, wie sie in ihrer Religion lebte, erschien und dem gegenüber ihre Religion unangetastet zu erhalten als des einzelnen wie des ganzen Stammes theuerste Pflicht gelten mußte. Allerdings war das Bewußtsein, hiermit zugleich einen Beruf für die gesammte Menschheit zu erfüllen, nur in wenigen vorhanden; aber eben die eingewurzelte Ueberzeugungstreue, welche in den Juden im höchsten Maße kräftig war, und ihr fester Zusammenhang in Familie und Gemeinde ließen sie diesen beispiellosen Widerstand gegen eine feindliche Welt durchführen. Die in beiden katholischen Kirchen zu unerhörter Macht aufwachsende Hierarchie, welche in der römischen Kirche im Papismus gipfelte und sich eine Herrschaft über die Seelen anmaßte, wie sie dem damals schon aus dem Judenthume geschwundenen Priesterstande niemals ein gewohnt hatte, die sich ausdehnende Anbetung und Verehrung menschlicher Wesen, wieder Mariencultus, die Heiligen- und Reliquienverehrung u. s. w. gaben der Kirche in den Augen der Juden immer mehr ein Gepräge, welches dem alten Heidenthnme nahe kommen mußte. Allerdings trat dieser semipelagianifchen Richtung der katholischen Kirche, d. h. der Verdienstlichkeit und Rechtfertigung durch kirchliche Werke, die Reformation des 16. Jahrhunderts entgegen und erstrebte die Rückkehr zum augustinischen System, daß die menschliche Erlösung, unabhängig von kirchlichen Werken, nur durch die göttliche Gnade und durch die Rechtfertigung im Glauben vollbracht werde. Aber eben hiermit betonte sie die christlichen Dogmen nur um so mehr, und stellte sie schärfer als je in den beherrschenden Vordergrund, wo sie mit den Grundlehren des Judenthums einen unversöhnlichen Contrast bilden. Der Gegensatz blieb daher auch durch die Reformation unvermindert bestehen. Aehnliche Momente widersprachen ihnen nicht minder im Islam, die hier auszuführen zu weitläufig wäre. Keine Verlockung, keine Bedrückung, keine Verfolgung, nicht Gefängniß, nicht Tortur, nicht Schwert und Feuer vermochten daher die Juden ihrer Religion zu entziehen. Sie verließen die liebgewonnene Heimath, sie gaben den mühsam erworbenen Reichthum hin, um ihrer Religion treu zu bleiben; nicht Ansehen und Ehre, nicht Besitz und Sicherheit, was alles ihnen durch den Uebertritt geworden wäre, verleiteten sie zum Abfall. Wer könnte ernstlich läugnen, daß sie hiermit einen providentiellen Zweck erfüllten? Aber ebenso wenig darf verkannt werden, daß sie hierzu nur durch die national-religiöse Organisation des Judenthums, welche die talmudische Geistesthätigkeit hervorgebracht hatte, befähigt worden sind. Wir stehen nunmehr vor der neuern Zeit, deren Betrachtung der letzte dieser Artikel gewidmet sein soll. iSchluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, 1. Januar 1872. .nm> i-nzi7a -a-na b^ptmi hw ba> ujvpd A Commentary upon the Books of Jeremiah and Ezekiel by Moscheh ben Schescheth ediled frorn a Bodleian MS. with a Translation and Notes by S.