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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-01-16 · Heft 3 (16.1.1872) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 3 (16.1.1872)
Date
1872-01-16
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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••'SH- IHPH KMWMMWUW' mti. HB des Geistes nicht zur Opposition gegen die Religion treibt. Auch wir erkennen hierin das Wesen der gegenwärtigen Bewegung, ohne heute darüber urtheilen zu wollen, ob nicht eine Partei in ihrer Consequenzmacherei zu weit gehen und die realen Verhältnisse, welche sie unberücksichtigt läßt, in eine gefährliche Verwirrung bringen möchte. — In diesen Tagen sandte man von hier und Köln eine Petition an das preußische Abgeordnetenhaus ab, die zunächst dort den sogenannten Altkatholiken ausging, zu deren Unterschrift sie aber alle liberal gesinnten Männer des Vaterlandes , welcher Confession sie auch angehören mochten, aufforderten. Wir geben zu, daß der Inhalt dieser Petition derartig ist, daß eine solche Theilnahme wohl möglich wäre, müssen aber bemerken, daß sie für uns Juden'völlig gegenstandslos ist, da wir doch nicht um etwas petitioniren können, was wir jbereits besitzen? Die Petita lauten: „1) daß die Führung von Civilstandsregistern durch weltliche Beamte und die obligatorische (Zivilehe im ganzen Gebiete des preußischen Staates durch ein Gesetz angeordnet werde." Nun hat aber das Gesetz vom 23. Juli 1847 die preußischen Juden der alten Provinzen mit beidem versehen, nur in den annectirten Provinzen ist es noch anders. „2) daß das Recht der Aeltern, die religiöse Erziehung und Bildung ihrer Kinder selbstständig zu bestimmen, vollkommen gesichert, und demgemäß der gegenwärtig bestehende staatliche Zwang, durch welchen die Schüler der öffentlichen Unterrichtsanstalten dem Religionsunterrichte und dem gemeinsamen Schulgottesdienste beizuwohnen genöthigt sind, aufgehoben werde, — wobei es nicht Absicht der Petenten ist, die durch die Verfassung vorgeschriebene oder die stiftungsgemäß eingeführte vernünftige Rücksichtnahme auf die confessionellen Verhältnisse bei Einrichtung und Leitung der Volks- und Mittelschulen in Frage zu stellen." Dieses zweite Petitum verlangt die Aufhebung des obligatorischen Religionsunterrichtes und läßt die Beibehaltung der confessionellen Volks- und Mittelschulen zu. Obligatorischer Religionsunterricht besteht für die Juden nicht, und das preußische Unterrichtsministerium verweigert sogar jede Unterstützung auch des freiwilligen jüdischen Religionsunterrichts. Um Beibehaltung der confessionellen Volksschule können wir nicht petitioniren. Das dritte und vierte Petitum betrifft das Kirchenvermögen nnd die Civilstandsregister der Altkatholiken. So sehr wir daher den Petenten einen günstigen Erfolg wünschen, vermögen wir doch als Juden die Petition nicht mit zu unterschreiben. Darmstadi, 20. Dec. (Privatmitth.) Eine Correspoudenz aus /Hessen" erwähnte bereits eines schmählichen Artikels, den der „Starkenburger Bote" aus der „Augsburger Postzeitung" abgedruckt hat, und wegen dessen der jüdische Vorstand Klage erhoben hat. Da aber nun dasselbe Blatt mittlerweile einen abermaligen Schandartikel brachte, sah sich der großherzogliche Landrabbiner, Herr vr. Landsberger Hierselbst, veranlaßt, eine ausführliche und gründliche Widerlegung beider Artikel in einer Beilage zu Nr. 295 der „Hessischen Volksblätter (Landeszeitung)" zu veröffentlichen. In klarer, würdigster Weise zeigt er die schändlichen Verdrehungen, deren sich die Abfasser jener Artikel schuldig gemacht haben, die falschen Citate, die Zeichen der Unwissenheit und Bosheit, die überall zu Tage treten, und weist die Wahrheit siegreich nach. Allerdings wird auch dieser Aufsatz „Zur Abwehr" die Mohren nicht weiß waschen , d. h. die Verläumder und Fälscher nicht bessern. Allein die große Masse zu belehren und in ihr die alten Borurtheile nicht wieder aufkommen zu lassen, ist Verdienst und Bedürfniß genug. Werden die Feinde der Wahrheit nicht müde, ihre Lügen zu wiederholen, dürfen wir nicht müde werden, ihre Trugesnetze immer wieder zu zerreißen. Herr Dr. Landsberger schließt mit folgenden beredten Worten, denen wir eine allgemeine Befolgung wünschten: „Mit aller Macht muß ich daher jene beiden Artikel im „Starkenburger Boten" als lügenhaft und verläumderisch zurückweisen. Zugleich kann ich nicht umhin, mein inniges Bedauern auszusprechen, daß in der erleuchteten Gegenwart nicht die Herren Geistlichen mit aller Autorität ihrer priesterlichen Würde solch frevelhaftem Gebaren entgegentreten. — Der der Unduldsamkeit angeschuldigte Talmud lehrt: „Sei ein Schüler des Hohenpriesters Aharon: liebe dem Frieden, jage dem Frieden nach, umfasse die Geschöpfe mit Liebe." (Tr. Aboth 1, 12./ Ferner lehrt er: „Die Religion ist von Gott nur offenbart worden, um Frieden in der Welt zu stiften, denn es heißt (Spr. Sal. 3, 17): ihre Wege sind die Wege der Anmuth, alle ihre Pfade führen zum Frieden." (Vgl. Gittin 59, 2.) Höchste, heiligste, beseligendste Aufgabe des Priesters und des Glaubens! Der Priester

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