Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1872)
- Date
- 1872-01-09
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
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WW^FWWWMWWVWWWMWVMWWWWWW 28 Anstellung bedarf der Bestätigung der königlichen Regierung in gleicher Weise; warum sollte er also nicht derselben Rechtswohlthaten sich erfreuen dürfen? Beschwerden durch alle Instanzen haben in dieser Angelegenheit bis jetzt nichts genützt, und konnten auch nichts nützen, da die gesetzliche Bestimmung einmal besteht und erst auf gesetzlichem Wege beseitigt werden muß (s. Ministerialrescript vom 10. Januar 1848). Dennoch halten wir in diesem Augenblicke den Zeitpunkt für nicht geeignet, über diesen Gegenstand mit Petitionen vorzugehen. Die Stellung der jüdischen Gemeinde, besonders der jüdischen Schule, muß in. der nächsten Zeit ins Klare gebracht und gesetzlich geregelt werden. Hat sich dieses Dunkel erst gelichtet, so werden die einzelnen Puncte zur Verhandlung kommen, da sie sich dann um so leichter aus der Sache selbst ergeben werden. Aus der Provinz Posen, 24. Dec. (Privatmitth.) Im amtlichen Schulblatte für die Provinz Posen vom 16. December Nr. 24 theilt die Regierung von Bromberg das Ergebniß mit, welches sie aus den ihr vom königlichen Generalcommando des zweiten Armeecorps zu Stettin übersandten Uebersichten derjenigen Ersatzmänner pro 1870/71, welche ohne alle Schulbildung vorgefunden sind, gewonnen hat, dem zufolge im Regierungsbezirke Bromberg 180 ohne Schulbildung vorgefunden wurden, nämlich 26 evangelische, 153 katholische, 1 mosaischer; von diesen haben"? evangelische und 78 katholische überhaupt gar keine Schule besucht. Und doch macht sich darin gegen früher ein nicht unerheblicher Fortschritt zum Bessern bemerkbar. Es waren nämlich im Jahrgange 1869/70 208 ausgehobene Recruten ohne Schulbildung, nämlich 23 evangelische, 184 katholische und 1 jüdischer, und im Jahrgange 1864|65 sogar 286 Recruten, nämlich 242 katholische, 43 evangelische, 1 jüdischer. Oesterreichisch-ungarische Monarchie. Wien, 24. Dec. Gestern morgen fünf Uhr starb hier Baron Äonas Königs wart er nach längeren Leiden am Herzschlag. Er war in Frankfurt geboren, aber seit 30 Jahren in Wien ansässig, wo er in der Finanzwelt eine erste Rolle spielte, dem Börsenrath angehörte, als Präsident der böhmischen Westbahn fungirte, eine hervorragende Rolle im Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde vertrat, sich durch seinen Wohlthätigkeitssinn ebenso wie durch seine spekulative Thätigkeit einen Namen machte und ungemein populär war. Er ist 64 Jahre alt geworden und hinterläßt einen Sohn, der schon bisher ihm zur Seite an der Spitze des Bankhauses stand. — Der „Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien" hat soeben seinen zehnten Jahresbericht' veröffentlicht. Er zählte 153 Mitglieder und nahm 3591 fl. ein. Er unterstützte 216 Gesuche in 175 Fällen, und zwar theils mit den Geldern für die Collegien, theils zur Promonon, nämlich 6 Studirende der Philosophie, 130 der Medicin, 29 der Rechte und 10 Techniker. Dem Vaterlande nach waren von den Petenten 2 aus Wien, 1 aus Nieder-Oesterreich, 92 aus Ungarn, 23 aus Galizien, 22 aus Böhmen, 16 aus Mähren, 8 aus der Wallachei, 6 aus Triest, 3 aus österreichisch Schlesien, je einer aus Siebenbürgen und Schweden. Die Ausgaben beliefen sich auf 3276 fl. Die Fonds des Vereins stiegen im Jahre 1871 von 7950 fl. auf 8350 fl. Dieser so überaus wohlthätig wirkende Verein gereicht den wiener Israeliten um so mehr zur Ehre, als aus wbiger Zusammenstellung sich ergibt, welche überaus geringe Zahl von Wienern sich unter den Unterstützten befand, während der Verein seine Mittel ganz allein von den Wienern erhielt. Möge er immerfort wachsen und endlich auch Zuschüsse aus den übrigen österreichischen Ländern erhalten. Aus Ungarn, 24. Dec. (Privatmitth.) So hat es denn Herr Pauer, unser Cultusminister, dahin gebracht, an dem einen Tage die Congreßpartei aus ihrem Schlummer zu wecken und ihr eine israelitische Landescanzlei als Behörde an die Spitze zu stellen, an dem anderen die Autonomie der orthodoxen Gemeinden anzuerkennen und den Ausschuß des Schomre- Hadath-Vereins für ihr Organ zu erklären, am folgenden Tage aber wieder der Congreßpartei zu rescribiren, sie solle sich durch das Zugeständniß an die Orthodoxen in der Fortsetzung ihrer Organisation durchaus nicht behindern lassen. Der edle Herr sieht gewiß sich selbst in dem Spiegel, wenn er den entschiedensten Anhänger. der Gewissensfreiheit — und wäre'es auch nur für die Juden — sehen will.' Aber wenn er rin solcher Anhänger ist, wozu sanctionirt er dann erst ein Congreßstatut, und dann wieder ein