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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-01-09 · Heft 2 (9.1.1872) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 2 (9.1.1872)
Date
1872-01-09
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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24 Organisationsstatut der Orthodoxen? Was geht ihn, den Bekenner der Gewissensfreiheit, die Organisation der jüdischen Gemeinden an? Lasse man doch jeden in religiösen Dingen thun, was er will, so lange die öffentliche Ruhe und Ordnung dadurch nicht gestört wird.. Das ist also die Gewissensfreiheit, mit welcher der Minister liebäugelt. Er weiß es freilich auch nicht, daß er diese Freiheit nur den Gemeinden gegeben hat; sobald diese organisirt sind, verfällt das Individuum doch dem Zwange der Infallibilisten, was Herr Pauer nicht verhindern kann. — Dennoch hat die Verwirrung, die jetzt in unserm Land§ unter unfern Glaubensgenossen Platz gegriffen hat, auch etwas Tröstliches. Warum findet sich eine ähnliche Erscheinung nicht in Galizien? Weil es eben dort unter unfern Glaubensgenossen keine nennenswerthe Fortschrittspartei giebt. Warum läßt man sich in Ungarndie ganze Strenge der katholischen Hierarchie gefallen? Warum hat die altkatholische Bewegung aus Deutschland gar keinen Wiederhall gefunden? Eben weil die katholische Masse im völligen Stillstände verharrt und die katholischen Aufgeklärten so wenig religiöse Ueberzeugung besitzen und so wenig in und mit dieser leben, daß ihnen alles, was in der Kirche vorgeht, gleichgiltig ist und sie nur mitmachen, was die Verhältnisse verlangen. So traurig also auch die Spaltung unter unfern ungarischen Glaubensgenossen ist, so giebt sie doch andrerseits den Beweis, daß der Fortschritt in einem großen Theile derselben lebendig ist, und sie doch so weit mit ihrer Religion leben, daß sie diesen Fortschritt zur Erscheinung bringen und für die Gesammtheit nutzbar machen wollen. Sie könnten ja sonst den Orthodoxen ruhig alles überlassen. — Wir wundern uns hier sehr, daß wir in den dem Judenthume gewidmeten deutschen Blättern so oft den Namen des Herrn Hildesheimer in Berlin genannt finden. Wir in Ungarn hatten die Unbedeutendheit dieses Mannes sehr bald erkannt, die Orthodoxen ebenso gut wie die andern; darum kam er aus Eisenstadt nicht eher heraus, als bis er Ungarn überhaupt verließ. Wenn in dem Blatte, das seiner Fahne folgt, jüngst mit Händen und Füßen dagegen gepoltert wurde, daß die gegenwärtigen Wortführer der sogenannten Orthodoxie mit den Ultramontanen und Pietisten oder Muckern in Verbindung gebracht werden: so ist dies dasselbe Manoeuvre, das die Ultramontanen und Pietisten in der Regel vornehmen: sie identisiciren sich mit dem Katholicismus, und weisen dann auf die Ungerechtigkeit hin, welche darin liege, die ihnen gemachten Vorwürfe an den Katholicismus zu richten. Diese Männer der Verketzerung, der Schmähung und Verfolgung halten sich für die Vertreter der alten, ehrwürdigen Orthodoxie, mit der sie gar keine Ähnlichkeit, haben. Die wahre jüdische alte Orthodoxie in ihrem ächten frommen Sinne, in ihrer bescheidenen Frömmigkeit , in ihrer stillen Thatkraft und Opferwilligkeit hat mit diesen sogenannten Neuorthodoxen nichts gemein. Jede Aeußerung, jede mündliche oder schriftliche Auslassung dieser letzteren, ihr ganzes Treiben und Gebaren beweist dies. Nicht die jüdische Orthodoxie wird bekämpft, sondern nur die jüngst entstandenen Neuorthodoxen, die zwar die Pfade der Ultramontanen und Pietisten zu gehen versuchen, aber freilich mit viel kleinlicherem Wesen und Zweck. Frankreich. . Nizza, im Dec. (Educatore israel.) Baron Adolph von Rothschild in Genf schenkte vor einiger Zeit der Stadt Nizza, wo er gewöhnlich den Winter verbringt, die ansehnliche Summe von 100,000 Lire zur Gründung einer Armenschule. Der Stadtrath nahm die Summe dankend an und legte dem in einer reizenden Lage gelegenen schönen neuerbauten Schulgebäude, das für 500 Schüler eingerichtet ist und am 1. November in feierlicher Weise seiner Bestimmung übergeben wurde,, zur bleibenden Erinnerung an den großmüthigen Spender den Namen „Asyl Rothschild^ bei. Italien. Florenz, im Nov. Den 6. November verschied hier Herr Elias Modigliani, der nach dem „Educatore israel." ein Vermögen von 12 Millionen Lire hinterließ. Wohlthätig wie im Leben zeigte er sich auch in seinem Testamente: 100,000 Lire bestimmte er zu wohlthätigen Zwecken. (Was ist hieran zu rühmen? Der 120 Theil ist noch lange nicht der Maaser (Zehntes.)

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